Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der Inseln Kais oder Kisch (auf persisch Kosch) und Bahrein, wo die reichsten Perlenfischereien im persischen Meerbusen. Die erste dieser Inseln hat ihren Namen von Kais, dem Sohne Kaissar's, eines Schiffsherrn von Siraf, der Hafen- und Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung der Macht und der Grösse der Beni Kaissar war eine Katze, welche die arme Mutter der drei Söhne Kaissar's einem Schiffer als ihr einziges Habe auf einer Fahrt nach Indien mitgegeben, die sich aber, weil sie dort, wo gelandet ward, es keine Katzen und zu viel Mäuse gab, die letzten zusammenfrass, mit einem Schatze von Juwelen und Gold rentirte. Die Söhne der Wittwe wurden mächtige Schiffsherren und dehnten ihre Unternehmungen bis an die indische Küste aus; sie bauten auf Kais einen grossen Palast, den sie Aferide nannten und welcher mit der Palasthalle Adhadeddewlet's zu Nabend (dem östlich von Siraf gelegenen Dorfe) und mit den Säulenhallen des Elephantenhauses Adhadeddewlet's zu Siraf um den Vorzug buhlte[468], und der Chalife Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der Herrschaft von Kais unter dem Titel: Sultan Ibnol Melik Dschemschid. So herrschten die Beni Kaissar, deren Dasein bisher aber, sowie das der Beni Amare in Fars, europäischen Geschichtschreibern entgangen, auf Kais, als Seifeddin Abu Nadhr Ali Ben Keikobad, der Herr der Insel Hormus, dem Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur Eroberung von Kais anbot; die Befehlshaber von Germsir, d. i. dem warmen Landstriche der südlichen persischen Küste, wurden zur Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde nur einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. 12. Dchem. achir 626/
17. Mai 1229 Der Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und nicht für den Atabegen erobert; wie sich diesem Abu Nadhr zum Sturze Melik Sultans angetragen, so boten Indienfahrer von Kisch, welche mit ihren reichen, nach Malatia bestimmten Ladungen zu Chorschif gelandet hatten, ihre Hilfe zum Verderben Abu Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein Heer von Kurden, Luren und Schulen, und Seifeddin, d. i. das Schwert der Religion, Abu Nadhr fiel unter dem Schwerte der Feinde. 4. Moharrem 628/
12. Nov. 1230 Der Sultan von Kenbajet in Indien huldigte dem Atabegen von Fars, der ihn mit einem Diplome beehrte, dessen Beginn: Im Namen Gottes der Erbe des Reichs Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land und See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad, der Helfer der Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf wurde die mit ihren Perlenfischereien in die Steuerregister des Chalifats eingetragene Insel Owal, insgemein Bahrein genannt, 3. Silhidsche 633/
8. Aug. 1236 und sieben Jahre darnach die Insel Katif, auf welcher das Schloss Tharut, erobert und mit jährlichen zwölftausend Dukaten vom Ertrage der Perlenernte besteuert. Ebubekr, der grösste der Atabegen, starb in seinem sieben und siebzigsten Jahre, 5. Dschem. achir 658/
19. Mai 1260 von seinem Sohne Saad II., dem siebenten Atabege, nur zwölf Tage überlebt, worauf der letzte minderjährige Sohn, Mohammed Ben Saad, unter Vormundschaft Turkjan Chatun's, der Schwester des Atabegen von Jesd, Alaeddewlet's, den Thron bestieg. Ebubekr, des grössten der persischen Atabege Namen, ist nicht nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch die Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und seine Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe persischer Kultur. Nach dem Beispiele der Fürsten der Dynastien Saman, der Seldschuken und Chuaresmschahe hatte er einen Dichterkönig, Hemkjar Farsi, beigenannt Medschdeddin Semeki, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan hinaufleitete; Schönredner, Schönschreiber, in trautem Umgange mit den grossen Dichtern Imami aus Herat, Abdulkadr von Nain, Said von Herat, Nefieddin Lokmani[469] und Esireddin Omani, dem Schüler Nassireddin's von Tus. Ein Schüler Nassireddin's von Tus war auch der Chodscha Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters, ein reicher Mann und aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern und Gelehrten offen stand[470]. So günstig, als Ebubekr den Dichtern, so wenig liebte er die Gelehrten, besonders die, so sich Philosophen nannten; er verbannte mehrere derselben aus Schiras, darunter den grossen Imam Ssadreddin Mahmud El-Uschnusi, den berühmtesten Prediger seiner Zeit[471]; er fürchtete, sagt Wassaf, dass die Gelehrten mittels Einsicht und Geldes die Regierungsgeheimnisse erfahren, die Regierung in ihrem freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste und schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von Schiras mit dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's Lobpreis steht im Gülistan Saadi's das Saad's, seines Sohnes und des grossen Emirs Ben Ebi Nassr.

Turkjan's tragisches Ende; Fars, dem mongolisch. Reiche einverleibt.

Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke an Hulagu und erhielt von demselben das Diplom der Herrschaft auf den Namen ihres Sohnes, welcher schon nach zwei Jahren und sieben Monaten sein Leben durch einen Sturz vom Dache endete. Der Leiter ihrer Geschäfte war der von Saadi im Gülistan gepriesene Grosswesir Nisameddin Ebubekr, der als Gesandter an Hulagu ging, ihr bekannter Günstling aber der schöne Sklave Schemseddin Miak, ein Mamluke des Atabegen Saad; nach Mohammed's Tod wurde sein Vetter Mohammed, der Sohn Salghur's, zum Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan zwar ihre Tochter Selgham vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn bei Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's (der Bruder Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im Geleite des Ilchan's vor Bagdad durch Proben seiner Tapferkeit sich bei Hulagu in Kredit gesetzt, aber als er zur Regierung gelangt, sich der Weichlichkeit ergab. Sein im Schlosse von Istachr eingesperrter Bruder bat ihn vergebens in Versen um Befreiung. Da verschwor sich die Frau Turkjan wider ihren Schwiegersohn mit den Emiren der Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme ergreifen und sandte ihn nach viermonatlicher Regierung, als der Regierung unfähig, an Hulagu. Die Emire der Schulen befreiten den gefangenen Bruder Seldschuk und setzten denselben auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre Hand gereicht und so sehr darauf gerechnet, seinen Arm zu leiten, als er in ihre Schönheit verliebt war; aber bei einem Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die Charaktere der sieben berühmtesten Liebespaare arabischer und persischer Romane vorstellten, nämlich: Koseir und Osa, Amrol Kais und Oneise, Irwet und Aafra, Emher und Wefa, Leila und Medschnun, Weise und Gilschad, Schirin und Ferkad, scheint den schon Trunkenen die Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde, aufgestachelt zu haben; auf den von ihm einem gegenüberstehenden Neger gegebenen Wink hieb dieser der Frau Turkjan den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf goldenem Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen der Ohrgehänge weg und warf sie den Sängern vor, wie es scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu solcher That begeisterte. Die beiden mongolischen Vögte Oghlobeg und Kotlogh Bitekdschi, die Mordthat missbilligend, suchten zu Schiff zu entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr, eilte ihnen im Hemde, nur mit goldener Keule bewaffnet, nach, erschlug den einen und liess den anderen ermorden. Miak war an den Hof Hulagu's gegangen, wo Mohammed noch gefangen gehalten, erst in Freiheit gesetzt und nach Fars bestimmt, bald aber darauf hingerichtet ward. Hulagu sandte seine Generale Altadschu und Timur nach Fars, den Atabegen zu züchtigen; da dieser trotz der an ihn ergangenen Aufforderung zur Reue, auf welche Verzeihung folgen sollte, den Boten misshandelte, rückte Altadschu, verstärkt von den Truppen des Sultans von Kerman und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in Fars ein. Seldschuk flüchtete nach Chorschif. Zu Kjarsun kam es zur Schlacht; geschlagen, suchte Seldschuk vergebens am Grabmale des Schwagers Morschid Rettung und ward am Fusse des weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet und Münze wurden nun auf den Namen des einzigen übrigen Sprösslings der Atabegen, der Tochter Turkjan's, Abisch[472] (aus Saad Ebubekr), verrichtet. Nach der Niederlage Seldschuk's hatte der General Timur auf ein allgemeines Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen, aber Altadschu gab hierzu seine Einwilligung nicht, und wurde in der Folge, als der Seid Scherefeddin neuen Aufruhr zu Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht gestellt und, weil er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe verurtheilt. 661/
1262 Schon im ersten Jahre nach dem Tode Seldschuk's wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit Mengu Timur, dem eilften Sohne Hulagu's, vermählt; statt des Heirathsgutes, das sie dem Prinzen mitbringen sollte, wurde ein Sechstel der Besitzungen von Schiras mit den Einkünften von jährlichen achttausend Dukaten ausgeschieden, und Abisch blieb bei ihrem Gemahle im Lager, wo sie noch zwanzig Jahre als Atabeg von Fars geehrt, ihr Land aber von mongolischen Vögten (Baskak) und Intendenten (Melik) verwaltet ward, von denen in der Folge dieser Geschichte noch mehrmal die Rede sein wird. Dieser Erwerb des Kerns ganz Persiens, der Landschaft Fars, welche, wie Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel, das achte der Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu Ende seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der Assassinen und Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone des Ilchan's und Padischah's von Iran durfte die schönste Juwele derselben nicht fehlen, welche die Landschaft Fars.

[Viertes Buch.]


Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften; die Familie desselben und Schemseddin's; Schlacht gegen Nokai; armenische und ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in Luristan; der Tod grosser Männer; Schemseddin Kert und Dschuweini; die niguderischen Banden in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug wider Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan; Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet und wieder zu Gnaden aufgenommen; Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht von Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die Christen.

Abaka's Thronbesteigung.

Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik am sichersten bewegt; am wenigsten bedarf derselben die gerade, offene des Völkerwohls, welcher das Gesetz den sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel quergängige des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler gefährdeten Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von jeher in östlichen Reichen und auch in westlichen, schon vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers angefangen, Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange als möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen zeitgemässen Anstalten die Kunde desselben immer zugleich mit der von der Besitzergreifung des Nachfolgers verlaute[473]; daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und Befehl erlassen, dass Niemand sich von seiner Stätte bewege. Ein Eilbote ward an Abaka, den durch des Vaters Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter von Chorasan, abgefertigt, und zugleich Arghun, welcher bei Abaka die Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen. Abaka, der sich damals im Winterquartiere von Arran, und sein Bruder Jaschmut, der sich an der Gränze von Derbend befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein; der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah, dass die Fluth der Stimmen der Emire wider ihn rinne, in zwei Tagen wieder zurück; 19. Dschem. ewwel 663/
9. März 1265 Abaka aber stieg im Lager von Tschaghantu (am Goldfluss in der Nähe Meragha's) ab, wo ihm die Emire bewillkommend entgegengingen und Ilkai, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer Diener zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen der Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen ihr Beileid bezeugt, versammelten sich die grossen Emire und Nujane, deren sich eben Viele gegenwärtig befanden[474]. Sundschak Nujan, welchem Hulagu seinen letzten Willen und die Schriften anvertraut hatte, und Arghun bezeugten mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger Anordnung Abaka zum Nachfolger auf dem Throne bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder nieder und huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den Befehl Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber sagten: Du kennst besser als wir die Gebote und Verbote der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er einen anderen ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten Juni den Thron im ein und dreissigsten Jahre seines Alters. 3. Ramasan 663/
19. Juni 1265 Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel um den Hals, um dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt, das ist nicht mehr frei, dass ihr Gürtel bereit, als Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren, beugten siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan. „Die Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der leichter als des Feuers Schein, und wie des Paradieses Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen und grossen Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.“ Mehrere Tage dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin von Tus als glücklich bezeichneten Monate hatte die Thronbesteigung am Tschaghan Nur, d. i. am weissen See, im Distrikte Ferahan, statt; Ferahan ist eine Stadt mittler Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine Residenz erbaute, die längst in Schutt zerfallen[475]; es liegt in derselben Höhe und Breite, wie das vier Tagreisen von Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernte Dolfabad, der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz, Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs Ebu Dolf Kasim Ben Isa Ben Idris; südlich vom Gebirge Rasmend, an dessen Fusse die grosse Fontaine Chosrew's Perwis. An dieser, durch historische Erinnerungen aus der ältesten Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an.

Verleihung der Befehlshaberschaften.