Abaka wollte bis zur Ankunft der Bestätigung Kubilai's nicht auf dem Throne, sondern nur auf einem lehnlosen Stuhle sitzen; aber er traf nichtsdestoweniger alle Massregeln und Anordnungen der Herrschaft als Chan, Ilchan, Schah und Padischah, d. i. als Herr, Landesfürst, König und Monarch. Nachdem er die Prinzen und Prinzessinnen, die Nujane und Emire der Tomane (der Zehntausenden), der Hesare und Ssade (Tausender und Hunderter) mit Geschenken überhäuft, flogen in alle Gegenden Boten mit der Nachricht seines Regierungsantrittes und mit Befehlen für Bestätigung und Aufrechthaltung der Jasa Tschengischan's und Hulagu's im strengsten Sinne; dann vertheilte er die Befehlshaberschaften der Heere und die Statthalterschaften des Reichs. Dem Bruder Jaschmut wurde mit wohlgerüstetem Heere die Huth der nördlichen Gränze gegen Derbend[476], Schirwan, Moghan bis an die Gränze des Altai; dem Bruder Tuktin die Huth der östlichen Gränze von Masenderan und Chorasan bis an den Oxus anvertraut. Der Bitekdschi (Staatssekretär) Tughu, der Sohn Ilkai Nujan's, und Tudan, der Bruder Sundschak Nujan's (der Ahnherr des zu Ende dieser Geschichte als ein grosser Charakter auftretenden Emirs Tschoban), wurden nach Rum gesendet, wo sie später von den Emiren Semaghar und Kehurkai abgelöset wurden. Dutai Nujan wurde nach Diarbekr und Dijar Rebiaa an die syrische Gränze befehligt, die militärische Aufsicht Georgiens dem Schiramun, dem Sohne Dschurmaghun's, des vormaligen Befehlshabers in Persien, die von Bagdad und Fars dem Sundschak Nujan übertragen; die Verwaltung der Krongüter erhielt Baltadschu Aga und die der Pachten[477] Arghunaga. Zur obersten Würde des Wesirs als Leiter und Herrn des Diwans zu Tebris wurde Schemseddin Mohammed von Dschuwein und zu seinem Stellvertreter als Leiter und Inhaber des Diwans sein Bruder Alaeddin Atamülk, der Geschichtschreiber, ernannt. Zu Issfahan stand der Sohn des Wesirs Schemseddin, Chodscha Behaeddin, an der Spitze der Geschäfte. Die Verwaltung von Chorasan wurde dem Chodscha Iseddin Tahir und nach ihm seinem Sohne Chodscha Wedschiheddin zugewandt; Fars wurde im Namen der Atabegin Abisch verwaltet und die Aufsicht der Pachten hatte dort Tasiku auf sich. Die Herrschaft von Kerman wurde der Prinzessin Turkjan Chatun, die von Nimrus dem Melik Schemseddin Mohammed Kert und von Georgien dem Abd und seinem Sohne Ssadren, die Armeniens dem König Hethum bestätigt. Diarbekr wurde dem Dschelaleddin Tarsi, Dijar Rebiaa dem Mosaffer Fachreddin Kara Arslan, Kaswin und ein Theil Iraks dem Iftichareddin Kaswini, Tebris dem Ssadreddin zur Verwaltung anvertraut. Aus dieser nach Reschideddin gegebenen Uebersicht der Heere und Ländervertheilung erhellet, dass schon damals, wie später im osmanischen Reiche, dessen Staatseinrichtungen grösstentheils den mongolischen nachgebildet sind, die militärischen Befehlshaberschaften der Gränze von den Statthalterschaften, die Aemter des Diwans von denen der Finanz getrennt waren. Wir haben hier sechs grosse militärische Hüter der Gränzen: in Schirwan und Chorasan, in Georgien, Kleinasien, in Fars und im arabischen Irak, drei Wesire, Inhaber des Diwans: zu Tebris, Bagdad und Issfahan, drei Intendenten der Krongüter und Pachten, fünf Vorsteher der inneren Verwaltung: in Chorasan, Diarbekr, Dijar Rebiaa, zu Kaswin und Tebris und endlich die dem Namen nach herrschenden, aber eigentlich nur im Namen der Mongolen das Land verwaltenden fünf Fürsten von Kerman, Nimrus, Georgien, Armenien und Fars; zählen wir hierzu noch die schon oben erwähnten Fürsten, welche nur unter der eisernen Keule mongolischer Herrschaft ihr Land regierten, nämlich die Atabegen von Gross- und Klein-Luristan und von Jesd, die noch zu Mardin herrschenden Fürsten aus der Familie Ortok und die zu Hossnkeif aus der Familie Ejub (denn die noch übrigen syrischen von Himss, Hama und Kerek gehorchten nun dem Sultan Aegyptens), so haben wir beim Regierungsantritte Abaka's sieben und zwanzig von ihm begewaltigte grosse Befehlshaber der Heere und Länder, Vorsteher der Geschäfte und Verwalter der Güter.

Schemseddin's Familie.

Der Geschichtschreiber Wassaf, statt diese Eintheilung zu geben, hebt als die vier Säulen des Ruhms der Zeit Abaka's, von welcher die feste und sichere Herrschaft der Ilchane in Persien datirt, vier in ihrem Fache ausgezeichnete Männer hervor als „die vier Grossen unter ihren Zeitgenossen“; der erste derselben der grösste Astronom und Philosoph seiner Zeit, Nassireddin von Tus, der Gründer der Sternwarte zu Meragha, der Verfasser der grossen Metaphysik und Ethik, welcher am Hofe Hulagu's und Abaka's die Stelle des Ministers des Unterrichts vertrat und der bei Gelegenheit der Thronbesteigung Abaka's hundert seiner Schüler mit Geschenken des neuen Herrn bedräute[478]. Der zweite der Wesir Schemseddin Dschuweini, der dritte der Tonkünstler Ssafijeddin Abdolmumin El Ormewi und der vierte der Schönschreiber Dschemaleddin Jakut. Von den beiden letzten genügt hier der Name, den ersten haben wir bereits in dieser Geschichte handeln gesehen; Schemseddin Mohammed Dschuweini tritt aber erst jetzt als Wesir an die Spitze der Reichsgeschäfte in seiner ganzen Grösse auf. „Unter seiner Regierung“, sagt Wassaf, „begehrten die Schafe von den Wölfen das mehrjährige Blutgeld, und das Repphuhn liebäugelte mit Falken und Habichten; durch ihn wurde der gute Name des Padischah auf den schwarzen und weissen Blättern der Tage und Nächte mit schöner Glückesschrift aufgezeichnet.“ Unter seiner gerechten Verwaltung erhob sich Bagdad, wo sein Bruder sein Stellvertreter, wieder aus dem Schutte der Verheerung Hulagu's. Mehr als hunderttausend Goldstücke verwandte er auf die Grabung eines Kanales, um damit Meschhed (die Grabstätte Ali's) und die Umgegend von Nedschef zu bewässern. Tadscheddin Ali, der Sohn des Emirs Dolfendi, welcher von Schemseddin mit der Ableitung des Kanals aus dem Euphrat und mit der Urbarmachung der todten Ländereien beauftragt war, hinterliess über dieses verdienstliche Werk eine besondere Abhandlung. Seide und Imame, Redner und Dichter erschöpften sich in Prose und Versen, im Lobe seiner Gerechtigkeit, Weisheit, Freigebigkeit und Milde. In seine Fussstapfen trat sein Bruder Atamülk zu Bagdad, aber nicht Schemseddin's Sohn, der Chodscha Behaeddin, der Inhaber des Diwans zu Issfahan, welcher die öffentliche Sicherheit nur durch Spähersystem und durch blutige Strenge erhielt. Auf den Bericht eines Kundschafters, der die nächtliche Runde der Wachen gemacht, dass er den Hauptmann wach und eifrig auf seinem Posten, einen Mann der Wache aber schlafend, einen anderen abwesend gefunden, befahl er, allen dreien zwei und siebzig Prügel zu geben, weil der Hauptmann nicht früher als der Kundschafter die Anzeige der Bestrafung der zwei Schuldigen gemacht. Einem, der ihn zu fest angesehen, liess er die Augen ausstechen; einem seiner Kinder, welches, auf seinem Schoosse spielend, ihn beim Barte zupfte, schwur er, heftig auffahrend, dafür an den Hacken schlagen zu lassen, und da keiner der Grossen fürzubitten wagte, packten die Schergen den Knaben und schlugen ihn vor des Vaters Augen zur Erfüllung von dessen Eidschwur an den Hacken[479]. So ein blutiger Tyrann Behaeddin, so ein grosser Beschützer war er der Gelehrten, und ein trefflicher Oekonome seiner Zeit, die er zwischen Studien und Waffenübungen, Reichsversammlungen und Festen theilte:

„Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen,
Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen[480].“

Nach aufgehobenem Diwane verbrachte er die Zeit im Gespräche mit Gelehrten, eingedenk des Spruchs:

„Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.“

und schloss sich, nachdem er dieselben entlassen, mit seinen Vertrauten ein, um sich dem Genusse des Weines zu überlassen:

„Wein, der unter'm Schleier[481] spricht,
Durch die Rosen im Gesicht.“

Nach dem Trinkgelage beschäftigte er sich noch tief in die Nacht hinein mit politischen Untersuchungen und polemischen Studien, nur wenige Stunden dem Hareme und dem Schlafe gönnend, und nur seinen Bruder Harun, der es ihm an Gründlichkeit philosophischer Studien zuvorthat, um diesen Vorzug mit Recht beneidend. Diesem widmete der grosse obgenannte Tonkünstler Ssafijeddin Abdolmumin seine Abhandlungen über die Volkslieder[482], über ihren Ursprung, Composition und Tonarten. Eines Tages, als in einer Versammlung bei Behaeddin, wo auch der grosse Tonkünstler gegenwärtig, Harun, vom Weine erhitzt, diesen ganz kurzweg Ssafijeddin anredete, entschuldigte Behaeddin vor den Gegenwärtigen die Freiheit des Bruders, einen so grossen Künstler schlichtweg bei seinem Zunamen angeredet zu haben, indem er sagte: Harun, der den Namen des grössten der Chalifen trägt, der eine Verwandte des letzten der Chalifen zur Frau hat, dessen Sohn Mamun heisst und der zu Bagdad wohnt, denkt sich erlaubt, den grossen Künstler nach der Gewohnheit des Chalifen bloss mit dessen Zunamen statt mit dessen Vornamen und eigenen Namen anzureden. Diess waren die Söhne Schemseddin's, des Wesirs, die Neffen seines Bruders Atamülk, des Verfassers der Welterobernden Geschichte.

Abaka's Familie.