Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer, Statthalter und Wesire Abaka's kennen gelernt, müssen sie sich auch mit seiner eigenen Familie näher bekannt machen. Diese bestand, die kinderlosen Beischläferinnen ungerechnet, aus der Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern, sieben Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die Frau Jesundschin aus dem Stamme Suldus. Von seinen Frauen nennen wir die beiden, nach des Vaters Tode aus dessen Harem in das seine herübergenommenen zuerst, weil sie durch Ansehen und Würde den übrigen vorgingen; diese waren: die Frau Oldschai Chatun, welche mit Tokus Chatun den Vater Hulagu auf seinem Auszuge nach Persien begleitet hatte, die treue Gefährtin desselben auf seinen dreizehnjährigen Feldzügen; dann Tokini Chatun, die Base der grossen Frau Tokus, die Beischläferin Hulagu's, welcher Abaka nach dem Tode ihrer Base das Lager derselben aneignete, ihr als Frau den Baghtak, d. i. den Frauenkopfschmuck, aufsetzte und an die Stelle Durdschi Chatun's als grosse Frau erklärte. Die vierte seiner Gemahlinnen war die Tatarin Nukdan, die Mutter seines Sohnes Kendschatu, welche aber jung starb. Ihr folgte Iltürmisch Chatun, die Tochter Timurgurgan's, die Schwester Turka Gurgan's, des Konghuraten. Hierauf nahm er die Prinzessin Padischah Chatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's von Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter, Jesundschin, setzte, so dass ihr die ersten Ehren des Frauengemachs erwiesen wurden. Die siebente und achte Gemahlin waren ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen Frauen Mertai und Kuti Chatun, Schwestern Musa Gurgan's, des Sohnes der Tochter Tschengischan's, von denen die erste unter der Regierung Arghun's gestorben. Die neunte Gemahlin, Tudai Chatun, die Konghuratin, und nach ihr Bulghan Chatun, die Verwandte des Oberstrichters Nokai [die Konghuratin[483]], welche er vor allen anderen liebte und daher im Range sowohl der Mertai als der Despina, d. i. der griechischen Prinzessin, vorsetzte. Die letzte war Maria, die natürliche Tochter Michael's, des Paläologen, aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen das Ende der Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und Freundschaft unterhandelt hatte, sandte ihm zum Unterpfande desselben die Tochter vom Archimandriten des Klosters des Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten des Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter diesen befand sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines Zeltes, dessen Wände und Dach dichte seidene Stoffe, mit goldenen Kreuzen und Heiligenbildern und den Opfergefässen[484]. Der Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe als Christin von ihrer Glaubensgenossin, der Frau Tokus, wohl empfangen, wie dieselbe die Freiheit öffentlichen Gottesdienstes im Lager mit Glocken geniessen würde. In Cäsarea angelangt, erhielt sie die Nachricht vom Tode Hulagu's; aber Michael, gleich folgerecht in seiner Politik, welcher er die Tochter opferte, und in der mongolischen Ansicht, nach welcher die Gemahlinnen und Bräute aus dem Frauengemache der Väter in das der Söhne übergingen, sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den Hof Abaka's, in dessen Frauengemach sie doch der aus persönlicher Neigung vorgezogenen Frau Bulghan weichen musste. Von seinen Beischläferinnen gebar ihm Kaitmisch Ikadschi den Sohn Arghun, dann Kewkebi Ikadschi die Tochter Toghandschuk, hierauf Buludschin Ikadschi die beiden Töchter Ilkotlogh und Oldschatai; die vier anderen wurden ihm von Gemahlinnen geboren, nämlich Julkotlogh und Taghai aus der Frau Tudai, dann Nudschin aus der Frau Mertai und endlich Melike aus der Frau Bulghan. Diese sieben Töchter waren keine an Prinzen vom Geblüte, sondern nur an Söhne von Emiren oder grossen Beamten vermählt; so Julkotlogh an den Ildschitai Kuschdschi von der Leibwache, Toghandschuk an den Emir Newrus, den Sohn Arghunaga's, Melike an Taghai Buka, den Sohn des Oberrichters Nokai. In dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten die griechische Prinzessin Maria, die karachitaische Prinzessin Padischah Chatun und vor allen Bulghan Chatun, eine gewiss eben so an Schönheit als an Geist hochbegabte Frau, welche ohne so ausgezeichnete Vorzüge nicht die grosse Rolle gespielt haben könnte, in welcher sie, von einem Frauengemache der Herrscher in's andere wandernd, dieselben mehr oder minder beherrschte durch Schönheit und Geist, hohen Muth und Charakter ein ganzes Menschenalter hindurch, dreissig Jahre lang.
Schlacht mit Nokai.
Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der nördlichen Gränze statt, wo Nokai, um die unter Hulagu erlittene Schlappe zu rächen, aus Derbend auf das Heer des Prinzen Jaschmut ausgefallen, über den Kor gezogen war. Die Schlacht begab sich an den Ufern des Flusses Akssu[485], 3. Schewwal 663/
19. Juli 1265 den die Mongolen Tschaghan Muran nennen (das eine und andere heisst Weisswasser). Der Verlust war von beiden Seiten gross. Nokai, von einem Pfeile in's Auge getroffen, flüchtete nach Schirwan. Jaschmut ging über den Kor, aber wieder zurück, als er vernahm, dass Berke mit einem Heere von dreimalhunderttausend Mann nahe; die Brücken waren alle abgerissen worden, so dass Berke, nachdem er vierzehn Tage lang vergebens am Ufer des Kor geweilet hatte, wieder nach Tiflis zurückging, um dort leichter über den Fluss zu setzen; aber auf dem Wege erkrankte und starb er. Abaka befahl, von Delai Nor bis an die Wüste der Kurden einen Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu ziehen, an dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass desshalb der Handelsverkehr der beiden Länder mittels der Karawanen unterbrochen ward. Nach Beendigung dieses Werkes entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur (den eilften Sohn Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der Frau Oldschai) und brachte den Winter in Masenderan und Gurgan (dem alten Hyrkanien) zu. 665/
1266 Während dieses Winters erschien Mesudbeg, der Sohn des berühmten Wesirs Mahmud Jelwadsch, als Gesandter Kaidu's, des Herrschers des Uluses Ogotai, im Lager Abaka's, um die noch ausständige Rechnung der Einkünfte seiner Krongüter zu begehren. Abaka empfing denselben sehr ehrenvoll, liess ihm das Kleid Tschengischan's anziehen und wies ihm seinen Sitz ober allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka trug dem Inhaber des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die Rechnung auf's schnellste auszufertigen, und binnen einer Woche kehrte der Gesandte, reich beschenkt, schnell zurück. Erst einige Tage nach seiner Abreise, als die Nachricht eintraf, dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand gewesen und dass Mesud als Kundschafter Borrak's, des Urenkels Dschaghatai's, gekommen, welcher dem Mubarekschah die Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen. Abaka fertigte sogleich Gesandte ab, um den verkappten Kundschafter Borrak's zurückzubringen; sie erreichten aber die Ufer des Oxus in dem Augenblicke, als Mesudbeg eben über denselben gesetzt. Abaka ging nach Chorasan bis Serchas und wandte sich dann in's Winterquartier nach Masenderan. Zu Kebuddschame, d. i. Blaukleid, in der an Korn, Wein und Seide fruchtbaren Stadt Taberistan's[486], ging er dem Gepäcke Hulagu's entgegen, welches mit dessen Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's, Tekschin und Tekuder, und mit dem Enkel desselben, Dschuschkab, dem Sohne Dschumkur's, Badu, dem Sohne Tarakai's, und Jesundschin Chatun, der Mutter Abaka's, welche zur Zeit des Aufbruches Hulagu's nach Persien im Hoflager Mengkukaan's geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's und Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai und Arikbugha gezwungen gewesen, die Partei des letzten zu ergreifen, was jetzt die Söhne entschuldigten; er war seitdem gestorben; die Frau Kuti hatte zu Bedachschan den Tod Hulagu's vernommen und sich blind geweint; er verlieh ihr die Einkünfte von Diarbekr, Miafarakain und einigen anderen Oertern als Nadelgeld, das bei den Mongolen Tonlik, das Geld auf Unterhosen, heisst. Die Einkünfte betrugen das Jahr über hunderttausend Goldstücke. Er brachte den Winter zu Tschanganlu (in der Gegend von Meragha), den Sommer in den Weiden von Alatagh an den Quellen des Euphrats und zu Siahkuh (Schwarzberg) zu, und überwinterte dann in der Landschaft Arran.
Armenische und ägyptische Verhältnisse.
Während dieser beiden Jahre, wo Abaka Nichts gethan, um die weiteren Fortschritte Sultan Beibars in Syrien zu hindern, hatte dieser den Kreuzfahrern die Städte Cäsarea, Arssuf, Ssafed, Jafa, Schakif, die Schlösser Haifa, Arka, Kaliat, Meluhat, Dschebele entrissen[487] und war in Cilicien in die Staaten König Hethum's eingefallen, welcher erst beim mongolischen Befehlshaber in Rum und dann bei Abaka selbst vergeblich Hilfe gesucht. Indessen Leon, der Sohn Hethum's, den Pass von Iskenderun (Alexandriette) besetzt hielt, ward er von den Aegyptern umgangen und dann bei Serwend geschlagen und gefangen; sein Bruder Toros und einer seiner Oheime fielen in der Schlacht. Die Sieger kamen am folgenden Tage nach Tel Hamdun, setzten über den Dschihun und bemächtigten sich des den Templern gehörigen, auf einem steilen Hügel gelegenen Schlosses Amudin, das verbrannt ward. Gleiches Schicksal hatte Sir, die Hauptstadt Kleinarmeniens. Der Herr von Hama, der jetzt in den Reihen der Aegypter focht, lagerte an den Ruinen dieser Stadt, während der ägyptische Feldherr Kilawun (der nachmalige Sultan) die Städte Ajas, Massissa und Adana verheerte. Das ägyptische Heer kehrte mit so reicher Beute beladen, mit so vielen geraubten Heerden zurück, dass der Ochs, im Lager um zwei Dirhem losgeschlagen, keinen Käufer fand. Hethum, der vergebens bei Abaka Hilfe gesucht, sah sich gezwungen, den Frieden mit Beibars auf dessen Bedingungen abzuschliessen. Dieser begehrte die Zurückstellung mehrerer von den Mongolen den Aegyptern entrissener, dem Königreiche Armenien einverleibter Schlösser und die Freigebung des ägyptischen Generals Schemseddin Sonkar el-Aschkar, d. i. Sonne der Religion, Falke der Falbe, seines alten Waffengefährten, welchen Hulagu zu Haleb gefangen, nach Persien gesendet hatte. Juni 1267 Der Friede wurde zu Antiochien unterschrieben; die festen Plätze Behesna, Derbesek, Merseban[488] wurden zurückgestellt, der Emir Sonkar gegen den bisher im Schlosse von Kairo in Verhaft gehaltenen Prinzen Leon ausgewechselt[489]. Bald darauf verfügte sich König Hethum an den Hof Abaka's, der sich damals zu Bagdad befand, um ihm für die Auslösung seines Sohnes zu danken und um die Erlaubniss zu bitten, dem Sohne den Thron abtreten zu dürfen. 1269 Nachdem er dieselbe erhalten, rief er die Grossen seines Reichs zu Tarsus zusammen, entsagte der Krone zu Gunsten Leon's und zog sich nach fünf und vierzigjähriger Regierung unter dem Namen Makarius in's Kloster von Trazargh zurück, wo er einige Monate hierauf starb[490]. Im selben Jahre sandte Abaka Gesandte an Beibars, welcher dieselben zu Damaskus zugleich mit den Gesandten des griechischen Kaisers und Mengku Timur's, des Nachfolgers Berke's auf dem Throne von Kipdschak, empfing. Abaka warf in seinem Schreiben dem Sultan Aegyptens den an seinem Herrn Kotos begangenen Königsmord vor und fragte, wie er, der vormals zu Siwas verkaufte Mamluke, es wagen könne, den Königen, Söhnen der Könige, gebornen Weltbeherrschern, zu widerstehen. Er drohte, ihn anzugreifen und Alles dem Schwerte zu opfern; er schrieb an Beibars selbst: „und wenn du in die Wolken aufflögest, und wenn du unter die Erde hinunterstiegest, du würdest mir nicht entfliehen“. Beibars antwortete: „Es ist wahr, dass ich den Kotos getödtet, aber die Sultanschaft ist mir durch freie Wahl der Bege übertragen worden; wenn es dir Ernst, mich anzugreifen, so komm', wir werden bereit sein, dich zu empfangen, um die den Musulmanen entrissenen Länder denselben wieder zurückzuerobern.“ Abaka war nicht im Stande, seinen Drohungen Folge zu geben; daran hinderte ihn das von Osten sein Reich bedrohende Ungewitter, indem Borrak, der Herrscher des Uluses Dschagatai, wider Chorasan herangezogen. Die feindliche Stellung Borrak's gegen Abaka würde vom Leser nicht gehörig beurtheilt werden können, wenn derselbe nicht in Kenntniss der früheren Begebenheiten, welche zwischen diesem und Kaidu, dem Herrscher des Uluses Ogotai, vorgefallen und die wir nun nach Reschideddin erzählen.
Kaidu's und Borrak's Vertrag.
Kaidu's, des Sohnes Kaschim's, des fünften Sohnes Ogotai's, ist bereits Erwähnung geschehen, so auch Borrak's, des Sohnes Jesentewa's, des zweiten Sohnes Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's[491]. Dieser, von Kubilai zum Herrscher des Uluses Dschagatai ernannt, hatte sich nicht sobald in den Besitz des Uluses gesetzt, als er mit dem Statthalter Turkistan's, Mogholtai, Streit begann. Dieser sandte den Emir Tekmisch, jener den Emir Kuwindschi mit einem Heere; Tekmisch ward von Kuwindschi geschlagen, aber dieser musste sich vor einem zweiten stärkeren Borrak's zurückziehen. Borrak verwüstete Choten und schlug auch das Heer, welches Kaidu und Kipdschak, der Feldherr Mengu Timur's, des Herrschers von Kipdschak, wider ihn geführt. Mengu Timur, hierüber ergrimmt, sandte seinen Oheim Berekdschar mit fünfzigtausend Mann zu Hilfe Kaidu's. Borrak, von demselben geschlagen, zog sich nach Samarkand in der Absicht, das fruchtbare Land zu verheeren. Kaidu und Kipdschak beriethen sich, wie das Unheil abzuwenden, und Kipdschak, zwischen welchem und Borrak alte Freundschaftsbande bestanden, trug sich an, den Frieden zu unterhandeln. In der Ebene von Soghd empfing Borrak den Kipdschak auf dem Throne, setzte ihn neben sich, trank mit ihm und bewirthete ihn mehrere Tage hindurch in der Steppe von Katwan in der Nähe des Karawanserai[492]. Abu Mohammed's Tonkünstler spielten in den in Kipdschak beliebtesten Tonarten, um dem Prinzen Kipdschakaghul zu gefallen. Dieser war der Sohn Durdschi's, des Sohnes Kadan's, des sechsten Sohnes Ogotai's und folglich ein Neffe Kaidu's. Er kam mit Borrak überein, dass sich dieser und Kaidu mit den Truppen, mit denen sie dermalen zu Samarkand und Bochara standen, begnügen, dieselben nicht vermehren sollten und Borrak Bochara verschone. Kaidu und Berekdschar gaben ihre Zustimmung, und die Prinzen versammelten sich im Frühjahre 667/
1269 in der Ebene von Talas und Kundschuk, wo nach achttägiger Gasterei Kurultai stattfand[493]. Kaidu sprach von dem Vertrage Tschengischan's und wie alle Zwietracht der Prinzen demselben zuwider; dann nahm Borrak das Wort und sagte: da Kaidu an der Spitze des Uluses Ogotai stehe, wie Mengu Timur an der des Uluses Dschudschi's in Kipdschak, wie Kubilai und Abaka die Herrschaft des Uluses Tuli's im Osten und Westen theilten, so möge man auch ihn als Oberhaupt des Uluses Dschagatai unangefochten lassen und sich friedlich mit ihm verständigen. Die drei Prinzen der drei Uluse kamen dann überein, das Land zwischen dem Dschihun und Sihun in drei Theile zu theilen, wovon einer von Borrak, die beiden anderen von Truppen Kaidu's und Mengu Timur's besetzt bleiben sollten; sie verbanden sich gegenseitig, mit ihren Reitern nur in den Steppen herum zu ziehen, die Städte nicht zu betreten, die Unterthanen zu schonen; im folgenden Frühjahre aber sollte dem Borrak freistehen, gegen Chorasan zu ziehen und sich auf Kosten Abaka's zu vergrössern: „Sie besiegelten ihren Vertrag nach mongolischer Sitte mit gewechselten Bechern und Kleidern, indem sie die Hefe auf die Erde gossen“[494]. Eine Zeit lang genoss das Land unter der gerechten Verwaltung Mesud's, der als weiser Wesir in seines Vaters Jelwadsch Fussstapfen trat, des erwünschten Wohlstandes, bis bald darauf, als Mengu Timur und Kaidu sich veruneinigt hatten, das Heer des letzten dem des ersten entgegenziehend Bochara verlassen, die Besitzungen desselben berannte, das Land, trotz der Vorstellungen seines Wesirs Mesudbeg, durch Erpressungen verheerend. Borrak, im Besitze des Landes zwischen dem Dschihun und Sihun, war nun auf den Feldzug gegen Abaka bedacht, worüber ihm die Herrscher des Hauses Ogotai und Dschudschi, als Feinde des Uluses Tuli, freie Hand gelassen, sandte aber zuerst die schon oben erwähnte Gesandtschaft an Abaka, um den Zustand desselben besser zu erkunden.
Botschaft Borrak's und Rüstungen desselben.
Der öffentliche Auftrag dieser Botschaft lautete, wie schon oben gesagt worden, die ausständigen Rechnungen über die beiden Prinzen gemeinsamen Krongüter zu verlangen; aber ein geheimer war, den Prinzen Nigudaraghul, den ersten Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Dschagatai's, welcher im Heere Abaka's diente, von demselben abspenstig zu machen. Zu diesem Ende war der Gesandte mit einem der geheimen Briefpfeile versehen, welche die Mongolen Tughane nennen, in deren Schaft die geheime Depesche verborgen[495]. In dem Briefe gab Borrak dem Prinzen Kunde, dass er im Begriffe, wider Abaka in's Feld zu ziehen; er möge, als ein Prinz des Uluses Dschagatai, sich hüten, dem Feinde ferner zu dienen. Die Aufforderung fruchtete; Nigudar, zu einem Kriegsrathe berufen, entschuldigte sich und bat um Erlaubniss, in seinen Jurt nach Georgien zurückkehren zu dürfen; er hoffte über Derbend, im Norden des kaspischen Meeres, das Lager Borrak's zu erreichen; aber Dschiramun Nujan, welchem die Huth der nördlichen Gränze übertragen war, hinderte ihn an der Ausführung dieses Planes, indem er ihn, sich nach Georgien zu werfen, zwang, wo er durch die Hand der Tochter des Königs David Bürgschaft seiner Sicherheit suchte, aber nicht fand; denn die Gegner trachteten ihm nach dem Leben, so dass er im folgenden Jahre mit Weib und Kind sich auf Gnade und Ungnade in die Arme Abaka's warf. 668/
1270 Abaka liess sechs seiner Emire hinrichten, seine Truppen unter die Tausender, Hunderter und Zehner vertheilen, setzte ihm fünfzig Mongolen als Aufseher und ihn selbst zu Derjar Kebudan in Verhaft, aus welchem er jedoch in der Folge, nach der Niederlage Borrak's, entlassen ward[496]. Der Botschaft Borrak's ritt Schemseddin Dschuweini, der Wesir Abaka's, bewillkommend entgegen, und trotz der hohen Meinung, die er von sich selber hatte, stieg er, als er in die Nähe Mesud's kam, doch vom Pferde und küsste dem Mesudbeg ehrfurchtsvoll die Bügel. Dieser, minder bescheiden, als sein Vater, Jelwadsch, sagte, verächtlich auf Schemseddin herabsehend: „Du bist der Inhaber des Diwan's! Dein Name ist besser, als dein Aussehen.“ Schemseddin's Klugheit verschmerzte den bitteren Gruss für den Augenblick mit Stillschweigen, rächte sich aber bald hernach durch die Nachsendung der Boten, welche den Gesandten als Kundschafter zurückbringen sollten, und als diese zu spät kamen, durch die Entflammung des Krieges wider Borrak, der seinen Bundesgenossen Kaidu um Hilfe ansprach. Kaidu sandte Jerligh an die Prinzen Ahmed Ben Buri[497], Balighu[498] und Nikpei Aghul[499], dass sie bei Tirwed über den Oxus gehen sollten; Tschabad, der Sohn Huku's[500], Mobarekschah[501] und Kipdschak, der Sohn Kaidu's[502], erhielten den Befehl, mit Borrak zu Amu über den Dschihun zu setzen; weiter hinauf sollten Kokadschu[503] der grosse und Banial bei Chiwa, Kokadschu der kleine aber bei Mingkkischlagh, welches der gewöhnliche Ueberfuhrsort von Chuaresm, über den Fluss gehen und sich mit Borrak jenseits desselben vereinen. Dieser rüstete den Krieg aus allen Kräften, alle Pferde wurden zum Dienste des Heeres weggenommen und des Tages mit sieben Menn Gerste und Korn gefüttert, um sie fett, alle Hunde wurden getödtet, um aus ihren Häuten Schilde zu machen; so entstand Theuerung und Mangel. Um dem Heere Proviant zu verschaffen, befahl Borrak, das Land bis Bochara und Samarkand zu verheeren. Mesud machte ihm abermals Vorstellungen dagegen und auf die Unklugheit aufmerksam, sich auf diese Weise selbst sicheren Rückzug abzuschneiden. Borrak bestrafte diese freimüthige Vorstellung des weisen Wesirs mit sieben Prügelstreichen, nahm aber den Befehl der Verheerung zurück.