Streifzug in Armenien.
Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft an Beibars, um zu begehren, dass der Sultan selbst oder einer der ersten Männer des Reichs an den Hof Abaka's komme, den Frieden zu unterhandeln. Ssafer 671/
Aug. 1272 Bondokdar antwortete: wolle der Ilchan den Frieden, so möge er selbst oder einer seiner Brüder an den Hof des Sultans kommen. Auf die Nachricht, dass mongolische Truppen die beiden Gränzplätze Rahbet und Birtha am Euphrat bedrohten, brach Bondokdar auf und führte auf Kameelen zerlegte Schiffe mit sich, um damit den Euphrat zu überschiffen. 9. Rebiulewwel 671/
4. Oct. 1272 So haben wir noch jüngst erlebt, dass zur Einrichtung der Dampfschifffahrt auf dem Euphrat das Schiff der Wüste durch die Wüste Schiffe trug. Durch die Taubenpost hatte Bondokdar die Nachricht erhalten, dass die Mongolen vor Bire, und durch dieselbe versprach er der Stadt den schleunigsten Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und zwanzig Poststationen zwischen Damaskus und Bire wurden in sieben Tagen zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber entweder nicht angelangt oder zu wenig, denn der Uebergang über den Euphrat ward mittels fünf und dreissigtausend Kameelen[540] bewerkstelligt, auf denen das Heer überschwamm. Die Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt dem ägyptischen Heere überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar verfolgte sie und erbeutete von den Nachzüglern einen grossen Theil des Gepäcks; mit demselben und einer grossen Anzahl von Gefangenen zog er im Triumphe zu Damaskus ein. Der Befehlshaber von Haleb, Hossameddin von Aintab, sandte einen Streifzug nach Armenien, weil dasselbe für die Streifereien des Kastellans von Kinuk die begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen, die Männer wurden niedergehauen, die Weiber in die Sklaverei geschleppt; die Mauern der Hauptstadt Sis widerstanden, aber Tarsus wurde eingenommen und verheert. Beibars vernahm zu Kairo die Verheerung Armeniens und den Marsch Abaka's längs des Sab gegen den Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab sich nach Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich zeigte. An seinem Hofe erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige Melik Schemseddin Behadir, Herr von Samosate, Sohn des Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm, welcher nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan und endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte; 17. Ssafer 672/
2. Sept. 1273 er hatte schon seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste geleistet und durch einen auf seine Veranlassung im Namen des Sultans an einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen, von Reliquien begleiteten Brief, den er hernach auffangen liess, die Hinrichtung dieses Bischofs bewirkt[541]; auch wider den Katholikos, d. i. den Patriarchen der Nestorianer, welcher, von den Moslimen durch falsche Anklagen verfolgt, Bagdad verlassen und sich zu Irbil niedergelassen hatte, war neue Verfolgung im Anzuge; um derselben zu entgehen, verlegte er seinen Sitz von Irbil nach Aschim in Aserbeidschan[542], in der Nähe der Hauptstadt, weil die Tyrannei nur am leidentlichsten im Mittelpunkte. Beibars, der sich über Verletzungen des mit dem Könige von Armenien geschlossenen Vertrags zu beklagen hatte, beschloss, Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus im Geleite Manssur's, des Herrschers von Hama, und Scherefeddin Isa's, des Emirs der syrischen Beduinen, auf. 3. Schaaban 673/
1. Febr. 1275 Der Emir und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb, erhielten den Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu nehmen; aber zu Sermin angelangt, liess Beibars dort sein Gepäcke unter der Obhut des Befehlshabers Ben Sonkar zurück und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch die Einnahme Ssalaheddin's[543] und fünfzig Jahre hernach durch einen Sieg der Saracenen über die Templer in der Geschichte der Kreuzzüge schwarz gezeichnete feste Burg liegt am Nehr Eswed, d. i. am schwarzen Flusse, welcher dem See von Antiochien zueilt, auf einer Anhöhe inmitten fruchtbarer Fluren und Gärten[544]. Von den Mongolen erobert, ward sie an König Hethum abgetreten, von diesem vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar übergeben worden[545].
Verheerung Ciliciens.
Bondokdar lagerte zwischen Derbesak und dem zehn Miglien davon gelegenen Baghr, dessen Einwohner meistens christliche Fischer[546], und sandte von hier Truppenabtheilungen zu tausend Mann, jede mit Fackeln und mit Barken zur Ueberschiffung von Flüssen versehen, nach verschiedenen Richtungen in's Gebirge. Er lagerte zu Iskenderun hinter einer von König Hethum, dem Vater des regierenden Königs Leo, aufgeführten Mauer und rückte dann gegen Merkes[547] durch den syrischen Felsenpass vor, welcher wegen seiner Enge Ssakaltutan, d. i. Bartanhaltend, heisst. Der Fluss von Merkes ist der alte Kersos, dessen Name sich in dem des Schlosses zum Theile erhalten[548]. Die ägyptischen Truppen verheerten Massissa, das alte Mopsuestia, d. i. der Feuerherd des Mopsus, das, auf beiden Seiten des Dschihan (Pyramus) gebaut, zwölf Miglien von der, unter dem Namen der Goldstoffwiese[549] in den Kriegen der Byzantiner mit Seifeddewlet durch Schlachten berühmten Ebene, eine halbe Tagreise von Adana; eine steinerne Brücke verbindet den diesseits und jenseits des Flusses gelegenen Theil der Stadt. Die auslaufende Bergkette des Taurus, welche sich von Massissa bis an das Meer zieht, heisst der Dschebelon-nur, d. i. der Lichtberg, auf welchem die schönsten Hiacinthen und seltene Pflanzen, unter andern Mandragoren und ein Kraut, welches, weil es die Zähne der Schafe gelb färbt, von den Alchymikern als ein Hauptbestandtheil des Steins der Weisen gesucht wird[550]. Unter Massissa liegt die tiefe Felsenschlucht, welche Kurd Kulaghi, d. i. das Wolfsohr[551], heisst, zur Linken auf einem hohen Berge das weisse Schloss Jilan Kalaasi, d. i. das Schlangenschloss, das für die Residenz der Schlangenkönigin gilt[552], die sich mit der Kronjuwele auf dem Haupte manchmal auf der Goldstoffwiese und auf den Höhen des Lichtbergs sonnt. Bondokdar drang in dem Gebirgspasse bis nach Sis, der Hauptstadt des alten armenischen Königreichs, vor, welche mit den nahe gelegenen Festen von Ainsarbe, Tel Hamdun, Serfendkjar und Bersbert von den Arabern die Schneidezähne[553], d. i. die Gränzfesten des Islams, genannt werden; die letzte war der Schatzhort der armenischen Könige und eine Zeit lang die Residenz derselben[554]. Nachdem Sis verbrannt worden, kehrte der Sultan durch die Felsenschlösser zurück. Vier seiner Truppenabtheilungen hatten sich gegen die am Meere gelegenen cilicischen Städte Tarsus, Adana, Barin und Ajas gewendet. Tarsus, dessen Ruhm bis in die Zeit der assyrischen Könige hinauf datirt, indem sich Sardanapalus dasselbe erbauet zu haben rühmte, ist in der des Chalifats als der Ort, wo der grösste Chalife des Hauses Abbas den Geist aufgab, die in den morgenländischen Geschichten und Geographien berühmteste Stadt Ciliciens; am Cydnus[555], welcher die Mauern derselben wäscht, hatte Alexander nicht ohne Nachtheil seiner Gesundheit kalt gebadet, glücklicher als Friedrich Barbarossa, welcher in den Fluthen des Saleph oder Calycadnus[556], der bei Selefke vorbeiströmt, den Tod gefunden. Den Cydnus war Kleopatra in ihrer mit purpurnen Segeln und vielfarbigen Flaggen bepfauten goldenen Galeere hinaufgefahren; hiervon weiss die moslimische Ueberlieferung nichts, doch zeigt dieselbe das Felsen-Sopha der Dschinnen[557], wo der Chalife Mamun am vorbeifliessenden Wasser sass und einen über eine Elle langen Fisch aus dem Wasser zu ziehen befahl. Der schöne Silberfisch (vermuthlich ein Dschinne) sprang wieder in's Wasser, so dass derselbe die Kleider Mamun's bespritzte; dieser, zornig hierüber, befahl, den Fisch wieder herauszuziehen. „Nun werde ich dich sogleich gebraten essen“, sagte der Chalife, und übergab ihn dem Koch, aber im selben Augenblicke ergriff ihn ein heftiger Fieberschauer; als der Fisch ihm gebraten vorgesetzt wurde, war er nicht mehr im Stande, davon zu essen, und nach einigen Tagen ward er vom Fieber hinweggerafft. Durch diese Volkssage und durch die, welche nach Tarsus die Höhle der Siebenschläfer verleget (wiewohl man sie auch zu Ephesus und Damaskus zeigt), ist Tarsus nicht minder geschichtlich merkwürdig, als in der Geschichte der byzantinischen Feldzüge, i. J. 350/
961 in welchen Tarsus, vom byzantinischen Befehlshaber gütlich übergeben, die äusserste Gränzfeste des Islams ward. Zu Adana, der Hauptstadt der heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, welche Harun Raschid am Ufer des Sihan, d. i. des Sarus, erbaut hatte, wurden die Männer getödtet, die Weiber und Kinder geraubt. Ajas, am Ufer des Meeres, zwei Tagreisen von Baghras und eine von Tel Hamdun entfernt, war in den Händen der Franken, welche ihr Habe auf die Schiffe im Hafen retteten. Die Stadt wurde von den Aegyptern verbrannt; tausend Franken und Armenier, die sich zur See retten wollten, gingen in derselben zu Grunde[558]. Massissa wurde verbrannt. Im folgenden Spätjahre wurde Bire von Obotai vergebens belagert; nach aufgehobener Belagerung zog eine ägyptische Truppenabtheilung nach Cilicien, wo dieselbe in der Nähe von Meraasch von Sinbad, dem Oheim des Königs, angegriffen ward. 29. Nov. 1275 Das Treffen kostete dem Oheim des Königs, vierzehn Grafen und dreihundert Armeniern das Leben. Die Turkmanen, wiewohl Sieger, zogen sich zurück[559].
Unruhen in Rum; Schlacht von Albestan.
Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald neue feindliche Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens und dem Ilchane Persiens herbei. Wir haben schon im vorigen Buche, in der Geschichte Hulagu's, der beiden Brüder Herrscher Rums, Rokneddin's und Iseddin's, und der Theilung Rums zwischen beiden erwähnt. Moineddin Ssahib Perwane, d. i. der Inhaber des Kabinetssiegels, der Wesir Rokneddin's, hatte den Mitregenten seines Herrn bei Alindschak, dem mongolischen Befehlshaber in Rum, eines Einverständnisses mit dem Sultan Aegyptens angeklagt; in der That hatte Iseddin Gesandte an Beibars mit dem Antrage der Abtretung der Hälfte seines Landes gesandt, wenn er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin, auf dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines Bruders und dessen Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete sich zum byzantinischen Kaiser, welcher, um dem Hulagu gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als Staatsgefangenen einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den Herrscher von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem von diesem verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte, die ihn aus Ainos befreiten; er starb als Vassal des Herrschers der goldenen Horde in der Krim. Rokneddin herrschte nun allein, aber nur dem Namen nach, denn der eigentliche Herrscher war Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn bei Abaka empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner Hinrichtung. 666/
1268 Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen, wurde mit einer Bogensehne erwürgt, im selben Jahre, wo der letzte der Hohenstaufen, Konradin von Schwaben, auf dem Blutgerüste zu Neapel den Geist aushauchte. Perwane herrschte nun im Namen Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen Sohnes Rokneddin's. Mehrere der Bege Rums, unter diesen auch der Sohn Perwane's[560], flüchteten zu Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider Abaka auf. Nachdem er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun Jahren zum Nachfolger ernannten Sohn Said Berke in seiner Abwesenheit mit unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet hatte, brach er nach Syrien und von da gegen Cilicien auf. Der Befehlshaber von Haleb und der Emir der Wüste (Isa, der Sohn Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber Chafadsche, welche die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar zog über Aintab, Dulak[561], Kinuk, d. i. durch den taurischen Pass, die heutige Strasse der Pilgerkarawane. Er mündete in der Ebene von Ablestan oder Albostan, wohin Geographen und Reisebeschreiber das dritte der drei berühmten Tempelstädte Komane, nämlich das kappadocische, verlegen[562]; hier sowohl als in der goldenen Komane an der Vereinigung der beiden Arme des Euphrat in Sakasene und im pontischen wurde die taurische Artemis als Anaitis oder die Kriegsgöttin Enyo in Tempeln verehrt, die unter Hut grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser Gegenden. Der Name Albestan, d. i. der Garten, scheint derselbe mit dem des alten Pästum zu seyn, dessen Tempel vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das pontische Komane ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den Sieg Cäsar's über den Mithridates berühmt, und gleichen Ruhm sollte nun das kappadocische in der Kriegsgeschichte der Mamluken und Mongolen durch die Niederlage der letzten erhalten. Die Reiterei der Mongolen, aus eilf Regimentern von tausend Mann bestehend, ward von Tokus, seinem Bruder Uruktu und von Tudaun, dem Bruder Sughurdschak's, dem Suldusen, befehligt; die Hilfstruppen bestanden aus türkischen, deren Treue[563] in einer Schlacht wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen Hilfscorps von dreitausend Mann. 11. Silhidsche 675/
16. April 1277 Freitags in der Hälfte Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag Ssalaheddin's und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil dieser vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an einem Freitage erfochten), hatte die Schlacht statt. Der linke Flügel der Mongolen warf das Mitteltreffen der Mamluken, in welchem das Panier des Sultans flatterte, auf den rechten Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und stellte die gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu und Tudaun sassen mit ihrer Reiterei ab, um den Anfall der ägyptischen mittels Pfeilregens aufzuhalten; aber die ausharrende Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen wurden geschlagen; ihre Feldherren Tokus und Tudaun und sechstausend siebenhundert siebzig gezählte Mongolen deckten das Schlachtfeld. Beibars lies sich die Gefangenen vorführen und dieselben zusammenhauen, einige Officiere ausgenommen, mongolische und armenische; die letzten überhäufte er mit Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen der Ungläubigen schlügen; unter den Gefangenen befand sich ein Sohn, ein Neffe und die Mutter Perwane's[564]. Ein Diener Tudaun's brachte die Nachricht der Niederlage dem Ilchan, der erzürnt nach Tebris zurückkehrte.
Beibars zu Cäsarea.
Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu Kaissarije (Cäsarea) im Triumphe, unter einem Thronhimmel, wie derselbe ober dem Haupte der Sultane Seldschuken getragen ward, in den Palast des Sultans ein und setzte sich auf den Thron. 18. Silkide/
23. April Mit dem Sultansbunde auf dem Kopfe nahte er sich dem Thore des Harems und sandte den Prinzessinnen des Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten Grüsse; dann setzte er sich wieder auf den Thron und empfing die Huldigung der Ulema und Kadi, der Imame und Scheiche, der Prediger und Leser des Korans, der Fakihe und Fakire; der Ceremonienmeister, mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel angethan, wies jedem die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte den Tusch, der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn erscholl, die Leser lasen Suren des Korans, Dichter declamirten Lobgedichte; Alle wurden mit einem Frühmahle königlich bewirthet; dann begab sich Beibars in die Moschee des Sultans, wo das Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet ward, so auch in den übrigen sechs Moscheen der Stadt[565]; das ausgeworfene Geld war auf seinen Namen gemünzt[566]. Die Schätze, welche Perwane und seine Gemahlin zu Kaissarije zurückgelassen, wurden unter die Emire vertheilt. Perwane, welcher in der Schlacht von Albestan das Heer des Sultans von Rum befehligt hatte, war nach Verlust derselben nach Kaissarije geflohen und hatte sich von hier mit dem Namensträger der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin, nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin war seine von vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin Gurdschi Chatun, die Tochter Ghajaseddin's, des Herrn von Erserum, gestorben. Perwane schrieb an Beibars, um ihm als Herrscher Rums zu huldigen; in seiner Antwort forderte Beibars ihn auf, persönlich zu erscheinen. Perwane bat um einen Aufschub von vierzehn Tagen, in der Hoffnung, dass Beibars, von dem Anmarsche Abaka's benachrichtigt, eher Cäsarea verlassen haben würde, das er wirklich am fünften Tage nach seinem Einzuge verliess. Beibars verliess Cäsarea in dem Augenblicke, wo zu erwarten stand, dass er seine Eroberungen in Rum verfolgen würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten, sonst wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche die Lieferungen genau bezahlten, nicht misshandelt. Während seines Aufenthaltes zu Cäsarea hatte Beibars die Huldigung des Herrschers von Karaman empfangen, welcher, der Gründer der Macht dieses Hauses, von nun an durch vier und zwanzig Jahre ein Nebenbuhler des der Seldschuken und dann durch hundert sechs und siebzig Jahre der Osmanen, bis dass es nach zwei Jahrhunderten und in zehn von den Osmanen wider dieselben geführten Kriegen zertrümmert ward[567]. Schemseddin Mohammed, der Karamane, zog an der Spitze von dreitausend Reitern nach der Hauptstadt Konia, vor welcher er die ihm von Sultan Beibars gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die Stadt nicht, doch würden sie ihn nicht hindern, wenn er die Thore verbrennen wolle, einzuziehen. Er verbrannte zwei Thore, besetzte die Stadt und bemächtigte sich der Citadelle durch List und Gold; dann zog er dem Heere entgegen, welches Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's, von seinen beiden Söhnen befehligt, wider ihn gesendet; 29. Silkide 675/
3. Juni 1277 der Karamane schlug es und kehrte mit den Köpfen der beiden Söhne des Wesirs nach Konia, verliess dasselbe aber nach sieben und dreissig Tagen und zog sich in's cilicische Gebirge zurück. Ssafer 676/
Juli 1277 Im folgenden Frühlinge zog Abaka dreimal gegen Rum[568]. Zu Ablistan oder Elbestan wartete ihm der Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire Fachreddin von Issfahan auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde die noch unbegrabenen Mongolen sah, weinte er, liess mehrere Turkmanen, Urheber von Unruhen, hinrichten und gab den Befehl zur Verheerung der Städte Rums. In dem Ausfluge von sieben Tagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner geschlachtet; es fielen mehr als hunderttausend derselben als ein Opfer des Schwertes[569]. Mohammed Schemseddin Dschuweini, der gerechte und gelehrte Grosswesir, kaufte mehrere derselben mit seinem Gelde los; schon war Siwas zur Hälfte verheert, als er die andere Hälfte durch seine Vorstellungen, dass die Einwohner unschuldig der Rache verfallen, rettete. Nureddin Chasneji und Sahireddin Ibn Husch wurden hingerichtet[570].
Gesandtschaft an Beibars, dessen Tod, Perwane's Hinrichtung.