Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen. Die Emire stellten ihm vor, dass in der Mitte des Sommers die Beschwerden des Zuges zu gross, dass der Marsch besser bis auf den Herbst verschoben bliebe. Er sandte also indessen Botschaft an Bondokdar: „Ihr seid wie Räuber auf die Vorwachen unserer Heere gefallen und habt dieselben erschlagen, und als Wir uns genaht, seid ihr wie Diebe entflohen; seid ihr Männer, so erscheinet nun auf dem Kampfplatze:
Komm', dass du meine Lanze streifest,
Komm', dass du meinen Zügel greifest;
Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben,
Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben;
Hast du von Männern je gehört der Schlachten,
Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?“
Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald darauf starb[571]. Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem Bruder, dem Prinzen Konghurtai[572] Aghul zur Huth, liess Tokat und das Schloss Perwane's verwüsten[573] und kehrte nach Alatak zurück. Als er am Schlosse von Baiburt vorbeikam, das in Armenien durch die Schönheit seiner Mädchen berühmt, wie Ersendschan durch die Fette seiner Schafe und Kumach durch die Feinheit seiner Leindwand[574], erbat sich ein Scheich die Erlaubniss, ihm frei die Wahrheit sagen zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er: „Herr, dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen Unterthanen Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme entwischet, hast du denselben an deinen Völkern ausgelassen, hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen Länder verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen gethan?“ Die Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck auf Abaka, der die Freigebung von viermalhunderttausend Gefangenen befahl[575]. Im Lager von Alatak wurde Moineddin Perwane vor Gericht gestellt, dreier Staatsverbrechen angeklagt: dass er zu Ablistan geflohen, dass er nach der Niederlage sich nicht zum Herrn begeben, dass er denselben nicht frühzeitig genug vom Anzuge der Aegypter unterrichtet. Die von Syrien zurückgekommenen Gesandten Abaka's sagten überdiess wider ihn aus, was sie dort erfahren, dass Beibars auf dessen Einladung nach Rum gekommen, das er in seine Hände zu liefern versprochen, dass er hernach aber vor demselben geflohen sei. An Perwane, welcher den Sultan Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches mit Gleichem vergolten; 1. Rebiulewwel 677/
23. Juli 1278 Abaka war schon auf dem Punkte, ihm zu verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als die Wittwen der zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei vor dem Palaste Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi Behadir mit zweihundert Reisigen erhielt den Befehl der Hinrichtung; Perwane war, sobald er sich umringt sah, seines Looses gewärtig und bat, nur noch ein Gebet von zwei Verbeugungen verrichten zu dürfen; nachdem er es verrichtet, wurde er zusammengehauen. Die Angabe des armenischen Mönchs Geschichtschreibers[576], dass Abaka vom Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und selbst davon gegessen haben soll, verdient wenig Glauben. Moineddin Suleiman Perwane aus Dilem war der Sohn Mobariseddin Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum gekommen, vom Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad's als Eidam begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle als Wesir erhalten hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte Rum im Namen der Seldschuken als unumschränkter Herr; Rokneddin Kilidsch Arslan hatte ihm die Stadt Sinope verpachtet, deren Besitz auch nach seiner Hinrichtung auf seinen Sohn Mohammed und von diesem auf den Enkel Perwane's, Mohesebeddin Mesud, überging[577]. Dieser bemächtigte sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach seinem Tode[578] in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin nach Rum gesandt, um dem verwüsteten Lande wieder aufzuhelfen; 17. Rebiulachir/
7. Sept. er baute die verheerten Städte wieder auf, führte aber auch die Stempelgebühr ein, welche vordem in Rum nicht bestanden. Der Fürst von Karaman, der sich in unwegsamen Wäldern verborgen hielt, ward mit denselben verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier erhielt die Statthalterschaft Malatia's. Schemseddin, nachdem er die Angelegenheiten Rums eingerichtet, wandte sich nach dem Kaukasus und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der mongolischen Herrschaft unterwarf[579].
Verungnadung Schemseddin's und Wiederaufnahme zu Gnaden.
In dem Augenblicke, wo Schemseddin durch die Einrichtung Rums nach der Unterwerfung Lesgistans dem Reiche die wichtigsten Dienste erweisend und seine Macht im höchsten, war auch seine Verungnadung am nächsten. Dieselbe war das Werk der Ränke Medschdulmülk's, des Sohnes Ssafiolmülk's, des vormaligen Wesirs der Atabegen von Jesd. Zuerst im Dienste Behaeddin's, des Sohnes Schemseddin's, zu Issfahan, war er von diesem dem Vater empfohlen worden, welcher ihn in verschiedenen Aufträgen und zur Zählung der Einwohner Georgiens und noch zuletzt in Rum verwendet hatte. Medschdulmülk hinterbrachte dem Jesu Buka Gurgan, welcher als Gemahl Kutlukan's, der sechsten Tochter Hulagu's, der Schwager Abaka's, dass Medschdeddin Esir, der Bestellte Alaeddin Dschuweini's (des Bruders Schemseddin's), in seinem und seines Bruders Namen geheimes Einverständniss mit den Aegyptern unterhalte, um diesen Bagdad zu überliefern. Abaka, hiervon durch seinen Schwager unterrichtet, befragte den Medschdeddin Esir, von dem aber selbst fünfhundert Prügel kein Geständniss erpressten. Schemseddin, in der Hoffnung, einen gefährlichen Feind zu versöhnen, verlieh seinem Ankläger Medschdulmülk die Statthalterschaft von Siwas mit einer Anweisung von zehntausend Dinaren auf den Schatz von Rum. Aber undankbar und unversöhnlich suchte Medschdulmülk neue Wege zum Gehöre Abaka's mittels dessen Sohnes, des Prinzen Arghun; diesem machte er zu Kaswin in einer geheimen Unterredung weis, Perwane habe auf Schemseddin's Einflüsterung den Bondokdar nach Syrien eingeladen, sein Bruder Alaeddin habe für sich eine mit Edelsteinen besetzte Krone verfertigen lassen; er könne dem Wesir beweisen, dass er sich viertausend Tomane[580] von den Krongütern erpresst, dass er ausserdem zweitausend Tomane an Heerden und Juwelen besitze, ohne zu rechnen, was er von den Schlössern der Assassinen und von Bagdad weggeschleppt; sein Sohn Behaeddin, der Statthalter von Issfahan, habe dort ausser den aufgelegten Steuern sechshundert Tomane erpresst; um ihm das Maul zu stopfen, habe er ihm die Statthalterschaft von Siwas mit einer Summe Geldes verliehen. Arghun hinterbrachte diese Reden seinem Vater; als dieser sich zu Scherujas (in der Ebene zwischen Ebher und Serdschan) befand, ward Medschdulmülk durch Vermittelung des Emirs Taghadschar von Abaka im Bade empfangen. Abaka, hierdurch in seiner guten Meinung von Schemseddin's Finanzverwaltung beirrt, gab dem Ankläger den Auftrag, die Rechnungen der letzten Jahre zu untersuchen und die Güterbeschreibungen zu durchgehen, ohne dass einer der Emire oder Prinzen sich dessen weigern dürfe. Zugleich gab er ihm die Insignien des Löwenkopfes glänzender und schöner, als dieselben Sultanen und Königen verliehen worden[581]. Die Naibe oder Stellvertreter der Steuervögte wurden nach Tebris einberufen. Medschdulmülk stand auf einmal in hoher Gunst und verkündete dieselbe durch seinen Aufwand; er umgab sich mit berittenen Pagen, die auf arabischen Pferden mit goldenen Gürteln, und spannte ein von vierzig Säulen getragenes Zelt aus Atlas von Schuster aus. Schemseddin wandte sich an seine Gönnerin und Beschützerin Oldschai Chatun, welche den aufgebrachten Gemahl dem Wesir zu versöhnen sich bestrebte. Er erhielt eine Audienz: „Wir haben dich“, redete ihn Abaka an, „in dem dir von Unserem Vater verliehenen Amte der Wesirschaft mit unumschränkter Machtvollkommenheit bestätigt und alle Länder deiner Feder untergeben; wie hast du unser Vertrauen zu misbrauchen und das Doppelte der Gebühren undankbarerweise dir anzueignen gewagt?“ Der Chalife Motedhad biemrillah hat gesagt: „Ueber den, der die Gnaden der Könige mit Undank erwiedert, werden die Schwerter Recht sprechen.“ Schemseddin antwortete: „Ein Theil der eingenommenen Gelder ward im Dienste der Finanzen, ein anderer in dem der Prinzen und Prinzessinnen, ein Theil zu Gaben und Almosen für's allgemeine Besste verwendet; was ich besitze an Kapitalien und Gütern, an Mamluken und Heerden, ist ein Brosamen der Gnaden und ein Abfall der Huld des Padischah's, den ich auf jeden Wink zurückzugeben erbötig.“ Abaka, durch diese Sprache des Wesirs versöhnt, verzieh ihm; er sagte: „Alle deine Schuld, die sich begeben und die sich nicht begeben, habe ich dir vergeben[582] und dich in deinem Amte neuerdings bestätigt.“ Die gegebenen Befehle der Verhaftnehmung der Intendenten des Wesirs wurden widerrufen und Schemseddin erliess Rundschreiben, um die Wiedererlangung Allerhöchster Gnade kund zu thun; in demselben waren die Worte Abaka's, wie folgt, angeführt: „Eine Zeit ist es, dass durch verlautende Kunden der Veränderung Unserer Gnade dir die Sicherheit der Nahrung und die Süssigkeit des Schlafes geraubt worden; nun gehe von hier in Unserem Dienste betrunken nach Haus, strecke mit Herzen voll Lust und mit gesättigter Brust Hand und Fuss fröhlich im Hareme aus; lege dich früh nieder und stehe spät auf.“
Medschdulmülk, Amtsgenosse Schemseddin's.
Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs zu vorigen Gnaden beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter den Schutz eines der Emire seines Hofes stellen oder davon entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er den Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem Medschdulmülk Nichts Uebles wolle und dass er beim Emir Taghadschar bleiben könne. Medschdulmülk, von seinem Rathe und Gelehrten Ssadreddin von Sendschan unterstützt, fuhr fort, Ränke zu schmieden, und zwar mit so gutem Erfolge, dass ein Diplom erging, vermöge dessen Medschdulmülk von Jesd dem Inhaber des Diwans an die Seite gegeben ward. 679/
1280 Dieses Diplom ward im Götzentempel zu Mocha in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen öffentlich verlesen und alle Geschäftsleute bemerkten, dass noch kein Perser von den mongolischen Herrschern dergleichen Jerligh erhalten. Abaka empfahl dem Medschdulmülk die grösste Wachsamkeit in Bewahrung und Gebahrung der Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu entfernen, wo er unter seinem Schutze stehe[583]. Medschdulmülk stellte in allen Ländern Stellvertreter mit zahlreichem Gefolge an, und in den Erlassen des Diwans wurde der Name Schemseddin's als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's links auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb Medschdulmülk, seine Feindschaft nicht verhehlend, an Schemseddin die Verse:
Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen,
Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen;
Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust,
Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust[584].
Schemseddin antwortete hierauf:
Da es unmöglich, Schahe zu verklagen,
So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen;
Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen,
Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen.