haben über siebzig Dichter durch Glossen commentirt[587].

Alaeddin's fernere Schicksale.

Die Feinde Alaeddin's, um seinen Ruin zu vollenden, nahmen zu neuen Listen und Lügen, Verschwärzungen und Verläumdungen die Zuflucht. Sie klagten ihn verrätherischen Briefwechsels mit Aegypten an und bedienten sich als Werkzeuges ihrer Ränke eines unbekannten Juden. Dieser beschrieb zu wiederholtenmalen ein Papier mit farbigen Linien aus Safran und Grünspan als einen Talisman, und dieses wurde während der Hausuntersuchung in den Kleidern Alaeddin's verborgen. Dieser falschen Anklage sollten die ägyptischen Zustände Glaubwürdigkeit geben. Vor einigen Monaten war zwischen Kilawun Elfi, dem im Namen des unmündigen Sohnes Bondokdar's Aegypten beherrschenden Fürsten, und den Begen der Mamluken Uneinigkeit ausgebrochen und Sonkar Aschkar hatte sich mit Isa Ben Mohenna, dem Emire der syrischen Beduinen, verbunden; wider dieselben sandte Elfi ein Heer nach Damaskus, welches bis nach Aana und Hadise an die Ufer des Euphrats streifte. Abaka sandte einen Gesandten an Elfi und Sonkar, um sie einzuladen, die Länder des Ilchan's nicht zu belästigen und sich ihm zu unterwerfen. Diese Gesandtschaft traf in dem Augenblicke ein, als die beiden verbündeten Emire von Elfi geschlagen worden waren; sie versprachen sich Hilfe von Abaka, und der Emir der Wüste sandte seinen Bruder mit dem Gesandten nach Bagdad, als Alaeddin dort noch in der Machtvollkommenheit seines Amtes stand. Er berichtete an den Ilchan die wahre Lage der Dinge und erhielt den Befehl desselben, den Sonkar und den Bruder des Emirs freundlich zu behandeln. Diesem Befehle gemäss hatte Alaeddin dieselben freundlich empfangen und ihnen zu Bagdad Gold und Korn angewiesen; dies war Alles, was an der Verbindung Alaeddin's mit Aegypten wirklich und wahr. Zu dieser Zeit hatte Mengu Timur (der Bruder Abaka's) ein zahlreiches Heer an die Ufer des Euphrats geführt; Sonkar und Isa schickten Gesandte an Abaka, um den Rückmarsch dieses sie bedrohenden Heeres zu bitten, und Mengu Timur erhielt den Befehl, sich vom Euphrat abzuwenden, während auf der anderen Seite gleichzeitig Prinz Baidu, der Sohn Tarakai's (des fünften Sohnes Hulagu's) und folglich der Neffe Abaka's, mit einem Heere in Syrien einfiel. Diesen scheinbaren Widerspruch der Bewegung der mongolischen Heere in Syrien und am Euphrat, indem sie dort vordrangen, hier sich zurückzogen, rissen die Feinde Alaeddin's als eine Waffe wider denselben an sich, und indem sie den Gesandten des Beduinenfürsten für sich gewannen, traten sie mit Alaeddin in Banden die Reise nach dem Hofe an, der damals zu Hamadan. Alaeddin's Trost in dieser misslichen Lage waren die Beweise von Theilnahme, die er von allen Grossen erhielt, die ihm dieselben in Briefen und Gedichten kund gaben. So schrieb ihm Behaeddin Ali:

Ich höre, dass du immer klagst und weinest
Und früh und spät mit deinem Kummer greinest;
Wie lang' setzt Welt dir an den Hals das Messer?
Sei ruhig und geduldig, es ist besser.

Alaeddin antwortete hierauf:

Wie soll ich klagen nicht, mein Aug' nicht weinen,
Da wenig fehlt, dass mich zertrümmern Peinen?
Die Welt hat angefallen mich mit Steinen,
Wie soll ich schlottern nicht in den Gebeinen?

Als Alaeddin, von seinen Feinden geführt, auf dem Wege von Bagdad nach Hamadan auf die Höhe von Esedabad gekommen, begegnete ihnen die Nachricht von dem Tode Abaka's, welcher dem Schicksale Alaeddin's und seines Bruders günstigere Wendung gab. Ehe wir des Todes Abaka's umständlicher erwähnen, liegt uns noch ob, einige frühere Begebenheiten und den weiteren Verfolg des syrischen Feldzuges zu erzählen.

Feldzug wider Sistan, Chorasan, Syrien.

Drei Jahre vor seinem Tode war Abaka selbst von Tebris gegen Chorasan aufgebrochen, wohin er seinen Sohn Arghun vorausgesandt, um die Niguderischen Banden, deren Einfall in Fars oben erzählt worden, zu Paaren zu treiben; er kam aber nicht weiter, als bis Sistan, dessen Hauptstadt er belagerte und dann wieder zurückkehrte; 1. Moharrem 677/
25. Mai 1278 er brachte den Oldschai Buka, den ältesten Sohn Mubarekschah's (des Sohnes Muwatukjan's), und andere Prinzen des Uluses Dschaghatai mit sich; 14. Reb. II. 677/
5. Aug. 1278 dann begab er sich nach Herat, wo ihm die Emire der Karawinas[588], eines der kriegerischsten und, wie Wassaf sagt, der teuflischen Stämme der Mongolen (die Naphtafeuerwerker), huldigten, welche ihren Namen vermuthlich von ihrem Sitze zu Karawin dscheidun haben. Bei seiner Rückkehr nach Tebris vertheilte er nach dem Beispiele seines Vaters, Hulagu, Ländereien als Leibgedinge der Frauen. 2. Reb. II./
23. August 1278 Die Frau Kutui erhielt Miafarakain, die Frau Oldschai einen Theil Diarbekrs und Dschiseretol-Omar, der Gemahlin Dschumkur's, Nulun Chatun, des Oheims Abaka's, und ihren beiden Söhnen, Dschuschkab und Kunschu, wurde Selmas mit seinem Gebiete verliehen. Buka, der Sohn Hukutai's, der Dschelaire, welcher, nach des Vaters Tod ein unmündiger Waise, unter Abaka's Augen erzogen worden, wurde zu einem der grossen Inaken, d. i. der vertrauten Hofdiener, und später zum Schatzmeister des Pelzschatzes (Postin[589], woher das Postelnik der Russen und Wallachen) ernannt. Die Niguderischen Banden waren kaum aus Fars abgezogen, als die Nachricht eintraf von einem Angriffe der Aegypter auf Kalaater Rum, d. i. das Römerschloss, welches an der Stelle des alten Zeugma den Uebergang über den Euphrat vertheidigt. Sultan Said, der Sohn und Nachfolger Bondokdar's (unter der Vormundschaft Kilawin Elfi's), hatte ein Heer von neunzigtausend Reitern und viertausend Fussgängern wider diese Festung abgesandt. Die ägyptischen Truppen befehligte der Emir Beiseri, die syrischen Hossameddin von Aintab. Die Stadt wurde eingenommen und verbrannt; da die Citadelle aber fest hielt, zogen die Eroberer nach fünf Tagen beutebeladen ab. Sultan Said war in Aegypten abgesetzt, mit dem Leibgedinge von Kerek dahin verwiesen und die Sultanschaft dem Emir Kilawin Elfi, dem Kipdschaken aus dem Stamme Burdsch Oghlu, übertragen worden; dieser nahm dieselbe vor der Hand nicht an, sondern begnügte sich, im Namen des siebenjährigen Selamisch, des Sohnes Bondokdar's, als der Atabeg desselben zu herrschen; aber die Namensherrschaft des siebenjährigen Knaben dauerte nur hundert Tage, nach welchen er abgesetzt und zu seinem Bruder nach Kerek verwiesen ward. 2. Redscheb 678/
27. Nov. 1279 Kilawin Elfi, so beigenannt, weil er um tausend Goldstücke gekauft worden, und Ssalihi, weil er ein Mamluke Ssalih's, des letzten ägyptischen Sultans aus der Familie Ejub, bestieg den Thron als Sultan Manssur, d. i. der Siegreiche, ein Beiname, dessen gute Vorbedeutung während seiner ganzen Regierung erfüllet ward. Der Emir Sonkar aschkar, d. i. der Blonde, machte ihm als Nebenbuhler den Thron streitig, indem er sich zu Damaskus zum Sultan ausrufen liess, aber bald mit seinem Verbündeten, Isa Ben Mohenna, von den Truppen des Sultans geschlagen, hatte er sich, wie oben erwähnt worden, mit Alaeddin, dem Wesire Abaka's, zu Bagdad in Unterhandlung eingelassen und sich dann in's syrische Schloss Sahiun, eines der festesten, ehemals den Assassinen gehörigen, geworfen. Abaka hielt diesen Augenblick günstig für den syrischen Feldzug. 18. Oct. 1280 Seine Truppen marschirten in's Gebiet von Haleb ein, wo sie Aintab, Derbesak und Baghras besetzten und bis nach Haleb vordrangen, rennend, brennend, staubend, raubend, Männer tödtend, nur den Weibern als Sklavinnen das Leben rettend. Kilawin war von Aegypten, wo er seinen Sohn unter dem Namen Melik ess-Ssalih als Thronfolger ausgerufen, gegen Syrien aufgebrochen; als er vernommen, dass der Feind mit der Beute von Haleb abgezogen, wieder nach Kairo zurückgekehrt.