Schlacht von Himss; Abaka's Tod.
Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen Thronnebenbuhler Sonkar aus, der noch im festen Schlosse Scheiser hielt. 19. Moharrem 680/
10. Mai 1281 Er versprach die Auslieferung desselben für die Abtretung von Famia (Apamia), Antiochien, Latakia (Laodicea) und der Schlösser Sahiun, Belatonus, Bersijet; auch die beiden letzten gehörten, wie Sahiun, unter die festesten Schlösser der Assassinen vom Gebirge, welches von ihnen den Namen des Messers (Sikin) führt. Belatonus ist das alte Banias an der Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet, ein kleines Schloss an dem westlichen Saume des Berges Chait, welcher auf der Ostseite des Sees von Apamea[590]. Diese Forderung war kaum zugestanden, als Kilawin den Anzug zweier mongolischer Heere vernahm, deren eines, von Abaka selbst befehligt, sich gegen Rahbet wandte, das andere, unter dem Befehle Mengu Timur's, des Bruders Abaka's, zwischen Kaissarije und Ablistan (Cäsarea und Comane) gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in Syrien auf der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama verheert, vor Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen Sonkar's verstärkt, eingetroffen war. 14. Redscheb 680/
30. Oct. 1281 Die Schlacht blutete in der Ebene nicht ferne vom Grabmale Chalid's (beigenannt das Schwert Gottes), des Eroberers Syriens unter dem Chalifate Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte fünf und zwanzigtausend Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische, von König Leo befehligte Truppenabtheilung und eine der Türken Rums; auch das ägyptische Heer, welches die ersten der Emire[591] befehligten, war von syrischen Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke Flügel der Aegypter vom rechten der Mongolen, welchen Mengu Timur an der Spitze der Uiraten, Georgier und Armenier befehligte, wurde bis an die Thore von Himss zurückgeschlagen; aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage des mongolischen Heeres nach sich, das nach allen Seiten floh. Von Seite der Mongolen war Semaghar, einer ihrer tapfersten Feldherrn, von Seiten der Aegypter der Emir Usdemir, welcher den Prinzen Timur verwundet und vom Pferde gestürzt hatte, geblieben. Die Mongolen hatten sich theils gegen Haleb, theils gegen Selemijet, die an der Gränze der Wüste gelegene Stadt, geflüchtet; die letzten, durch den ägyptischen Befehlshaber Rahbet's abgeschnitten, irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger und Durst erlagen; nur sechshundert Reiter wurden gefangen und zu Rahbet geköpft; eine andere, vor Burt gelagerte mongolische Truppenabtheilung wurde gleichzeitig von den Belagerten angegriffen, die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter, Oldschai Chatun, zurück. 9. Dschemm. sani/
25. Sept. Abaka war, während Mengu Timur in Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte aber dann nach Sindschar zurück und war Anfangs Novembers in seinem Lager vor Mossul eingetroffen. Hier erhielt er die Kunde der Niederlage seines Heeres. Erzürnt kündete er für den nächsten Frühling ein Kurultai an, wo die Feldherren, die ihre Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan, bestraft werden sollten. 6. Silkide/
13. Februar In der Hälfte des Februars brach Abaka von Bagdad nach Hamadan auf, wo er im Palaste Fachreddin Minotschehr's abstieg. Er überliess sich dem Genusse geistiger Getränke, dem er unmässig ergeben. Eines Abends glaubte er in seiner Trunkenheit einen schwarzen Vogel vor sich zu sehen: Weg mit dem schwarzen Vogel, rief er; aber so viel die Leibwachen auch spähten, war von einem schwarzen Vogel nichts zu sehen. Auf einmal schloss er die Augen und gab, auf goldenem Throne sitzend, den Geist auf[592]. 20. Silhidsche 680/
1. April 1282 Er wurde an der Seite seines Vaters in dem Schlosse Teke am See von Meragha bestattet; schon am fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode folgte ihm auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke[593]. Abaka starb acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn geherrscht, der Befestiger der Herrschaft der Ilchane in Persien und Georgien im Geiste des Gründers Hulagu; kein Eroberer, wie dieser, aber auch minder grausam. „Abaka“, sagt der Mönch Haitho, „war ein staatskluger, sein Reich glücklich verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen unglücklich; erstens, dass er nicht Christ werden wollte und als Götzendiener den Götzenpriestern Glauben beimass; zweitens, dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn verwickelt, den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste, der sich durch mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse mit dem Herrscher des Uluses Kipdschak verstärkte.“
Verhältniss gegen die Christen.
Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden wollte, beweiset schon, dass Hoffnungen oder Bemühungen zu seiner Bekehrung rege waren; ferneren Beweis liefern die in den Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen Schreiben desselben an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem aus Veterbo erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben des Chan's erhalten; 1267 bedauert aber, dass dasselbe nicht lateinisch abgefasst, weil Niemand dasselbe lesen und verdolmetschen konnte und er also den Worten des Boten allein Glauben beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine Botschaft grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben, denn es ist nicht wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm Clemens dafür dankt) ihm seine Freude über die Niederlage Manfred's des Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine Bereitwilligkeit gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem Paläologen und den Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher, dass er gegen ihn den Wunsch, Christ zu werden, geäussert habe. 26. Jan. 1274 Sieben Jahre später waren Gesandte Abaka's mit Schreiben nicht nur an den Papst, sondern auch an andere christliche Könige beglaubigt. Eduard I., der König von England, ermuthigte ihn in seinem Antwortschreiben, in dem Entschlusse der Bekehrung zum Christenthume zu verharren, und Gregor X. empfing den Gesandten Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt des Senders wenigstens der Gesandte getauft ward. 1277 Drei Jahre hernach erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte Abaka's ausgaben, am Hofe des Papstes Joannes XXI. mit einem Aufrufe an alle christlichen Fürsten zu einem Kreuzzuge nach Palästina. Man bewog sie, an den Hof der Könige von Frankreich und England sich zu begeben. Dem Könige Philipp versprachen sie den Beistand Abaka's, wenn er zu Akka landen wollte. Diese beiden Gesandte, welche georgische Christen gewesen zu sein scheinen, hatten zu Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim, der Grosskaan Kubilai, bereit seien, zum Christenthume überzutreten; Joann XXI. bestimmte fünf Franziskaner zur Erwiederung der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise starb, traten sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III. an Abaka und seinen Oheim Kubilai[594] die Reise an. „Die römische Mutterkirche“, schreibt Nikolaus an Abaka, „freut sich des Inhaltes des durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit, Joannes und Jakob Vussali, Unserem Vorfahren gebrachten Schreibens, welches, wenn ein christliches Heer in Syrien landete, demselben Verpflegung verheissen, und an dem Ende Wir Allem, was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen aufgefordert werden. Unter dieser Beglaubigung[595] haben sie Unserem Vorfahren, unter dessen Cardinälen Wir uns damals befanden, die höchst angenehme Nachricht gegeben, dass Deine Herrlichkeit und Dein Oheim Kubilai, Ihr beide unsere in Christo geliebteste Söhne, einige Personen verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der christlichen Lehre zu unterrichten und zu taufen.“ Der Papst bittet den Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in allem, was sie ihm über die Taufe, Dogmen und Religionspflichten sagen werden, Glauben beizumessen, sie auf ihrer Reise zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm dann alle Christen Unterthanen des Chans als Freunde[596]. In dem den fünf Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie, in allen den Tataren untergebenen Ländern das Wort Gottes zu predigen, den Abaka und alle, die sich zum christlichen Glauben bekehren wollten, zu taufen, die Excommunicirten zu absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch sogar die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen, wenn sie nur an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld zahlen, neue Kirchen zu stiften, den Neuvermählten ihre Frauen, die ihnen nicht in verbotenen Graden verwandt, zu gestatten, in Ehesachen zu entscheiden, selbst dort, wo weder Kirche noch Oratorium, Messe zu lesen, die Grundfeste einzusegnen, Gelübde umzuändern, Messkleider und Altäre zu weihen, wo katholische Bischöfe nicht vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu unternehmen, was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der katholischen Lehre förderlich und erspriesslich[597]. Die Bekehrung Kubilai's und Abaka's wurde durch diese fünf Franziskaner eben so wenig bewirkt, als dreissig Jahre früher die Batu's und Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.; aber von diesen letzten bestehen die Reiseberichte Plan Carpin's und Rubruquis über die Länder, Sitten und Herrscher der Mongolen, während von der Mission der fünf Franziskaner keine weitere Spur[598].
Literatur.
Unter Abaka's Regierung dauerte der Flor der Literatur, dessen wir schon unter der Hulagu's und weiter oben erwähnt haben, in erfreulichem Glanze fort; das grösste Verdienst dieser Stätigkeit gebührt nach Nassireddin von Tus wohl dem gelehrten Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin Dschuweini, welche schon von Hulagu als Wesire mit der höchsten Leitung der Reichsgeschäfte betraut, denselben auch während der siebzehnjährigen Regierung Abaka's vorstanden, bis zum Schlusse derselben ihr Kredit und Ansehen, erschüttert, wankte. In Rum hatte sich die schönste Blüthe mystischer Philosophie und Poesie in den Werken Ssadreddin's von Konia und Dschelaleddin Rum's entfaltet. Zu Schiras lebte noch der hundertjährige Saadi (dessen Lebenscenturie zugleich das Jahrhundert des grössten Aufschwungs persischer Poesie) in Freundschaft mit dem Dichterkönig und Schönschreiber Hemker Farsi, der als Dichterkönig Medschdeddin Semeki[599] hiess, mit Imami aus Herat und mit Chodscha Hemameddin[600], dem Schreiber Nassireddin's von Tus, dem reichen und gastfreien Manne, welcher den Sohn des Wesirs Schemseddin zu Tebris mit einem in vierhundert porcellanenen Schüsseln aufgetragenen Gastmahle bewirthete. Ausserdem noch die folgenden Dichter: Purbeha Dschami, welcher halb mongolisch, halb persisch dichtete und mit Chodscha Hemameddin besonders im künstlichen und schweren Versmaasse wetteiferte[601]; Abulmadhi Raigani, so von dem in der Nähe Kaswins gelegenen Dorfe Raigan beigenannt, berühmt durch einen auf die fromme Stiftung Melik Iftichareddin's von Kaswin aus dem Stegreife gesagten Viervers[602]. Dschemaleddin von Kaschan, welcher eine berühmte Redondille Saadi's mit gleicher entgegnete[603]. Dschemaleddin Rastak ol kotu, welcher seinen Beinamen von Rastak, einem Stadtviertel Kaswin's, hat und unter der Regierung Abaka's neunzigjährig starb[604]; der Richter Behaeddin Sendschani, der Lobredner Schemseddin's des Wesirs, welcher so, wie Purbeha, mongolische und türkische Wörter persischen einmischte[605]. Rasijeddin Bela war Intendent der Pachten von Diarbekr; als ihn Abaka absetzte und seine Stelle dem Emir Dschelaleddin verlieh, welcher ursprünglich ein Halbtrommelschläger, hatte Rasijeddin den Muth, dem Wesir Schemseddin den Viervers zuzusenden:
O Schah! du nahmst das Land von uns zum Zeitvertreib,
Gabst einem Zwitter es, der weder Mann noch Weib;
Es ist nun sonnenklar dem Aug' der beiden Welten,
Was dir der Schlag des Schwerts und der der Trommel gelten[606].
Nedschmeddin Serkub, d. i. der Goldschläger, ein Zeitgenosse Abaka's, der aber auch unter der Regierung Arghun's lebte und seine Beschäftigung und Armuth durch die folgenden Verse schilderte:
Mein Handwerk ist, zu schlagen Gold;
Das Leben wird dadurch nicht heller.
Ich sitze immer zwischen Gold
Und habe niemals einen Heller[607].
Endlich Nisameddin von Issfahan, der arabisch und persisch dichtete und von welchem der Schreiber der auserwählten Geschichte eine Kassidet zum Lobe des grossen Wesirs Schemseddin Dschuweini[608] erhalten, welche, da Schemseddin und sein Bruder Alaeddin die Pole persischer Kultur und Literatur während der Regierung Abaka's so füglicher diese Uebersicht persischer Literatur zur Zeit Abaka's schliesst, als der Schluss des Lobgedichtes selbst ein arabisches Distichon des grossen Wesirs Schemseddin: