Komm', lass dir von dem Streit' des Baches sagen,
Der sich mit der Cypresse zugetragen.
Der Bach sprach viel von seiner reinen Fluth
In hundert Zungen und in hundert Sagen;
Da sprach zu ihm Cypresse so: O Freund,
Willst du, warum ich zittere, mich fragen?
Ich bin gerad' und stehe festen Fusses,
Indess dich krumm die Spötter weiter tragen.
Bei Gott! du gehst vorbei: und willst dir so
Den alten Trauten aus dem Kopfe schlagen.
Bald brausest du mit Heftigkeit einher,
Bald bleibest du im Dümpfel sitzen mit Behagen.
Als Antwort sprach der Bach, der tief beschämt,
Aus Schaam den Kopf empor kaum konnte tragen:
Ich seh', Cypresse, du hast Sanftmuth nicht
Und kannst mit Freunden dich nicht gut vertragen;
Du stets aufstrebend und empörerisch,
Und weich und lind und mild ist mein Betragen.
Du, prahle dich hinfür mit Freiheit nicht,
Nicht mit Beständigkeit und Liebesklagen;
Du nährtest vormals dich in meinem Schooss,
Nun willst du hoch empor den Kopf nur tragen,
Du weihest nun sehr wenig Schatten mir,
Weisst nichts von Huld und goldnen Fruchtgelagen;
Verzweifelnd fliehe ich von dir in's Feld,
Um an dem Fels' die Brust mir wund zu schlagen;
Du trägst das Haupt gen Himmel hoch empor,
Schaust nicht auf mich, der dir zu Füssen liegt;
Dein Haupt ist grün, du bist so frisch und schön,
Und ich verachtet mit zerrissnem Kragen;
Geniesse stolz die Ruh', du stehest fest,
Indessen mich von dir die Winde jagen.
So sprach der Bach und barg sich in den Staub,
In Thränen fliessend hin und Weheklagen;
Cypresse ward darob gar sehr verwirrt,
Des Freundes wegen fühlt' sie Unbehagen,
Im Garten schlug die Hände sie zusammen;
Der Vögel Chor begann, darob zu klagen,
Da war die Zeit, den Vers von Schemseddin,
Inhaber des Diwans, dem Herrn zu sagen:
Der Garten haucht wie Aloe aus Hind,
Auf Aloen die Turteltauben klagen[609].

[Fünftes Buch.]


Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung; Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; Konguratai getödtet; Krieg zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch nach Kumis; Arghun vor Kelat; Thronbesteigung Arghun's; dessen Gemahlinnen, Söhne und Töchter; Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs Schemseddin; die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz; Hinrichtung der Prinzen Dschuschkab, Huladschu und Karabuka; Verwaltung des Juden Seadeddewlet; Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung und dessen Familie; Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars, und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten; Verrath der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's und Baidu's Nachfolge.

Parteiungen um die Thronfolge.

Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des Gründers des Reichs, in zwei Büchern, die der siebzehnjährigen seines Nachfolgers in dem vorhergehenden erzählt; wir werden auch, so Gott will, das Leben und die Regierung der achtjährigen Regierung Ghasan's, des siebenten und grössten mongolischen Herrschers in Persien, in zwei Büchern beschreiben; aber nur in diesem Einen die Regierungen von Teguder, Arghun und Kendschatu, die durch zwölf Jahre nacheinander geherrscht. Hulagu, der erste der Ilchane, hat das Reich als Eroberer gegründet; Abaka, der zweite, dasselbe zwar nicht erweitert, aber durch die Stätigkeit seiner Wesire, des grossen Brüderpaars Schemseddin und Alaeddin, auf derselben Höhe erhalten; unter den vier nächsten ward es durch innere Unruhen und Streit der Prinzen um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das erschütterte Gebäude der Herrschaft wieder mit blutigem Mörtel befestigte und durch weise Einrichtungen zum Giebel seiner Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen mit dem zehnjährigen der osmanischen Geschichte verglichen werden, in welchem nach Bajesid's des Wetterstrahls Tod die Söhne desselben sich um den Thron stritten und das getheilte Reich erschütterten; nur herrschten dort längere Zeit drei und dann zwei gleichzeitig, während hier die schnelle Entscheidung des Thronstreites durch das Schwert nur zwischen Baidu und Ghasan getheilter Herrschaft Raum übrig liess. In der osmanischen Geschichte ist die gleichzeitige Regierung der drei Brüder Suleiman, Musa und Mohammed eine Zwischenherrschaft, während hier die drei ersten genannten Herrscher nicht gleichzeitig regiert, sondern den bestrittenen und dem Vorfahrer entrissenen Thron nur nach einander durch kurze Zeit behauptet haben. Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu seinem Nachfolger im Reiche bestimmt und demselben als solchem die Statthalterschaft von Chorasan verliehen. Die Entfernung würde denselben nicht gehindert haben, sein Recht auf den Thron zu behaupten, hätten nicht andere Umstände dem Oheime Teguder und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der Aka Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere Alter gab, wie schon beim Streite zwischen Hulagu und Berke zu bemerken Gelegenheit gewesen, in der mongolischen Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen vor dem Ini, d. i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde dem Teguder eben so wenig zum Throne verholfen, als die Entfernung von der Residenz dem Arghun denselben geraubt haben, wären nicht andere Hebel wirksam thätig gewesen. Die persischen Quellen stellen dieselben gar nicht gehörig heraus und lassen über die nächsten Beweggründe der veränderten Thronfolge einiges Dunkel; dieses aber verschwindet bei näherer Betrachtung des zu Ende des vorigen Buches berührten Verhältnisses zwischen Arghun und dem gestürzten Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin, welche seit Hulagu zu Tebris und Bagdad das Steuer der Regierung geführt. Arghun war der Kanal gewesen, durch welchen die Anklagen Medschdolmülk's, des Todfeindes Schemseddin's und Alaeddin's, bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig gewordene, durch ihren Sturz aber in den Staub getretene Partei hatte von der Thronfolge Arghun's und der tyrannischen Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen und Alles zu fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich, welche dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's, dessen Oheim Teguder vorzog und diesem die Stimme der Völker (die in Persien alle Moslimen) durch den Uebertritt zum Islam gewann.

Teguder's Thronbesteigung.

Teguder war der Sohn der Frau Kutui Chatun, welche mit ihm und seinem Bruder Tekschin, jener der siebente, dieser der vierte Sohn Hulagu's, während des persischen Feldzugs im Lager Mengkukaan's zurückbehalten und unter Abaka's Regierung von Kubilai nach Persien gesandt worden; in seiner Jugend war derselbe getauft worden und hatte den Namen Nikolaus erhalten[610]. Hierdurch schon dem Götzendienste des Budhismus entfremdet, mochte er so leichter zum Islam zu bekehren gewesen sein, als seine Bekehrer nicht ermangelt haben werden, nach moslimischer Ansicht der Dreifaltigkeit, als einer Trimurti, und den Uebertritt zum Islam als eine Erhebung zu reinerem Gottesdienste, durch den Aufschwung von Vielgötterei zur Anbetung eines einzigen Gottes darzustellen; der mächtigste Bekehrungsgrund war aber ganz gewiss die Aussicht auf den Thron, indem er den Islam erst, als er denselben bestieg, annahm. Die Nebenbuhler um denselben nach dem Tode Abaka's waren drei; Arghun hatte die Emire des Hauses seines Vaters[611], mehrere der grossen Emire[612] auf seiner Seite; die drei Prinzen Adschai, Kungurtai, Huladschu (die drei Söhne Hulagu's), Dschuskab und Kunkschu, die Söhne Tschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's, die Emire Schingtur, Sughundschak und andere stimmten für Teguder; endlich suchte die Frau Oldschai Chatun, die Mutter Mengu Timur's, demselben eine Partei zu gewinnen; als dieser aber am fünf und zwanzigsten Tage nach Abaka's Tode gestorben, schlug sie sich mit der Frau Kutui, der Wittwe Abaka's, auf die Seite Arghun's, welcher der Sohn aus der Beischläferin Kaimisch Ikadschi. Alsbald nach Abaka's Tode eilte Teguder aus Kurdistan nach Tebris und Arghun, welcher ohnedies auf dem Wege von Chorasan nach der Residenz, begegnete auf der vierten Station vor Tebris dem Schingtur Nujan, welcher ihm mit der Nachricht von des Vaters Tod entgegengesendet worden. Arghun vollzog die Gebühren der Trauer nach mongolischer Sitte mit dem gewöhnlichen Todtenmahle, bei welchem, wie bei Festgelagen, der Becher mit Kumis herumging; die Leibwachen[613], Speerträger[614] und Stallmeister[615] seines Vaters wurden ihm übergeben. Die Prinzen des Hauses, die Oheime und Neffen Arghun's, beriethen sich und stimmten für Teguder, und auf den Rath des weisen Emirs Schischi Bachschi that Arghun, um sein Leben zu retten, keinen Einspruch. 26. Moharrem 681/
6. Mai 1282 Fünf Wochen nach dem Tode Abaka's wurde Teguder als Chan und Ilchan, Schah und Padischah ausgerufen; die Herrlichkeit der festlichen Thronbesteigung wurde auf zwei Monate hinausgeschoben. Arghun begab sich nach Alatagh[616], um dort von dem Lager und dem Schatze seines Vaters Besitz zu nehmen; Taghadschar kam aus Fars zu seinem Dienste und die Frau Kutui mit ihren Anhängern begab sich ebenfalls in's Lager Arghun's. Der Wesir Schemseddin, welcher sich in dessen Macht befand, wurde ihm abgefordert, und der Emir des Lagers der Frau Kutui brachte denselben zu Teguder[617]. Am Tage der Sommersonnenwende[618] hatte die feierliche Thronbesteigung statt. 13. Rebiulewwel/
21. Juni 1282 Nach dem uralten, schon auf den ägyptischen Denkmalen abgebildeten Krönungsgebrauche, vermöge welchem zwei Geleitsmänner den König, der eine zur rechten, der andere zur linken Hand, auf den Thron einführend, wurde Teguder vom Bruder Kungurtai und vom Emir Schingtur Nujan auf den Thron gesetzt, indem jener dessen rechte, dieser dessen linke Hand ergriff[619]; die Prinzen warfen, mit dem Gürtel um den Nacken, ihre Mützen in die Luft, zu sagen, dass ihr Hals bereit, auf den Wink des Herrschers mit dem Gürtel oder Strang zugeschnürt zu werden, und dass sie nicht mehr kopfbedeckt, das ist, nicht mehr frei. Mit siebenmaliger Niederwerfung wurde die Sonne, mit neunmaliger der neue Herrscher verehrt zur glücklichen, durch die Astronomen ausersehenen Stunde.

Zu einer guten Stunde, wo die Glücksgestirne
Im Ort des Aufgangs niederwarfen ihre Stirne[620].