Schemseddin geschützt von einer der Gemahlinnen Teguder's.

Nach Beendigung der Krönungsfeste liess sich Teguder die im unbezwinglichen Schlosse Schahutela (dem persischen Königstein) aufbewahrten Schätze bringen und vertheilte dieselben unter die Prinzen, Nujanen und Emire des Hauses und des Heeres; jeder Soldat erhielt zwanzig Dinare und Arghun, der sich beklagte, dass man auf ihn mit der Krönungsfeierlichkeit nicht gewartet, zwanzig Goldbalische. Bei dieser Gelegenheit verbanden sich Arghun und sein Oheim Konghuratai (der neunte Sohn Hulagu's) im Lager der Frau Tuktini[621] durch Eidschwur in unzertrennlicher Freundschaft, welche hernach den häufigen Gesandtenwechsel zwischen ihnen und den gewaltsamen Tod Konghuratai's herbeiführte. Teguder befahl, seine Bekehrung zum Islame auszurufen, und erliess an die Obrigkeiten von Bagdad ein Jerligh, dass sie die gute Kunde den Einwohnern Bagdads mittheilen, den frommen Stiftungen ihre Einkünfte wie zur Zeit des Chalifats wieder geben, den Moscheen und Medreseen ihre vorigen Rechte wieder einräumen sollten; der Prophet habe gesagt, dass der Islam nicht aufhören werde, siegreich zu sein, bis an den Tag des Gerichts[622]. 2. Rebiul./
4. Juli Tags darauf lagerte er zu Siahkuh[623] und sandte Befehl nach Hamadan, dass Medschdolmülk und Atamülk Dschuweini, der noch als dessen Schlachtopfer dort gefangen gehalten ward, vor ihm erscheine. Medschdolmülk begann seine alten Ränke wider Schemseddin, und wenig fehlte, dass er nicht auch diesmal gesiegt hätte; nur der Schutz Ermeni Chatun's, der Gemahlin Teguder's, zu welcher Schemseddin flüchtete, rettete ihm und dem Bruder das Leben und verschaffte ihnen den Triumph über den Todfeind. Ermeni Chatun war nicht die Herrin des Harems, d. i. die erste Gemahlin oder grosse Frau Teguder's (welche Tokus Chatun, die Konghuratin), sondern die zweite, keine Armenierin, wie der Name glauben machen konnte, sondern auch eine Konghuratin; die dritte, Tudakun Chatun, die Tochter Musa Gurgan's, des Konghuraten, des Eidams Hulagu's, welchem dieser seine fünfte Tochter, Tarakai, zur Gemahlin gegeben, und folglich die Nichte Arghun's; die vierte Baitegin, die Tochter Huseinaga's; die fünfte, Ilkotlogh, die Mutter Tughandschik's, der Tochter Schadi Nujan's, des Gemahls der Prinzessin Arguruk, Tochter Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's, aber nicht aus dieser, sondern aus der Beischläferin Ilkotlogh; Tughandschik, während der Herrschaft Teguder's getraut, wurde ob Verdacht von Zauberei in den Kor (Cyrus) geworfen; die sechste, Tudai Chatun; diese gaben ihm drei Söhne[624] und sechs Töchter[625]. Stark durch den Schutz Ermeni Chatun's, arbeitete nun Schemseddin an dem Sturze Medschdolmülk's, denselben in allerhand Klagen verwickelnd und vor Gericht fordernd. Medschdolmülk, seines drohenden Ruines gewahr, sandte Wort an den Prinzen Arghun: Schemseddin habe Abaka vergiftet, und wenn nun er (Medschdolmülk) mit seinem Leben büssen müsse, geschähe es, um den Beweis der Vergiftung zu unterdrücken; auf diese Art warf er, selbst des Todes gewärtig, den Saamen der Rache am Todfeind in die Brust Arghun's, wo derselbe später zur blutigen Frucht zeitigen sollte. Schemseddin bediente sich als Werkzeug zum Sturze Medschdolmülk's eines Neffen des letzten, Namens Seaadeddin, welcher vom Oheime wegen Geldveruntreuungen seines Amtes entsetzt worden war; demselben ward die Stelle eines Mestufi (Finanzpräsidenten) in Irak und Persien versprochen, und er klagte dafür den Oheim verrätherischen Briefwechsels mit Arghun an; demselben wurde die Zurückstellung aller von seinem Oheim confiscirten Güter Atamülk's, des Bruders Schemseddin's, aufgetragen, Medschdolmülk selbst vor Gericht gestellt.

Hinrichtung Medschdolmülk's.

Die Richter Medschdolmülk's waren die Obersten, Befehlshaber der Truppen, Sundschak und Arukaka. Dem Medschdolmülk wurde nun mit gleichem Maasse eingemessen; wie er wider Kudschuk Atamülk Papiere, mit Zügen und Schnörkeln beschrieben, als Beweise der Zauberei vorgebracht, so wurde als gleicher Beweis nun dem Medschdolmülk eine mit gelben und rothen Figuren bemalte Löwenhaut vorgehalten, welche sich unter seinen confiscirten reichen Stoffen gefunden und welche seine Feinde bei der Untersuchung eben so eingeschwärzt hatten, wie vormals er selbst unter das Habe Atamülk's; die Bachschi und Kamen, d. i. die mongolischen Schreiber und Wahrsager, gaben ihr Gutachten ab, dass diese Haut in Wasser geweicht, das Wasser dem Beklagten zu trinken gegeben werde, damit das Uebel der Zauberei an ihm selbst ausgehen möge. Medschdolmülk weigerte sich dessen, weil er wohl wusste, dass diesen Talisman der Scheich Abderrahman, ein Geschöpf Schemseddin's, verfertigt und denselben vermuthlich mit Gift getränkt habe. Trotz dieser Beweise wollten sie, so sehr auch der Scheich und Atamülk darauf drangen, das Todesurtheil nicht aussprechen; als aber Sughundschak, durch ein Fussübel zu Hause gehalten, zu Gericht zu sitzen verhindert war, besuchte ihn der Scheich und drang so lang in ihn, bis er das Urtheil erhielt. Es lautete dahin, dass er dem Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin übergeben und von denselben nach der Jasa, d. i. mit dem Tode bestraft werden solle. Schemseddin wollte ihn mit dem Leben begnadigen, aber sein Bruder Alaeddin und sein Sohn Harun drangen auf die Todesstrafe. Medschdolmülk (der Reichsruhm) wurde in das Zelt Atamülk's (Reichsgabe) geführt, wo er vom Nachmittagsgebete bis zum Abendgebete Rechenschaft über alle von ihm ausgestellten Urkunden, Diplome, Schenkungen, Vergantungen ablegen und, ausser allen Besitzungen, dreihundert Tomane zu Bagdad erpresster Gelder herausgeben musste. Als Alaeddin sich zum Abendgebete begab, wurde sein Todfeind vors Zelt geführt und der vor demselben versammelten Menge als Schlachtopfer vorgeworfen[626]. 8. Dschemmasiulewwel 681/
14. August Er ward sogleich zerstückt und Kopf und Zunge und Hände und Füsse in die Hauptstädte des Reichs zur Aussteckung gesandt; der Kopf nach Bagdad, wo er denselben so stolz erhoben. Der Geschichtschreiber Reschideddin sagt hierüber:

Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen,
So der Wesirschaft selbst für sich vermessen,
Ich sah ihn als des Henkers Spiel und Tand
Und jedes Glied in eines And'ren Hand.

Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte dieselbe nach Tebris, und Wassaf commentirt hierzu:

Hättest schweigend deine Zunge du bewährt,
Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert.

Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig aufgetreten war, und die Hände nach Issfahan, wo er dieselben so gierig ausgestreckt. Der schon mehr als einmal erwähnte Dichter Pur Beha Dschami sagte, als die Hände ankamen:

Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand;
Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand.