Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung Teguder's heraufgeführt, hatte die Thronbesteigung Arghun's mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in dem Jurte Suktu statt[674]. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi die linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem die Prinzen und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel um den Hals, die Mützen in die Luft warfen und ihm den Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zu Kamsiun, welches zwischen Heschtrud und Kurban schire, statt. Drei Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen Kinschu und Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und unterschrieben die Urkunde der Krönung. Abukjan, der Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des Befehlshabers in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i. Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's hingerichtet; allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte ein Jerligh das Leben und Ruhe; die Prinzen Dschuschkab und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's) wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr, der Oheim Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum gesendet. Georgien erhielt der Oheim Adschai (der achte Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die Statthalterschaft der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und Rei übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka, dem Hebel der Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst findiger, zum Regieren tüchtiger Kopf. Nach der Sitte mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er unter der angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun konnte bei seiner Thronbesteigung nicht älter als beiläufig dreissig Jahre sein, da sein Vater, Abaka, vor zwei Jahren, acht und vierzig alt, gestorben war. Seine Mutter war die Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen: 1. Die Frau Kotlogh, die Tochter Tengir's des Uiraten, welcher ein doppelter Gurgan, d. i. dem Herrscherhaus Verschwägerter, indem er selbst mit der vierten Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's Schwiegervater. 2. Oldschatai, die Tochter der Tudukasch, aber nicht aus Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn, aus einer anderen Frau, nach des Vaters Tod mongolischer Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die nach dem Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek Gurgan, also von ihrem Enkel, geheirathet ward[675]. 3. Die Frau Uruk, die Tochter Sarudsche's, der Schwester Emir Irindschin's, des Keraiten. 4. Die Frau Seldschuk, die Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache seines Vaters nahm er 5. die Frau Bulughan, die Verwandte des Buka Jarghudschi, und nach ihrem Tode 6. die Frau Bulughan, die Tochter Utaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten[676]. So war 7. die Frau Mertai die Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das Harem seines Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als Frau übergegangen, so dass dieselbe Stief- und Grossmutter ihres Gemahls. 8. Tudai Chatun, die Tochter Musa Gurgan's (des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder Tudai geliebt, hatte ihn über die Gefahren, die seinem Throne drohten, verblendet. Tudai, die Enkelin Hulagu's, die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's), war also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's. 9. Kultak Ikadschi, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan, dessen drei Brüder Jesu Timur, Oldschaitu (beide aus der Frau Uruk) und Chatai Aghul aus der Frau Kotlogh; dann vier Töchter, Oldschatai, Oldschai Timur, Kotlogh Timur (alle drei Töchter der Frau Uruk) und Dilendschi, Tochter der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebten Bulughai.

Schemseddin Dschuweini zu Kum.

Nach dem Herrscher Arghun und seinem Wesire Buka[677], der ihn auf den Thron gesetzt, steht ein Grösserer als Beide vor uns, nämlich der flüchtige Wesir Schemseddin Dschuweini, dessen Auslieferung Arghun zu wiederholtenmalen vergebens von Teguder begehrt und welchen sein Feind Medschdolmülk nicht nur treuloser Verwaltung der Krongüter Abaka's, sondern auch der Vergiftung desselben und des Bruders Mengu Timur angeklagt. Nachdem Alinak getödtet und Teguder geschlagen worden, hatte Schemseddin von Dschadscherm, wo er sich befand, auf einem Dromedare mit ein Paar Dienern sich durch die Wüste nach Issfahan geflüchtet. Die Einwohner, sobald sie von der Umwälzung der Dinge Kunde erhalten, beriethen sich mit dem Atabeg von Jesd, welchen der Statthalter von Issfahan als einen dem Arghun Ergebenen während der Regierung Teguder's in Verhaft gehalten, was zu thun. Schemseddin, hiervon benachrichtigt, begab sich unter dem Vorwande, zu einer Grabstätte zu wallfahrten, ausser der Stadt und entfloh auf trefflichen Rennern nach Kum, sich in das Heiligthum des Grabes der Schwester des Imams Risa flüchtend. Dieses Grabmal ist seit einem Jahrtausend die sichere Freistätte Unschuldiger und Schuldiger, die in die Mauern desselben flüchten. Die Heiligkeit derselben wurde von den Mongolen, wie von den früheren Herrschern Persiens, den Seldschuken und Bujiden, wie von ihren Nachfolgern, den Herrschern der Dynastie Ssafewi und der regierenden der Katscharen, hoch geachtet. Die Pracht desselben hat Chardin ausführlich beschrieben, und noch heute prangt dasselbe mit silbernen Gittern und goldbeschlagenen Thoren, und den Schatz, dessen Reichthum sich vorzüglich von den Schahen der Familie Ssafewi herschreibt, haben reiche Opferspenden Feth Alischah's vermehrt. Er opferte hierher einen Kopfschmuck seiner Mutter, wie einst Crösus[678] das Halsband und den Gürtel seiner Gemahlin nach Delphi. Feth Ali jagte nie in der Umgegend, ohne den Umgang um das heilige Grab, von welchem die Stadt auch die heilige heisst, zu verrichten. Wie vor sechsthalbhundert Jahren Schemseddin Dschuweini hier Zuflucht gesucht und gefunden, so in unseren Tagen der von Feth Alischah und dann von seinem Enkel, dem regierenden Schah, verungnadete, in Morier's Hadschi Baba nach dem Leben geschilderte Botschafter Mirsa Abul Hasan. „Die Stadt ist heute“, sagt Morier, „nur durch drei Dinge merkwürdig: durch die vergoldete Kuppel des Grabmals, durch die zahlreichen Märkte und durch ihre Ruinen“; denn der Umfang der Mauern betrug ehemals vierzigtausend Ellen, das ist um vierzig Ellen mehr, als die von Kaswin[679]. Kum ward im Beginn des achten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[680], als Hidschadsch, der tyrannische Statthalter von Irak, das Heer Abderrahman Asker's schlug, aus sieben Dörfern, deren Vorsteher getödtet worden waren, in eine Stadt vereint, deren sieben Viertel jene sieben Dörfer und deren eines der Stadt den Namen gab[681]. Von derselben erhielten hernach, als persischer Kunstfleiss und Handel im höchsten Flore, die schöngewirkten seidenen Stoffe den Namen Kumasch, den dieselben noch heute führen; sie ist so berühmt durch ihre luftigen hohen Cypressen und ihre blauen leichten Trinkkrüge[682], als das benachbarte Kaschan durch sein Fayence und seine Scorpionen und Giftspinnen, als der Geburtsort des grossen Geschichtschreibers Abderresak, des Verfassers des Aufganges zweier Glücksgestirne (der Geschichte Timur's und seines Sohnes Schachroch), und des letzten Dichterkönigs Feth Ali Chan, des Sängers des Heldenbuchs[683] Feth Alischah's. In dem Heiligthume Kums sammelten sich um Schemseddin seine Freunde, deren Meinung dahin ging, dass er sich nach Hormusd retten solle, von wo ihm der Weg weiter nach Indien offen. Ich kann, antwortete ihnen Schemseddin, meine Söhne nicht in den Händen der Mongolen zurücklassen; das Besste ist, ich begebe mich zu dem Dienste der Majestät, welche mir vielleicht Emir Buka, der mein alter Freund, versöhnen wird; wenn nicht, so geschehe, was Gott will. Unschlüssig verweilte er einige Tage, als von Seiten des Chans Melik Imameddin von Kaswin und Jusufschah, der Atabeg Grossluristans, erschienen.

Schemseddin durch Jusufschah von Luristan geholt und angestellt.

Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter der Regierung Abaka's erzählet worden, wie er, dessen treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider Borrak auf dem Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten hatte. Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar ergeben, hatte er, der Aufforderung Teguder's, ihn mit einem Heere zu unterstützen, nur nothgedrungen Folge leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach das Heer gleich bei Tabs in die Wüste ein, um auf dem kürzesten Wege Luristan zu erreichen; diese Unvorsichtigkeit kostete dem grössten Theile das Leben; es war das erste Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt sandte ihn Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um denselben nach Hof zu bringen. Arghun's Politik war eine (wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er sandte an alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, um sich dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen Sonnenschirm, „welcher“, sagt Wassaf, „wie die Flügel des Königsgeiers schattete und dessen Glanz, wie das Licht der Sonne, nie ermattete“, um ihn nach Hof einzuladen, denn Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu gab dem Botschafter keine andere Antwort, als die Frage: Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit noch gehen? Er zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und Dschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte Aufforderungen nicht erschienen, schwur ihnen Arghun:

Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht,
Der schirmt das Diadem der Majestät,

dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen werde. Er gab jedem derselben Mütze und Gürtel, und sie verbanden sich ihm als Vasallen; mehrere der ersten Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt, wurden freigesprochen und erhielten Aemter[684]. Jusufschah von Lur, welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun zur Gemahlin gegeben[685], führte denselben mit sich an den Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa kam ihnen der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch alles Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen ward. Sogleich erliess Schemseddin Rundschreiben an alle Befehlshaber Iraks, um denselben seine Wiederaufnahme in die Gnade des Chans zu künden. 10. Redscheb 683/
21. Sept. 1284 Freitags in der Herbst-Tag- und Nachtgleiche traf er zu Kurban Schire ein und begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige Empfang war voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl von beiden Seiten verstellter). Am nächsten Tage stellte ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn weder gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, setzte ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir des Diwans gemeinschaftlich mit Buka ein. Schemseddin erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter Buka's im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche und Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, ward Buka's Eifersucht und Gier nach ausschliesslicher Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er sandte Ali, den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um Jahja, den Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. Fachreddin Mestufi und Hosameddin Ssahib, zwei Untergebene Schemseddin's, schmiedeten wider denselben Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen Flammen auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit nur ein Schatten, so lang Schemseddin dieselbe mit ihm theile. Buka warf seinerseits Saamen des Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm vorstellte, dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste zu erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem Schemseddin an die Seite gegeben, und zu Audschan erging der Befehl, demselben zweitausend Tomane abzufordern und ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin kein Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich bin nicht im Stande, tausend Goldstücke aufzubringen; und dem Buka schrieb er: O Emir Buka, lehre nicht den Padischah, Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir. Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu verhören.

Schemseddin's Hinrichtung.

Schemseddin antwortete auf die wider ihn vorgebrachte Anklage der Veruntreuung von Staatsgeldern und von Verrätherei, dass, was den Abgang des Staatsschatzes betreffe, er die Verzeihung des Padischah hoffe, dass er aber unschuldig des geringsten Verdachts von Verrätherei. Als ihm als schuldig Erkanntem die Hände nach mongolischer Sitte gebunden worden, erscholl das Geschrei der Türken und Perser: warum man die Nahrungsquellen der Völker binde! Zu Minia, in der Nähe von Ebher, der nördlich von Kaswin gelegenen Stadt, ward ihm das Todesurtheil verkündet. Er verrichtete sogleich die gesetzliche Abwaschung, stach in den Koran, den er bei sich trug, das Loos, begehrte Tintenzeug und Feder, setzte seinen letzten Willen für die Söhne auf, und schrieb an die Gesetzgelehrten von Tebris: „Als ich den Koran zum Loosaufstechen genommen, ist folgender Vers gekommen: Die da sagen, Gott nur sei Herr, und wandeln auf geraden Pfaden, über sie werden Engel niedersteigen und sagen: Betrübt euch nicht und fürchtet euch nicht, ich gebe euch die frohe Kunde des Paradieses, das euch versprochen worden. Da Gott der Allmächtige diesen seinen Diener in dieser vergänglichen Welt immer wohlgehalten, so gestalten, dass er ihm keinen seiner Wünsche versagt und ihm sogar die frohe Kunde künftigen Lebens zugesagt, so muss man den Mewlana Mohijeddin, den Mewlana Efdhaleddin, den Mewlana Schemseddin, den Mewlana Hemameddin und den grossen Scheichen, welche aufzuzählen hier zu lang und hier nicht der Ort wäre, diese gute Kunde geben, damit sie wissen, dass ich aller Anhänglichkeit an die Welt entsagt habe und mir mit ihrem guten Gebete helfen möge[686]. Sie sollen meine Söhne grüssen, die ich Gott dem Herrn als Unterpfand empfehle; denn Gott verliert nicht die ihm anvertrauten Pfande. Ich hoffte sie noch einmal zu sehen und ihnen mündliche Lehren zu hinterlassen; da diess aber mir nicht zum Loose geworden, so mögen sie (die obgenannten vier Mewlana) es an Nichts ermangeln lassen, dieselben zu beschützen, und sie zu gutem Erwerb ermuntern und nicht zugeben, dass sie das von Gott ihnen verliehene Gut vernachlässigen. Wenn mein Sohn, der Atabeg, und seine Mutter, die Frau Choschek, in ihr Haus zurückkehren wollen, so sei ihnen die Erlaubniss gegönnt. Meine beiden Söhne Newrus und Mesud sollen mit ihrer Mutter im Geleite der Frau Bulughan bleiben und an den beiden Enden meines Grabmals stehen; wenn sie für das Speisehaus und das Kloster des Scheichs Fachreddin etwas thun können, so sollen sie es unterstützen und sich dahin begeben. Ferruch und seine Mutter sollen den Atabeg begleiten, Sekeria auf den Gütern des Padischah arbeiten; die anderen Oerter habe ich dem Emir Buka vermacht, welchem sie alle Güter und Besitzungen belassen sollen; wenn er etwas davon zurück gibt, ist's wohl und gut; wenn nicht, sollen sie sich begnügen. Gott spende uns sein Erbarmen und auch seinen Segen! Ich habe jetzt mein Gemüth auf die göttliche Majestät gestellt, welche meinen Antheil nicht vergessen wolle; das Glück derselben sei beständig! Wenn Allerhöchstdieselbe meinen Söhnen etwas lassen will, sollen sie es nehmen und sich damit begnügen; wohin nur das grosse Harem von Tebris sich begibt, soll auch das meine folgen. Heil dem, der die wahre Leitung sucht!“ Dieses Schreiben warf er den zur Vollstreckung des Todesurtheils Bestellten vor; sie lasen es, ohne dass es Eindruck auf sie gemacht. Schemseddin sagte dann: „Was von dir kommt, o Herr, ist gut, sei es Krankheit, sei es Heilung“; und das Todesurtheil ward vollstreckt. 4. Schaaban 683/
16. Oct. 1284 Vier seiner Söhne: Jahja, Ferruchschah, Mesud und Atabeg, wurden ihm sogleich in's Grab nachgesandt. Jusufschah, der Eidam Schemseddin's, kehrte auf Befehl Arghun's nach Luristan zurück, starb aber auf dem Wege dahin. Er hinterliess zwei Söhne: Edib und Ahmed, wovon der erste mit der Herrschaft Luristans belehnt ward, der zweite am Hofe Arghun's als Geissel zurückblieb[687]. Schemseddin ward mit seinen Söhnen im Viertel Dscherendab, wo schon sein Bruder Alaeddin ruhte, zu Tebris bestattet. Unter den vielen Trauergedichten, welche den Schmerz der Völker über den Sturz dieser erlauchten Familie aussprachen, ist eines der kürzesten und bessten das folgende, bei Wassaf erhaltene:

O Dscherendab, wo zu Tebris sein Grab,
Der erste Regen ström' auf dich herab!
Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub,
Der grössten Männer Wangen sind dein Raub.
Hier hat die Sonne[688] höchsten Punkt[689] erreicht,
Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht.
Es weinen über sie die sieben Sterne,
In ihrem Licht und ihrer finstern Ferne
Die sieben Himmel und die Erden, sieben,
Der Meere und der Wochentage Sieben.
Feredschullah, Jahja, Mesud, Harun
(Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun)
Den Vater Mohammed so hoch geehrt,
Es frass dieselben all' das scharfe Schwert.
Mich hat der Schmerz des Atabegs verzehrt
Wie Flamme, welche in die Höhe fährt;
Und ob Ataul Melik gekränket theils,
Er, der Ssahib, der Herr der Stadt des Heils,
Es saget über dieser Gräber Stätte,
Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete.