Kendschatu's Thronbesteigung.

Von Arghun's Tod sandten die verschiedenen Parteien der Emire, welche über die Nachfolge des Thrones getheilter Meinung, die Kunde an die drei Prinzen, denen sie denselben zugedacht; nach Chorasan an Ghasan, den ältesten Sohn Arghun's, nach Bagdad an Baidu, den Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, und nach Rum an Kendschatu[734], den Bruder Arghun's, welchem nach dem mongolischen Erbrechte die Nachfolge der Herrschaft als dem Aeltesten des Hauses gebührt. Am ersten Tage waren die Emire zwar über die Nachfolge Kendschatu's einig gewesen, aber schon am anderen sandten Taghadschar und Semaghar dem Legsi, welcher mit der Nachricht des Todes an Kendschatu abgefertigt worden, den Balisad mit der Nachricht nach, dass die versammelten Emire und Frauen noch den Baidu als den Aeltesten der Familie zum Throne berufen hätten. Hierzu bestimmte die beiden genannten Emire einerseits die Furcht vor Ghasan's bekannter Energie und Herrscherkraft, bei welcher der ihrigen wenig Raum bliebe, andererseits die Aussicht, dass, wenn Kendschatu Chan, er allen Einfluss der Herrschaft seinen mit ihm in Rum befindlichen Emiren überlassen und sie mit ihrer Partei leer ausgehen würden. Die Partei Baidu's bestand aus den Emiren: Taghadschar, Semaghar, Kundschukbal, Tokal, Schiktur, Tughan, Timurbuka, Tekne, Ildschidai, Toghdai und Doladai; der letzte wurde auf der Stelle mit einem Heere nach Fars abgeordnet, wo die Luren eingefallen, Schiras erobert, den Vogt todtgeschlagen hatten. 8. Dschem. ewwel 690/
9. Mai 1291 Baidu, klug und umsichtig und ohne Heer, um dem an ihn gestellten Antrage anderer Emire Gewicht zu geben, anwortete: Nach dem Gesetze Tschengischan's gebührt die Chanschaft den Söhnen des Bruders, weil ihr Vater der Aeltere des meinen; welches Recht habe ich auf den Thron, so lange jener und andere Prinzen leben, die mir dem Alter nach vorgehen? Nach diesem Grundsatze hätte er den von sich gewiesenen Thron dem Ghasan als dem Aelteren zuweisen sollen; aber es scheint, dass, weil Kendschatu die grösste Partei für sich hatte, er es für klüger fand, sich an diesen zu halten, indem er ihm die Nachricht von dem an ihn gelangten Antrage mittheilte[735]. Baidu's Weigerung bestürzte die Emire, welche ihm den Antrag gemacht, und an deren Spitze Tughan, der Hebel des Sturzes der beiden Grosswesire der vorigen Regierung, des Turkmanen Buka und des Juden Seaadeddewlet. Einige[736] gingen nach Rum, um sich an Kendschatu anzuschliessen. Kundschukbal entfloh, Tokal verliess sich auf einen Haufen Georgier, Tughan brütete Aufruhr in Irak, der Prinz Suka (der jüngste Sohn Jaschmut's, des dritten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Tschoban, dem Suldusen, und Kurmischi, der Sohn Alinak's, führten auf Tokai's Rath das Lager der Frauen nach dem Gebirge von Alatagh dem Kendschatu entgegen. Die Frau Uruk, die Wittwe Arghun's, die Mutter zweier seiner Söhne und dreier seiner Töchter, war mit ihnen verstanden. Die Emire[737] welche dem Baidu zu Kökbuldagh[738], d. i. am blauen Quelle, in der Nähe von Sughurluk, aufgewartet, verliessen ihn. Ildschitai Kuschdschi, Kundschukbal, Timurbuka, Tschoban gingen zu Kendschatu über. Als er in die Nähe von Alatagh kam, gingen ihm Chatai Aghul, der jüngste Sohn Arghun's, und andere Prinzen entgegen. Taghadschar, das Haupt der Partei Baidu's, wurde sogleich in Empfang genommen; Tughan, welcher nach Gilan entflohen, wurde eingebracht; 4. Redscheb 690/
23. Juli doch wurde ihm, weil er ein Schützling Baidu's, vor der Hand nichts zu Leide gethan. Kendschatu bestieg in der Stadt Achlath den Thron.

Gericht über die Emire; Kendschatu's Krankheit und Familie.

Die erste Staatshandlung Kendschatu's war Bestrafung der beiden Häupter der Gegenpartei, der Emire Taghadschar und Kundschukbal, indem er jedem nach der Jasa drei Stockstreiche geben liess und den Befehl ihrer Tomane anderen übertrug[739], und den Tughan mit den Söhnen der von ihm unmittelbar vor dem Tode Arghuns hingerichteten Emire, Dschudschi und Ordu Kaja, welche Blutrache forderten, vor Gericht stellte. Als die Emire, des Todschlags ihrer Mitgenossen angeklagt, zur Rede gestellt wurden, bekannten sich Schiktur, Taghadschar, Kundschukbal, Semaghar, Tekne und Andere schuldig und flehten die Gnade des Padischah an, der dieselben auch begnadigte, Andere gelinde (mit drei Stockstreichen) bestrafte; nur wider Tughan, welchem sowohl der Emir Akbuka, der Betraute Kendschatu's, als die Frau Urukchan feind waren, wurden die Söhne Dschuschi's und Ordu Kaja's mit der Klage der Blutrache losgelassen; dennoch wollte ihm Kendschatu das Leben schenken; auf die Vorstellung der Frau Uruk aber, dass Tughan der Urheber alles Unheils, sagte Kendschatu: dass er in diesem Falle wohl den Tod verdiene; kaum war dieses Wort seinen Lippen entfahren, als Akbuka den Söhnen Dchuschi's und Ordu Kaja's die Blutrache der Väter überliess. 6. Schewwal 690/
5. Oct. 1291 Taghadschar und Kundschukbal wurden begnadigt, Schiktur wurde zum Stellvertreter in Persien ernannt. Kendschatu bezog das Winterquartier in Arran und lagerte zu Karadschal am Ufer des Kor, seinem ehemaligen Horte. Von hieraus wurden die Kundmachungsbefehle der Thronbesteigung in die Länder gesandt; auf ein Gutachten der Astronomen wurde in den Diplomen und auf den Münzen dem Namen Kendschatu's die geheimnissvolle, ihm von dem Kamen ertheilte Formel, Irindschin Durdschi[740] beigesetzt. Senbu, der Bruder Suka's, der zweite Sohn Jaschmut's, starb zu Dschaghatu[741]; der Prinz Enbardschi, der älteste Sohn Mengu Timur's (des eilften Sohnes Hulagu's), wurde in die östlichen Länder gesandt. Auch dieser hegte herrschsüchtige Gedanken, welche während der Abwesenheit Kendschatu's in Rum, wohin er sogleich nach der Thronbesteigung zurückgekehrt war, in seinem Hause durch Taghadschar genährt worden. Der Geschäftsmann Stellvertreter des letzten Ssadreddin von Sindschar, ein grosses Verwaltungstalent, hatte seinem Bruder Kutbeddin, welcher sich im Lager Enbardschi's befand, die ihm von Taghadschar gegebene falsche Kunde gesandt, dass Kendschatu's Heer in Rum von den Turkmanen und Karamanen aufgerieben sei und dass er sich beeilen möge, Besitz vom Throne zu nehmen. Kutbeddin gab diese Nachricht dem Scheich Dschemal von Schiras, welcher des Vertrauens Enbardschi's genoss. Dieser, klug und umsichtig, sandte den Scheich auf Kundschaft an Schiktur Nujan; auf dem Wege begegnete er dem Taghadschar und Ssadreddin, welche ihn bewegen wollten, auf der Stelle umzukehren und den Enbardschi zu schnellem Anmarsche zu bewegen. Der Scheich stellte sich willfährig, sagte aber, dass er nur, da er schon in der Nähe, sein Haus besuchen wolle; statt dieses Besuches begab er sich geradewegs nach Karadschal in's Lager Schiktur's, wo er sich von der Unwahrheit der Angaben Ssadreddin's überzeugte. Er entledigte sich also freundlicher Botschaft im Namen Enbardschi's und theilte dann dem Schiktur insgeheim den Auftrag Taghadschar's und Ssadreddin's mit. Schiktur sandte ihn mit freundlichem Schreiben und Geschenken an Enbardschi zurück; aber am nächsten Morgen überfiel er die Zelte Taghadschar's und behielt ihn und Ssadreddin bis zur Rückkehr Kendschatu's bei sich; als die Nachricht von dessen Ankunft verlautete, sandte er sie in einem Geleite von fünfhundert Reitern demselben bis Ersenrum entgegen. 12. Redscheb 691/
30. Juni 1292 Als Kendschatu zu Alatagh ankam, befiel ihn Krankheit, die längere Zeit dauerte; während derselben wurden von allen Gemeinden der verschiedenen Religionen Gebete angestellt; die Imame, Bischöfe, Rabbiner und Budhapriester beteten für die Dauer seines Lebens[742]; keiner Religion besonders zugethan, war er für alle gleichgültig[743], nur sinnlichen Genüssen ergeben. Seine sechs Frauen waren: 1. Aische, die Tochter Tughu's, des Sohnes Ilkai Nujan's; 2. Dundi, die Tochter Akbuka's, des Sohnes Ilkai's, die Base der vorigen; 3. Iltürmisch, die Tochter Kotlogh Timur Gurgan's, des Konghuraten; 4. Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultan's von Kerman; aus dem Hareme seines Vorfahrers die Frauen: 5. Bulughan und 6. Uruk. Ausser diesen hatte er die Söhne Alafreng und Iranschah aus der Frau Dundi und Dschinkpulad aus der Frau Bulughan, drei Töchter aus der Frau Aische und eine vierte aus der Beischläferin Abisch, der Tochter des Biklimisch, des Bruders Audschan's, des Erlaten.

Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars.

Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann, dessen oben erwähnet worden, bemühte sich um die Wesirsstelle durch Buraldschin Ikadschi, den Günstling Kendschatu's, und Scherefeddin Semnani, welcher beim Emir Akbuka in grösstem Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle gelang es ihm, mit der Würde des Emirs die des Wesirs zu vereinigen. Er erhielt dazu das goldene Ehrenzeichen des Löwenkopfes mit Rossschweif und Pelz und einen Toman von Truppen. 6. Silhidsche 691/
19. Nov. 1292 Sein Anstellungsdiplom verbot den Prinzen und Prinzessinnen, sich im Geringsten in die Geschäfte der Verwaltung und der Finanzen zu mischen; sein Vorname Ssadreddin, d. i. Vorsitz der Religion, wurde in den von Ssadri dschihan, d. i. Vorsitz der Welt, umgeändert; zugleich erhielt sein Bruder Kutbeddin, d. i. Pol der Religion, das Amt des Richters der Richter mit der Veränderung seines Namens in Kutbi dschihan, d. i. Pol der Welt; ihr Oheim Kawameddin, d. i. die Feste der Religion, erhielt die Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen von Kawamolmülk, d. i. Feste des Reichs. Zum zweitenmale sah Persien die Verwaltung der Geschäfte den Gliedern einer einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter Hulagu den beiden Brüdern Dschuweini und dem Sohne des Wesirs Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber von Schiras. Die Sorge für die Herschaffung der Lebensmittel, das Oberverpflegungsamt des Heeres, wurde dem Fachreddin Aidadschi bestätigt[744]; dieser aber bat um Entschuldigung, indem er vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang mit diesem Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der Prinzen und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt. Kendschatu wies dreissig Tomane zur Zahlung der Schulden an und empfahl ihm fürderhin die grösste Freigebigkeit und Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth und Milde, aber auch den Hang zum Wohlleben gemein hatte. Das grösste Lob seiner Regierung ist, dass während derselben, einige Hinrichtungen in Luristan ausgenommen[745], Niemand getödtet ward; den grössten Beweis seiner Milde gibt die Nachsicht, die er den rebellischen Fürsten von Lur und Jesd angedeihen liess. Efrasiab von Lur, der Sohn des unter der Regierung Abaka's und nachmalig erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der Regierung Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der Befehlshaber von Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje, welches die Gränzscheide zwischen Fars und Lur, überfallen lassen. Er bemächtigte sich des festen Schlosses Mandschescht und setzte seinen Neffen Kisil über den neu erworbenen Gebirgsdistrikt. Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze eben so vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem Oheime und Neffen Streit über die Verwaltung des Berggebietes; Kisil, einigemal geschlagen, floh nach Schiras, kehrte dann aber wieder zurück, und schloss seinen Frieden mit dem Oheim; um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab zur Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung von Geldern. Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's das Reich durch die Uneinigkeit der Emire und Arghun's schlaghaften Zustand in der grössten Verwirrung, benützte Kisil dieselbe zu einem Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan die Verwandten des Emirs Dschelaleddin hinrichten, und der mongolische Vogt Baidu, der Schwager Taghadschar's ward durch die lurischen Reiter vor der Stadt getödtet. 8. Dschem. ewwel 690/
9. Mai 1291 Kisil sandte seinen Bruder Salghurschah in dieselbe, und das Heer der Luren nahm unter dem Geschrei: Gott ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in dem Hause Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die Münze von Schiras prägte auf den Namen Efrasiab's von Lur[746]; dann dehnte er seine Herrschaft von den Gränzen Hamadan's bis an's Meer von Fars aus, überall lurische Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn des Atabegen Tekele, und Melik Nussret sandte er mit zweitausend Pferden[747] wider den Toman Arghasun's; auf dem Marsche erhob sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs schlugen sie zwar die Mongolen und machten grosse Beute, aber diese kehrten zurück, und rächten die verlorene Beute durch die Niederlage der Luren; in diesem Treffen tödtete ein mongolisches Weib allein zehn Luren[748]. Endlich wurde Toladai wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah, den Atabeg von Jesd, gesandt, welche zu gleicher Zeit sich empört hatten. Toladai schlug die Luren und Efrasiab erhielt durch den Kanal der Frau Utruk und Padisch Chatun seine Verzeihung; nur Kisil und seine Angehörigen wurden hingerichtet.

Eroberung von Kalaaterrum; Bothschaft Tuktai's; Papiergeld.

Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak und Fars traf die Nachricht ein, dass Melik Eschref, der Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am Uebergange des Euphrats belagere. 8. Dschem. sani 691/
27. Mai 1292 Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und dreissig Tage Steine und Naftafeuer hinein; endlich ward die Stadt durch Sturm erobert, die Besatzung, welche aus Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen, zwölfhundert Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei geschleppt[749]. 1. Redscheb 691/
26. Juni Kalaaterrum, das Schloss der Römer, von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt, genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse Merseban[750] liegt, war seit vier und zwanzig Jahren der Sitz des armenischen Patriarchen, dessen Pallast und Kirche bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan Eschref, welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien von den Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den Namen des Römer- oder Griechenschlosses in den des Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte dennoch fort, und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten Gemahlin seines Vorfahrers und seines Bruders Arghun. Tekia oder Tetkaul starb in dem Pallaste Manssurije zu Arran und wurde nach Meragha bestattet. 3. Dsch. ewwel 692/
11. April 1293 Von Meragha begab sich der Hof nach Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des Zweitgebornen Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit Versicherungen von Freiheit und Eintracht, 7. Schaaban 692/
13. Juli 1293 und zwei Tage darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, auch Gesandte von Emir Newrus, welcher in Chorasan die Regierung an sich gerissen. Zugleich mit diesen Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen die Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch aus Diarbekr ein. 17. Schaaban 692/
23. Juli 1293 Kerrai Aghul, der Sohn Mengku Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Doladai und Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet worden, kehrten zurück. 12. Ramasan 692/
16. Aug. 1293 Das Hoflager zog nach Audschan, von da nach Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert ward. In diesem Winterquartier wurde die Geburt des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu Bire gefeiert. 5. Rebiulewwel 693/
24. Jan. 1294 Drei Tage hernach traf die Botschaft Tuktai's, des Herrschers von Kipdschak, ein, deren Vorsteher der Prinz Kalintai. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit Ehrenbezeugungen entlassen, 8. Rebiulachir/
8. März 1294 nachdem sie noch Tags vorher der Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des Kor beigewohnt, welche den Namen Kotlogh Baligh, d. i. der guten Balley, erhielt. 2. Dschem. ewwel 693/
31. Mai 1294 Kerrai Aghul, welcher vor noch eilf Monaten aus Chorasan zurückgekehrt war, ging mit Tod ab, 7. Redscheb 693/
3. Juni 1294 und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im Hoflager zu Alatak, um seine Huldigung darzubringen; 16. Redscheb 693/
12. Juni 1294 er ward ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner Rückkehr nur auf die Fürbitte des Günstlings Burakin Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt worden, dem Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte. Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch eine neue, in China längst übliche, aber in Persien unerhörte Massregel, nämlich durch die Einführung des Papiergeldes, das auf mongolisch Tschaw heisst. Vergebens stellte Schiktur Nujan vor, dass diese Massregel der Ruin des Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka, Taghadschar, der Wesir Ssadreddin und der Hofdiener Temachi verfügten sich nach Tebris, um dort das Papiergeld einzuführen; 19. Schaaban 693/
15. Juli 1294 sie kamen dort im Fastenmonde an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer Ankunft vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen Zahlungen an Geldes statt anzunehmen befahl und auf die Nichtannahme die Todesstrafe setzte. 10. Ramasan 693/
12. Sept. 1294 Dieser den Bewohnern von Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der zwölfte September[751]. Eine Woche lang ward dasselbe durch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern aufgezwungen; bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste, indem aller Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen desselben ward als gebenedeites Papiergeld[752] zum Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das mohammedanische Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen Formel: Irdschin Turdschin, und die Jahreszahl der Entstehung 693 (1294)[753]. Iseddin Mosaffer, welcher dem Wesir diesen Auftrag gegeben, war der Gegenstand der allgemeinen Verwünschung. Wiederholte Aufstände und Versuche, dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom Bruder endlich die Erlaubniss, das Vorhandene um baares Geld verkaufen zu dürfen. Darüber entstand allgemeiner Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach ein Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte dasselbe nie angenommen und sich damit entschuldigt, dass die Luft, welche in Chorasan so scharf, dass Waffen binnen Jahresfrist rosteten, das Papier bald zerfressen haben würde, und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir setzen die Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen Worten hieher.

Verrath der Emire; Kendschatu's Ende; Baidu's Thronbesteigung.