Verwaltung von Fars; Emir Tughan.
Da die grossen Emire Taghadschar, Semaghar, Kundschukbal und Tughan ihm alle aufsässig, so suchte er sich wenigstens mit dreien zu befreunden, denen er einen Antheil an der Verwaltung überliess; diese waren Ordu Kaja, den er als Helfer zu sich nahm; Karadschar, dem er die Verwaltung von Arran anvertraute, und Dschuschi, dem er die von Schiras übergab; dem letzten gab er noch zwei Beamte[711] und den Sohn Sundschak's als Serwan oder Tschausch, d. i. Vollstrecker der Befehle, an die Seite. Die Herren der Finanz zu Schiras versprachen die fünfhundert Tomane, die Ausstände, binnen Jahr und Tag herbeizuschaffen, wenn man ihnen den Dschelaleddin Serwistani gebunden ausliefere. Diess geschah; als aber die Inhaber der Pachtdistrikte[712] und die Landschreiber[713] nicht Wort hielten, wurden die ersten, die Herren der Kammer, die schon oben bei der Erzählung der Zustände von Fars genannt worden, hingerichtet[714]. Die Steuereinnehmer und Verwalter wurden alle gefoltert und durch Vergantungen und Confiscationen eine ungeheuere Summe erpresst. Seaadeddewlet's Strenge war rücksichtlos gegen die Emire und führte später seinen Sturz durch die Rache einer empfindlichen Beleidigung des Emirs Tughan herbei, welcher, wie wir gesehen, schon den allmächtigen Buka aus Rache für empfangene Stockschläge gestürzt. Tughan, der Sohn Tarakai's, ehemals der Vogt in Kuhistan, einer der ersten Inaken, d. i. Hofdiener, „war“, sagt Wassaf, „ein höchst scharfsinniger und feiner Kopf[715] an Urtheilskraft, durchdringendem Scharfsinn, in der Rede Schlagfertigkeit und Zierlichkeit, hatte er unter den Mongolen nicht seines Gleichen“; dazu war er ein gewandter Briefsteller, Buchhalter, Dichter und Astronom, ein ganzer Keschadschem, d. i. ein in den fünf freien Künsten, deren Anfangsbuchstaben in diesem Worte enthalten sind[716] (Schreibkunst, Dichtkunst, Astronomie, Philologie und Musik), vollkommen bewanderter, hochgebildeter Mann. Als nach der Hinrichtung Buka's der Emir Newrus in Chorasan rebellirte, wurde Tughan mit einem Auftrage dahin abgesandt; bei seiner Rückkehr liess Seaadeddewlet dem Schah vortragen, dass die Curiere Tughan's mehr als ihre normalmässigen Taxen genommen, und Tughan wurde zu der hierauf durch die Jasa gesetzten normalmässigen Strafe von siebzehn Stockprügeln verurtheilt. Tughan, welchen Nichts aus der Fassung brachte und welchem ein guter Einfall immer zur Hand, sah sich im Saale um und sagte: Was würde es denn schaden, wenn jeder der Collegen Emire einen der siebzehn Stockstreiche auf sich nehmen wollte? Es waren mehr als siebzehn Emire zugegen. Der Schah lachte, und allsogleich citirte Tughan das Distichon Motenebbi's:
Wenn der Löwe winkt mit Löwenmacht,
Meinet ja nicht, dass der Löwe lacht[717].
Durch diesen glücklichen Einfall und seine Geistesgegenwart kam er diessmal von der verhängten Strafe los, aber der Groll wider den Juden, der ihm die Schmach der Verurtheilung zugezogen, wurzelte so tiefer in seiner Brust, und er verband sich zum Sturze desselben mit dem Emir Kundschukbal und Anderen, indem sie keine Gelegenheit unterliessen, ihren Feind beim Schah zu verschwärzen. Dieser indessen, voll hochfliegender Pläne, stand noch immer fest durch den guten Erfolg seiner Finanzverwaltung, welche den Schatz füllte, und durch seine Einstreuungen von der Einführung einer neuen Religion, deren Oberhaupt der Schah sein sollte[718]. Arghun war nicht Moslim, wie sein Vorfahrer, sondern vielmehr den Juden und Christen geneigt; von seiner Neigung für die Juden spricht die fünfgetheilte Herrschaft der vier Brüder und des Neffen, von seiner Vorliebe für die Christen sein Befehl, die von Teguder zerstörten Kirchen wieder herzustellen[719], und seine Verbindungen mit den Königen Armeniens und Georgiens, seine Gesandtschaften an den Papst und König von Frankreich, von denen weiter unten die Rede sein wird. Indessen, da sein Plan der neuen Religion noch nicht reif, konnte er nicht umhin, dem Scheine nach den Islam zu beschützen, wovon ein von Wassaf erhaltener, zu Gunsten der Pilgerkarawane von Mekka erlassener Befehl das Belege; indessen lag ihm wenig daran, dass das Blut der Pilger im Umfange des heiligen Hauses vergossen wurde, und siebzehn der grössten Imame verbannte er nach Schiras, um dort von Schemseddewlet die Strafe der Jasa, d. i. Prügel, zu empfangen.
Feldzug gegen Derbend; Bauten.
In der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche dieses Jahres begab sich Arghun, welcher auch ein Freund der Astronomie, wiewohl er mit Vorliebe Alchymie trieb, nach Meragha, um die Sternwarte zu besuchen; 4. Ramasan 688/
21. Sept. 1289 in der folgenden Tag- und Nachtgleiche des Frühlings verehrte er der Frau Bulughan, der Tochter Otaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten, das Lager der verstorbenen Frau Bulughan, welche aus dem Hareme des Grossvaters Hulagu und des Vaters Abaka in das seine übergegangen war. 9. Rebiulewwel 689/
24. März 1290 Vier Tage nach vollzogener Hochzeit kamen Boten, welche feindlichen Einfall an der Gränze von Derbend meldeten. 13. Rebiulewwel 689/
28. März 1290 Die Emire Schiktur Nujan, Kundschukbal und Taghadschar wurden allsogleich aufzusitzen befehligt. Der Chan begab sich nach Pilsuwar und rückte mit dem schweren Gepäcke bis Schaburan vor; am Ufer des Karasu traf der Vortrab der beiden Heere auf einander. 1. Reb. achir 689/
15. April 1290 Das feindliche befehligte Abadschi und Mengli, die beiden Söhne Mengku Timur's, des Herrschers von Kipdschak, und der Feldherr Nokai; das Arghun's: die Emire Taghadschar, Kundschukbal, Toghruldsche und Taidschu, der Sohn Bukuwa's; die letzten drei setzten über den Fluss, schlugen die Kipdschaken, tödteten ihnen dreihundert Mann und machten mehrere Gefangene[720]. Hierauf wurde zu Pilsuwar der Sieg mit Festen gefeiert, und Seaadeddewlet sandte die frohe Nachricht mittels Siegesschreiben durch's Reich[721]. 17. Reb. achir 689/
3. Mai 1290 Da die Ruhe an der Gränze von Derbend hergestellt war, wandte sich Taghadschar nach der östlichen, wo in Chorasan der Aufruhr des Emirs Newrus in hellen Flammen emporloderte. Arghun wurde durch den Tod seines Sohnes Jesutum betrübt; 7. Dschem. ewwel/
19. Juni auch waren der Emir Sundschak und sein Sohn Schadi zu Meragha gestorben. Zwei Monate hernach ward zu Tebris Medschdeddin Muminan, dessen oben als eines Blutegels der Finanz Erwähnung geschehen, hingerichtet, und die Fahnen des Schah's trafen im Sommerlager von Alatagh ein; 2. Schaaban/
12. August er kehrte über Wan und Wastan zurück. Auf dieser Station wartete dem Schah Kotbeddin der Schiraser auf und brachte seinen Atlas der westlichen Meere mit einer Beschreibung ihrer Gestade und Inseln, der Länder Rums und des mittelländischen Meeres dar. 13. Schaaban/
23. August Der Blick Arghun's fiel auf die Stadt Amuria, so berühmt, als die Geburtsstadt des Kaisers Theophilos und die Verheerung derselben durch den Chalifen Moteaassim. Arghun liess sich Alles erklären und war mit der Erklärung ungemein zufrieden; er ging auf die Jagd, und sagte dem Molla, sich nach derselben wieder bei ihm einzufinden, weil er mit ihm gerne weiter spreche, da er so wohlberedt. Hierauf ging der Wink an Seaadeddewlet, die drei Verwalter, welche aus Rum zurückgekehrt waren: Emirschah, Fachreddin und den Sohn Hadschi Leila's, zu ergreifen; dem ersten rettete die Fürbitte Kotbeddin's und Seaadeddewlet's das Leben, der dritte ward sogleich getödtet, der zweite unter Aufsicht gesetzt und später hingerichtet. Hierauf kamen drei Emire: Akbuka, Doladai und Aldschiwaktan, aus Rum, von denen der erste dorthin zurückgesandt ward. 5. Schewwal 689/
13. Oct. 1290 Das Fest des Fastenmondes wurde zu Tebris zur Freude der Moslimen mit grosser Feierlichkeit begangen. Es wurden vier Minarete erhöht; die Kadi und Imame, die Chatibe und Scheiche wurden alle versammelt. Arghun, der ein grosser Bauliebhaber, befahl, auf der Westseite der Stadt eine Vorstadt anzulegen, welche Schem oder Schenb hiess, und in der später sein Sohn Ghasan sein berühmtes Grabmal erbaute; er befahl den Bau einer Stadt zu Scherujas, nördlich von Kaswin, welche, ebenfalls erst später unter Ghasan vollendet, den Namen Sultanije erhielt; eine Tagreise südlich von Sultanije, zu Andscherud, hatte Arghun's Vater, Abaka, einen Palast in der Ebene erbaut, wo ein natürliches Wasserbecken mit zwei Abflüssen, dessen Wasser sich nie mindern und mehren soll, wenn auch die Abflüsse verdämmt werden[722]. In der Nähe von Sedschas ist der gleichnamige Berg, auf welchem hernach Arghun begraben ward; auch im Gebirge Alatagh, welches das gewöhnliche Sommerlager schon von Hulagu's Zeit her, baute er ein Serai[723]. Zu Lar oder Lardschan[724], der gleichnamigen Hauptstadt der am Fusse von Hügeln gelegenen Landschaft Laristan, baute er einen Sommerpalast, welcher das Köschk Arghun's hiess; der Basar der Stadt gilt noch heute für den schönsten Persiens; das heute in Ruinen liegende Schloss galt ehemals für uneinnehmbar. Die zwölftausend Einwohner leben von dem Erzeugnisse ihres Kunstfleisses, Bogen und Baumwollzeugen; alle Häuser sind bequem und nett eingerichtet; jedes mit den beiden Luxusanstalten einer persischen Sommerwohnung, nämlich einem Badgir und Serdab[725], d. i. mit einem Windfang und einem unterirdischen Saale, versehen; in diesen dringt die Hitze nicht ein, durch jenen kreist im oberen Theile des Hauses der Luftzug. Zu Tebris erhielt die von Arghun erbaute Vorstadt den Namen Arghunije; er gab Jedermann die Freiheit, sich dort anzusiedeln; und liess unterirdische Kanäle (Kjaris) graben nach dem in Persien von uralter Zeit her eingeführten und heute noch üblichen Systeme unterirdischen Kanalbaues. Die kühlen Thäler des Alatagh waren das gewöhnliche Sommerlager, die südlichen Ebenen von Kongorolang, d. i. die Falkenweide, das Sommerlager, wo hernach Sultania gebaut ward; der Frühling und Herbst wurde, wie gesagt, wechselweise zu Meragha und Tebris zugebracht, wie vormals die persischen Könige ihre Residenz nach den Jahreszeiten zu Babylon, Ekbatana oder Susa aufschlugen.
Arghun's Krankheit.
Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften ergeben, hatte indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt, durch welche Mittel sie sich ihr Leben so langwierig fristeten. Sie gaben ihm ein aus Schwefel und Merkur zusammengesetztes Mittel als die Panacee der Lebensverlängerung an. Arghun nahm dasselbe durch acht Monate, und als ihm hierauf die Bachschi eine Quarantäne zu Tebris vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne Jemanden Anderen, als Seaadeddewlet und seine Geschäftsführer Ordu Kaja und Kadschan zu empfangen. Nach den vollendeten vierzig Tagen begab er sich in's Winterquartier nach Arran, wo er krank ward, vom Arzt Emineddewlet Arznei nahm; als diese nicht anschlug, gab ihm einer der Bachschi eines Tages drei Becher Weins, worauf er einen Anfall von Zipperlein hatte. Nach zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein, die Ursachen der Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung Schuld gegeben ward, untersuchen zu lassen. Die Einen sagten, sie rühre von bösen Wesen her und könne nur durch Almosen geheilet werden; die Kamen, welche nach mongolischer Art das Geheime und Verborgene aus Schulterbeinen der Schafe erforschten, warfen den Verdacht von Zauberei auf. Die Prinzessin Tughandschak, die Tochter der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete Nichte Dschuschkab's, dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan vermählt, mit diesem die Tochter Tughandschak aus dessen Beischläferin Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also aus dem Harem Schadi Gurgan's in das Arghun's übergegangen, und Tughandschak erscheint hier als Nebenbuhlerin ihrer Mutter um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit anderen Frauen ihres Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte, dass sie, um sich der Liebe des Chans zu versichern, Talismane geschrieben, und dass sie, um sein Leben zu retten, gerne das ihrige opfern wolle. Sie wurde der Zauberei schuldig erkannt und mit allen ihren Zofen ertränkt. Durch die Krankheit des Chans war Seaadeddewlet auf's äusserste bestürzt, indem er wohl einsah, dass sein Leben an das des Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu guten Werken die Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig Schreiben, sogenannte Gerechtigkeitsbefehle, welche die Ausübung der Gerechtigkeit einschärften und Almosen anordneten. Eine seiner grössten Wohlthaten waren dreissigtausend Dukaten, womit er den Bewohnern Bagdads ein Geschenk gemacht, und hunderttausend, die er den Armen und Frommen von Schiras zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch verboten ward, den Verwandten der Majestät, den Frauen, Söhnen, Töchtern, Schwägern, das Geringste zu nehmen; hierdurch hoffte er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu versöhnen; allein die Emire[726], denen seine Herrschaft immer unerträglicher, verschworen sich zur Abschüttelung dieses Joches, 4. Ssafer 690/
5. Febr. 1291 und sie traten zuerst als öffentliche Ankläger wider das Werkzeug der Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch welchen vor zwei Jahren die Prinzen Huladschu und Karabukai und eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen aus dem Geblüte Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit Arghun's angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit ihren Vätern hingerichteten unschuldigen Kinder, Söhne Huladschu's und Karabukai's, seien dem Arghun erschienen und hätten ihm Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung gemacht; er habe ihnen geantwortet: Davon weiss ich nichts; nicht ich bin euer Mörder, sondern Sultan Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede gestellt, berief sich auf des Chans Befehl. Die Antwort kam: er wisse nicht darum. Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne der Chan diess gesagt haben, da ihm die Krankheit seit langem die Sprache benommen. Die Richter urtheilten, dass, wenn der Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seiner Krankheit keine andere als das durch Aidadschi gegebene Bluturtheil sei, und verurtheilten ihn zum Tode. 1. Rebiulewwel 690/
4. März 1291 Am selben Tage (es war das Geburtsfest des Prinzen Chatai Aghul) wurde Dschudschi auf Tughan's Befehl ergriffen und in der Nacht hingerichtet; am folgenden Tage zog Taghadschar den Seaadeddewlet und seinen Helfer Ordu Kaja vor Gericht, und Beide wurden getödtet[727]; ihre Häuser wurden vom Heere geplündert. Sechs Tage hernach starb Arghun zu Baghdschei Arran 7. Rebiulewwel 690/
10. März 1291 und zwei Tage später wurde sein Leichnam nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab noch nach dem alten Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten, bis es in der Folge von seiner Tochter entdeckt, mit einem Dome überwölbet ward[728].
Arghun's Verhältniss mit Aegypten und den europäischen Fürsten.
Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's die Darstellung seiner Verhältnisse mit Aegypten und mit christlichen Fürsten nachzutragen. Bereits unter der Regierung Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der Gesandte desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert, im Kerker gestorben sei. Nähere Umstände über diesen Botschafter finden sich bei den ägyptischen Geschichtschreibern. Kilawun hatte auf seinem Wege von Kairo nach Damaskus zu Ghasa den Tod Ahmed Teguder's und die Thronbesteigung Arghun's erfahren. 12. Dschem. ewwel 683/
27. Juli 1284 Einen Monat hernach gewährte er der persischen Botschaft zu Damaskus Audienz. Sie bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem Emir Samdaghu und dem Wesir des Fürsten von Mardin[729]; der Scheich war in den Habit der Derwische als Fakir gekleidet; als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er gewaltsam zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte ihn keines Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's und liess die Botschafter mit Kaftanen bekleiden. Das Schreiben Ahmed's begann mit der gewöhnlichen Formel mongolischer Befehle: Unser Wort an den Sultan Aegyptens. Unter den Geschenken zeichneten sich sechzig grosse Perlen, ein Topas im Gewichte von zweihundert Miskalen und ein Rubinbalasse von zwei und zwanzig Drachmen aus. Kilawun liess sie dreimal in seine Gegenwart kommen, und verständigte sie das drittemal von Arghun's Thronbesteigung. Sie wurden alle ihres Gepäckes beraubt und eingekerkert. Der Scheich starb noch vor Ende des Jahres und seine Begleiter wurden dann in Freiheit gesetzt. 28. Ramasan 683/
8. Dec. 1284 Während dieser feierlichen, zur Schliessung festen Friedens gesandten Botschaft hatte sich Sultan Kilawun zweier beträchtlichen festen Plätze bemächtigt. Der eine, Katibe, in der Landschaft Amid, in der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von Biret, Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere, Kachta, dessen aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete und das Schloss verrätherischer Weise an den Befehlshaber von Haleb übergab. Diesem fertigte im selben Jahre Arghun den Befehl eines Streifzuges nach Cilicien zu, um die Armenier dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher sich mit den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die grosse Moschee eingeäschert. Sie drangen bis Ajas vor, schlugen die armenischen Truppen im Passe von Iskenderun, verfolgten sie bis Tell Hamdun und zogen sich dann zurück[730]. Zwei Jahre später streiften tausend Mann der Besatzung von Haleb nach Mardin und Sindschar und schlugen von Mossul die Besatzung, welche einen Ausfall gemacht, mit dem Verluste von zweihundert Mann zurück. Mit Papst Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von Gesandten, deren einer, Buscarell, ein Kuridschi, d. i. von seiner Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an Eduard, König von England, und Philipp den Schönen von Frankreich. Die Gesandten versprachen Hilfe wider die Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach Jerusalems Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen; der Papst belehrte ihn in seinem Schreiben über die Dogmen und Pflichten des Christenthums. Nikolaus schrieb nicht nur an den Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen Sohn Oldschaitu, welchen die Mutter (Urukchan) getauft und Niklas genannt hatte. Der Papst schrieb an die Prinzessin Ilkotlogh[731], die er zur Verbreitung des Christenthums, nachdem sie beigetreten, aufmunterte; die Frau Uruk[732], welche von jeher Christin, bat er, auch die Prinzen Ghasan und Chatai Aghul[733], welche von anderen Müttern, zur Annahme des Christenthums zu bewegen. An König Eduard I. nahm der Gesandte Buscarell ein Schreiben des Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem Empfange und geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb Arghun im fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution, dass er im folgenden mit seinen Truppen vor Damaskus zu lagern hoffe, ihm das eroberte Jerusalem schenken werde. Der erste dieser Gesandten Arghun's an den Papst war um ein Jahr früher angelangt; diess ist im selben, wo der Jude Seaadeddewlet zur vollsten Macht gekommen. Diese Botschaften Arghun's sind also wohl weniger dem Christenthume der Frauen und der Taufe der Prinzen zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher durch die Hilfe des Papstes die Könige von Frankreich und England, die Aegypter von Syrien abzuhalten hoffte. Sie umfassen die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis zu seinem, Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn und an Eduard, König von England, gerichtete Schreiben datirte, waren Seaadeddewlet und Arghun schon fünf Monate todt.