Arghun's Bewegungen; Tod der Frauen Bulughan und Kotlogh; Hochzeit Tudai's.

Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der Thronbesteigung an den Oheim Kaan gesendet hatte, kam jetzt mit der Bestätigung derselben und mit dem Dschingsangtitel für Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum zweitenmale gefeiert. 27. Silhidsche 684/
6. März 1286 Zehn Tage darnach wurden sechzehntausend vom Emir Masuk Kuschdschi, d. i. dem Vogelfänger, und vom Dschelairen Nurinaga befehligte Reiter wider die Kurden Hakari gesandt, und der Aufruhr derselben gedämpft. Die Frau Bulghan starb am Ufer des Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge Sedschas übergeführt. 10. Ssafer 685/
7. April 1286 Im Frühlinge kam Arghun nach Tebris und ward von Buka festlich bewirthet. 23. Ssafer/
20. April Ende Mai's brach er von da über Meragha nach Sughurluk auf. 12. Rebiulachir 685/
27. Mai 1286 Hier wartete ihm während des Sommerlagers der Emir Aruk, der Bruder Buka's, mit den mongolischen Sekretären (Bitekdschi) von Bagdad auf; in seinem Geleite befand sich Harun, der Sohn Schemseddin Dschuweini's. Aruk, auf die Macht seines Bruders Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin, Bruder Fachreddin's, und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne vom Chan hierzu begewaltigt zu sein, hinrichten lassen. Medschdeddin gehörte einem der Krongüter Kendschatu's (des Bruders Arghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert, welchem auch Jesu Gurgan (der Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen Bruder wider Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten wurde hinterbracht: Aruk habe den Sohn Esir's auf Harun's Anstiften hinrichten lassen, wesshalb dieser dem Vater und den Brüdern in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu Gurgan bald hernach starb, zog das Ungewitter, welches wider Buka's Macht brauste, diessmal unschädlich vorüber. Arghun Chan kam nach Tebris. 6. Schaaban 685/
27. Sept. 1286 Zwei Monate hernach 28. Ramasan 685/
17. Nov. 1286 kämmte er sich eines Tages zu Arran, als ihm ungewöhnlich viele Haare durch den Kamm ausgingen. Diess galt nach mongolischen Begriffen für ein Zeichen von gegebenem Gifte, und Wedschih, der Sohn Iseddin's, wurde der Beibringung von Gift verdächtig hingerichtet. 20. Silkide 685/
7. Jan. 1287 Vierzehn Tage hernach hatte die Krönung der Frau Tudai Chatun, der Konghuratin, statt, welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin Hulagu's, Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke der königlichen Gemahlinnen (Baghtak) geschmücket ward[695]. 5. Silkidsche 685/
22. Jan. 1287 Zwei Monate hernach im Frühling begab er sich nach Pil Suwar, 19. Ssafer 686/
5. April 1287 nach Tebris und von da in's Sommerquartier von Alatagh, 24. Reb. achir 686/
18. Juni 1287 und im Herbste in's Winterquartier von Arran. 2. Ramasan/
11. Oct. 1287 Im nächsten Frühjahr brachten Gesandte aus Chorasan die Nachricht, dass Kinschu (der Sohn Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und der Emir Newrus (der Sohn des Uiraten Arghun, des Statthalters Chorasans unter Hulagu) an der Spitze von dreissigtausend Reitern des Heeres Kaidu's (des Enkels Ogotai's) im Anmarsche gegen Persien, dass sie das Land um Balch, Merw und Schaburkan verheert, bis Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien. 15. Moharrem 687/
20. Februar 1288 Drei Wochen hierauf starb die Frau Kotlogh, die Tochter Tengir Gurgan's, des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des jüngsten der Söhne Arghun's. 7. Ssafer 687/
14. März 1288 Einen Monat hernach brachten Buka's Gesandte eine von den Bekennern der Lehre Schakamuni's hoch verehrte Reliquie, welche sie Scharil nennen, nämlich ein verknöchertes Menschenherz. 7. Rebiulewwel 687/
12. April 1288 Nach ihrer Ueberlieferung war Schakamuni's Herz nicht Fleisch, sondern Bein, welches im Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher nicht Moslim, wie sein Oheim Teguder gewesen, sondern Götzendiener, ging dieser Reliquie mit den grössten Ehrenbezeugungen entgegen; es wurde Gold darüber gestreut, und es wurden Feste veranstaltet. Drei Wochen hernach, 30. Rebiulewwel 687/
5. Mai 1288 als sich Arghun zu Pil Suwar befand, traf die Nachricht ein, dass Nokai, der Feldherr des Herrschers von Kipdschak, mit fünftausend Reitern aus Derbend ausgebrochen, alle Kaufleute der Gegend geplündert habe; und Arghun brach schon am nächsten Morgen an der Spitze des Heeres gegen Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu Schamachi stehen. Buka und Kundschukbal, mit einigen Prinzen als Vortrab vorausgesandt, kamen nach einigen Tagen mit der guten Nachricht zurück, dass die Feinde abgezogen[696].

Buka, der strenge Wesir.

Buka's Macht und Ansehen hatte den höchsten Grad erreicht; er hatte mit dem Titel eines Dschingsang noch ein Diplom ausserordentlicher Privilegien vom Kaan erhalten; vermöge derselben konnte er erst, wenn er neun Staatsverbrechen begangen, zur Rechenschaft gezogen und auch dann vor kein anderes Gericht, als das des Chans selbst, gestellt werden; kein Befehl des Chans konnte in Vollzug gesetzt werden, wenn demselben nicht das Siegel Buka's beigesetzt, während seine Befehle zur Vollstreckung des Siegels des Chans nicht bedurften. So ausserordentlich waren die vom Grosskaan dem Buka verliehenen Privilegien, dass die Meinung desselben von der Selbstständigkeit Arghun's null zu sein und dass der Botschafter, welcher mit dem Diplome der Bestätigung Arghun's auf dem Throne zugleich das mit diesen ausserordentlichen Privilegien Buka's brachte, eigentlich jenen nur der Form nach, diesen aber in der That zum Herrn eingesetzt zu haben schien. So ausserordentliche Macht musste um so mehr den Neid der anderen Emire und der Günstlinge Arghun's[697] erwecken, als Buka, hochmüthig und heftig, durch seine Strenge sich Feinde machte. „Er war“, sagt Wassaf, „ein fürchterlicher Türke, dessen Gedanke weit hinaus zielte und dessen Rathschlag den Wunsch bald erfüllte. Er setzte für die Schlichtung verworrener Geschäfte, für die Durchführung der Befehle und die Beförderung der Reichsangelegenheiten Regeln fest, deren Erwähnung auf dem schwarzen und weissen Buche der Zeit bis an's Ende der Aeonen dauern wird. Durch die Wirkung seiner Gerechtigkeit und Strenge warf der Falke auf das Repphuhn verliebte Blicke; er glich die Gegensätze der Welt aus und des Schicksals Tücke.“ Seine Gerechtigkeit war so streng, dass er einen Knecht seines Marstalls, welcher einen Apfel von einem Fruchtverkäufer genommen, hinrichten liess. Solche Strenge war das grösste Verdienst eines Staatsmanns nach der Satzung Tschengischan's und erwarb diesem nach allem Anscheine das Vertrauen, womit der Grosskaan dessen eisernem Arme die Verwaltung Persiens mit so unumschränkter Machtvollkommenheit übertragen. Besonders waren ihm Sultan Aidadschi und Tughan, Arghun's vertrauter Gesellschafter (Inak) aufsässig, weil dieser zweimal auf Buka's Befehl geprügelt und öffentlich beschimpft worden war. Sie vernachlässigten keine Gelegenheit, den Buka beim Herrn zu verschwärzen. Sein Bruder Aruk, der Statthalter Bagdads, war dort den Emiren nicht weniger verhasst. Er machte sich wenig aus den Gesandten des Chans, und verschlang die Einkünfte in seinen Beutel, statt sie in die Staatscasse abzuführen; die Geschäftsleute Ordu Kaja, der Intendent Scherefeddin und der Jude Saad, welcher alsbald als ein höchst bedeutender Charakter auftreten wird, brachten endlich einmal fünfhundert Tomane, statt dieselben dem Aruk auszuliefern, unmittelbar dem Chan, welcher nun den Aruk, der nie einen Heller eingesendet, seiner Statthalterschaft entsetzte. Ssadreddin Sendschani, der Finanzmann Taghadschar's, von welchem Buka ausständige Gelder der Landschaft Fars forderte, stellte dem Taghadschar vor, dass die Tyrannei Buka's nicht mehr zu dulden, indem der Chan nur ein Schatten, alle Macht in den Händen Buka's sei[698]. Das Ungewitter, welches sich über dem Kopfe Buka's zusammenzog, stieg aus den Finanzquellen von Fars auf. Die Vornehmen von Schiras stritten sich unter dem Günstling Tughan; sie stellten vor, dass, wenn ihnen die Befehlshaberschaft von Fars und die Küste eingeräumt würden, sie fünfhundert Tomane abzuführen bereit seien. Sie erhielten hierauf verbindende schriftliche Urkunde. Nun wandten sie sich an Tughan um einen zur Eintreibung der Summen Begewaltigten, und er ernannte hierzu den Seid Fachreddin Mobarek. Buka protestirte wider diese Ernennung und diese Maassregel, aber Arghun erliess einen Befehl, dass sich Buka in die Verwaltung der Krongüter, welche dem Fachreddin übertragen sei, nicht zu mischen habe; denn Fachreddin hatte dem Arghun vorgetragen, dass viele, vormals dem Seid Scherefeddin gehörige Güter von den Salghuren eingezogen, jetzt als das Eigenthum des Kaans zurückzufordern seien. Arghun übertrug die Verwaltung der Familiengüter dem Emir Taghadschar und die des Heeres dem Emir Kundschukbal, so dass auf einmal Buka all seiner Macht und seines Einflusses beraubt.

Buka's Verschwörung und Sturz.

Arghun stellte sich nun krank, um nicht öffentliche Demüthigungen verschlucken zu müssen; sein Diwan, seine Finanzkammer wurden vor den Chan gefordert, alle seine Angehörigen ihrer Stellen entsetzt, vor Allen Emir Ali, der Temghadschi, d. i. Einnehmer der Mauthgelder von Tebris. Buka, als er seinen ganzen Einfluss verschwunden sah, verband sich mit mehreren Prinzen und Emiren[699] zur Entthronung Arghun's, indem er den Thron dem Prinzen Dschuschkab zudachte. Er sandte an diesen, der an den Ufern des Euphrats lagerte, Botschaft, um sich über den Undank Arghun's, der ihm allein den Thron verdankte, zu beklagen und diesen dem Dschuschkab anzutragen. Dschuschkab sah wohl ein, dass Buka ihn nur zum Werkzeuge seiner Herrschgier ausersehen und dass dieser selbst nach dem Throne strebe. Er entliess den Gesandten mit der Antwort: Ich bin dem Buka für seine gute Absicht sehr verbunden, traue aber mündlichen Versicherungen nicht und werde nicht an die Verbindung der mir genannten Prinzen und Emire glauben, bis ich von ihnen unterzeichnet die schriftliche Urkunde des Vertrags sehe. Buka sandte ihm die Unterschriften der Verschworenen. Dschuschkab sandte Wort: das Heer möge in Waffen ihn erwarten; er aber begab sich eiligst nach Tebris, um den Neffen Chan von der seinem Throne drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Arghun wollte Anfangs der Anklage keinen Glauben beimessen; als er aber in der unterschriebenen Urkunde von der Schuld Buka's den klarsten Beweis der Verrätherei vor Augen hatte, befahl er sogleich den Truppen, aufzusitzen und den Buka aus seinem Lager am Kor ihm zuzuführen. Sultan Aidadschi, Doladai und Tughan überfielen ihn in seinem Lager, doch hatte er noch Zeit gefunden, aus demselben jenseits des Kor in das der Frau Oldschai zu gelangen; sie nahm ihn aber nicht auf, nur der Sohn Sengi's, der Emir des Lagers der Frau Oldschai, gewährte ihm in seinem Zelte Zuflucht. Sultan Aidadschi und Tughan gingen noch in der Nacht über den Fluss und waren im Begriffe, das Lager der Frau Oldschai zu stürmen, als ihnen Sengi zitternd den im Zelte seines Sohnes versteckten Buka auslieferte. Vor das Gericht gestellt, antwortete er dem Schinktur, welcher ihn als die Ursache aller Unruhen anklagte und ihm vorwarf, dass er immer anderen Padischah einzusetzen trachte: er habe Nichts wider den Padischah, sondern nur wider seine Feinde Sultan Aidadschi und Tughan. Einer seiner eigenen Soldaten sagte ihm in's Gesicht: „An dem und dem Tage hast du mich gesandt, um das Lager und ein Heer aufzubringen und damit vorzudringen.“ Buka sprach: „Du irrest dich; ich habe gesagt: um was schwer vorzubringen.“ Als aber Dschuschkab die unterschriebene Urkunde der Verschwörung vorwies, deren Ausbruch für die Festnacht des neuen Jahres der Mongolen festgesetzt war[700], konnte er nicht mehr länger läugnen. Arghun gab das Zeichen zu dessen Hinrichtung, und Prinz Dschuschkab erbat sich die Gunst, dieselbe selbst vollstrecken zu dürfen. Als er auf dem Richtplatze angelangt, gab ihm Tughan einen Stoss in die Brust mit den Worten: „Das ist der Lohn für deine Lust nach dem Throne“. Dschuschkab trennte den Kopf mit Einem Hiebe vom Rumpfe und schnitt ihm dann mit eigner Hand Riemen der Haut aus dem Rücken. Der Kopf wurde, mit Stroh ausgestopft, unter der Brücke Dschaghan aufgehangen. 21. Silhidsche 687/
17. Jan. 1289 Am folgenden Tage sassen die Richter abermal zu Gericht, und es wurden die verschworenen Emire hingerichtet[701]. Kadan, weil er der Gesandte des Kaans, der Bitekdschi Noghai, weil er wahres Wort geredet, und ein anderer, weil die Emire für ihn gebeten, wurden mit dem Leben verschont. Unter den Hingerichteten war auch der Astronom Imadeddin, der Christ Simon von Rumkalaa Behaeddewlet Abul Kirem; Demitrius, König von Georgien, welcher in diese Verschwörung verwickelt war, wurde an den Ufern des Kor hingerichtet[702]; dem Heere wurde befohlen, seinen Jurt zu plündern; die Kinder wurden dem Schwerte des Henkers überliefert, die Frauen und Töchter unter das Heer vertheilt; es erging der Befehl, die Leichname der Erschlagenen in Hügeln aufzuschichten, erst wenn sie von Wölfen und Hunden zerfleischt sein würden, die Reste zu begraben. Drei Emire[703] wurden nach Diarbekr gesandt, die Söhne und Brüder Buka's zu holen. In sechs Tagen rannten sie von Arran nach Irbil, tödteten Ghasan, den ältesten Sohn Buka's, der sich bei seinem Oheime Aruk befand, und führten diesen nach Tebris. Als er an der Brücke Dschaghan des Bruders ausgestopften Kopf sah, fragte er: Wo ist der Kopf Audschan's, seines Waffenträgers? und der geforderte fiel. 9. Moharrem 688/
3. Febr. 1289 Emir Sengi, welcher dem Buka im Zelte seines Sohnes Zuflucht gestattet, wurde von der Frau Oldschai ausgeliefert; sie erklärte, dass sie ihren ältesten Sohn, Enbardschi, ausgeliefert haben würde, wenn er sich solcher Staatsverbrechen schuldig gemacht hätte. Noch waren vier Söhne Buka's[704] übrig, die sich zu Tughan geflüchtet, welcher sich ihrer angenommen; Ende Ssafer 688/
Halben Mai 1289 als er sie aber nach einiger Zeit dem Arghun, dessen Grimm er versöhnt glaubte, vorstellte, befahl dieser, durch ihre Hinrichtung den Stamm auszurotten, so dem geschah.

Der Prinzen Dschuschkab, Huladschu, Karabukai Hinrichtung.

Der Prinz Dschuschkab, welcher die Verschwörung Buka's angezeigt und dem Verräther mit eigener Hand den Kopf abgeschlagen, sah bald hierauf seinen eigenen gefährdet; auf die Nachricht, dass er selbst mit herrschsüchtigen Plänen umgehe, hatte ihm Arghun Emire[705] mit Truppen nachgesendet, die ihn am Flusse Karaman zwischen Ersen und Miafarakain erreichten; er schlug sich mit ihnen, floh und wurde nach drei Tagen ergriffen, vor Arghun gebracht, von demselben zum Tode verurtheilt. 15. Dschem. ewwel 688/
6. Juni 1289 Diese Hinrichtung hatte die Empörung des ihm innigst ergebenen Newrus, des Sohnes Arghun's (des Statthalters Hulagu's in Persien) zur Folge, mit welchem sich die Prinzen Huladschu (der zwölfte Sohn Hulagu's) und Karabukai, der Sohn Jaschmut's (des dritten Sohnes Hulagu's) verbanden; sie wurden von Muktil, dem Bruder Ordu Kaja's, welcher im Dienste Karabukai's seinen Herrn verrieth, ergriffen und im Schlosse Girdkjuh, dem alten Assassinenschloss, das so lange den belagernden Waffen der Mongolen getrotzt, eingesperrt, und vier Monate hernach hingerichtet. 20. Ramasan 688/
7. Oct. 1289 Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, der dritte, der als ein Schlachtopfer der Herrschaft fiel (wie vor ihm Konghuratai und Teguder); Karabukai, der zweite Neffe, der wie Dschuschkab des Todes Loos der Oheime theilte. Ein Heer unter dem Befehle Arghun's wurde nach Chorasan gesandt, um dort den Kronprinzen Ghasan wider den Aufrührer Newrus zu verstärken. Arghunchan hatte das Winterquartier von Arran mit dem Sommerlager zu Kongorolang vertauscht und zum zweitenmale den Ordu Kaja und den Juden Seaad empfangen, welche ihm Gelder von Bagdad brachten. Arghun war damit sehr zufrieden, und als der Jude vortrug, dass er das Doppelte abgeführt haben würde, wenn nicht die mongolischen Landschreiber ihm entgegen gewesen wären, wurde die Hinrichtung derselben befohlen; ihre Köpfe wurden zu Bagdad aufgesteckt; auch Manssur, der Sohn Chodscha Alaeddin's Dschuweini, wurde von Hille gebracht und hingerichtet; gleiches Schicksal hatte Dschelaleddin Semnani, welcher, dem Tughan verdächtig, einige Zeit lang auf Fürbitte Berende Bachschi's an dem Leben verschont worden war. 1. Dschem. II. 688/
22. Juni 1289 Arghun hatte die oberste Wesirschaft dem Juden Seaad übertragen, eine vor und nachdem in den Geschichten des Islams unerhörte Begebenheit, dass ein Jude Herr des Guts und Bluts der Moslimen. Seaadeddewlet, d. i. die Glückseligkeit des Hofes, der Sohn des Juden Hebetollah Ben Mohesib von Ebher, war vor fünf Jahren vom Vogte Bagdads oder dessen Kammer angestellt worden und hatte durch seine Geschäftstüchtigkeit bald sehr grossen Einfluss erworben. Der Befehlshaber Bagdads, Kotloghschah, ein vormaliger Diener Alaeddin's Dschuweini, Medschdeddin Giti und Andere waren vor zwei Jahren in's Sommerlager von Sughurluk gekommen, 686/
1287 um sich bei den Wesiren über Seaad, durch welchen ihr Ansehen so sehr in Schatten gesetzt wurde, zu beklagen; sie priesen den Seaad als einen vortrefflichen Arzt an, der seiner medicinischen Kenntnisse willen an den Hof gezogen zu werden verdiene. Seaad, nach Hof berufen, schloss sich an Ordu Kaja an und erhielt durch dessen Einfluss Diplom und Löwenkopf mit dem Antrage, die Rückstände der Steuern Bagdads, welche fünfhundert Tomane betrugen, einzutreiben. Mittels Erpressungen und Qualen brachte er eine ansehnliche Summe Geldes auf, die er dem Chan in's Sommerlager von Kongorolang brachte. Arghun, hiermit sehr zufrieden, verlieh die Emirschaft von Bagdad dem Emir Ordu Kaja und die Vogtschaft dem Baidu Sikurdschi, d. i. Schwertträger; Scherefeddin von Semnan wurde zum Melik, d. i. Vorsteher der Finanzen, und Seaad zu dessen Moscherrif[706], d. i. Ceremonienmeister, ernannt. Diese vier gleichzeitigen Ernennungen geben Aufschluss über die Einrichtung mongolischer Landesverwaltung, deren Häupter der Emir (Befehlshaber der Truppen), der Schohne oder Baskak, d. i. Vogt Statthalter, der Melik, d. i. Intendent der Finanzen, und Moscherrif, Gehülfe desselben; dazu kamen die Sekretäre und Schreiber, von denen die arabischen Munschi, die mongolischen Bitekdschi, die türkischen Bachschi heissen. Als Seaad zur Wesirschaft gelangt, war derselbe nur noch durch den Einfluss seines vormaligen Vorstehers Scherefeddin Semnani einigermassen in der Ausübung seiner unumschränkten Machtvollkommenheit beschränkt; als aber auch dieser auf Arghun's Befehl, weil ihm zu Ohren gekommen, dass er des Juden unumschränkte Machtvollkommenheit bitter getadelt, hingerichtet worden, herrschte der Jude Arzt mit unumschränkter Vollmacht als Wesir[707].

Seaadeddewlet's Verwaltung.

Die Verwaltung des Arztes Juden war eine blutige und goldene, Aderlass und Schacher. Noch lebten die Enkel seines grossen Vorfahrers in der Wesirschaft, Mohammed Schemseddin's, Mahmud und Ali[708], die beiden Söhne seines Sohnes Behaeddin, auf den ihnen gelassenen Besitzungen in Irak. Ali war mit seiner Mutter, der Tochter Iseddin Tahir's, nach Issfahan gegangen, als Medschdeddin Muminan von Kaswin, einer der Blutegel des Wesirs, an Arghun Bericht erstattete, dass fasst alle Krongüter in den Händen der Enkel Schemseddin's. Der Befehl erging, die Söhne Schemseddins hinzurichten. Von diesen wurden Mesud und Feredschullah zu Tebris getödtet; 3. Redscheb 688/
23. Juli 1289 dem Enkel Mahmud rettete der Vogt das Leben, weil in dem Befehle blos von den Söhnen und nicht von den Enkeln die Rede; aber Ali, welcher zu Issfahan sich befand, wurde getödtet, und sechzehn Tage nach ihm auch sein Oheim Mesud. Noch waren von den Söhnen Schemseddin's zwei, nämlich: Atabeg und Sekeria, übrig, welche, die einzigen, nicht gewaltsamen Todes starben. Der Jude legte nun seinem Namen und dem seiner Brüder nach dem Beispiele der Herrscher aus dem Hause Buje den Ehrennamen Dewlet, d. i. Reich oder Hof, bei; er nannte sich Seaadeddewlet, d. i. das Reichsglück, seine Brüder hiessen: Fachreddewlet, d. i. Reichsruhm, Mohesibeddewlet, d. i. Reichsläuterer, desgleichen seinen anderen Angehörigen, unter die er die Statthalterschaften des Reichs vertheilte; den beiden genannten Brüdern und dem Dschemaleddin von Destadscherd übertrug er die Befehlshaberschaft von Bagdad; nach Fars sandte er den Medschdeddewlet, d. i. Reichsglorie, den Sohn des Astronomen Montachabeddewlet, d. i. des Reichsauserwählten, als Statthalter nach Diarbekr seinen Bruder Emineddewlet, d. i. Reichsintendent, und die Befehlshaberschaft von Tebris verlieh er seinem Neffen Ebu Manssur Mohesibeddewlet (ein zweiter Reichsläuterer) dem Arzte[709]. Fünf Juden (die vier Brüder und der Neffe) hatten die Verwaltung unter sich getheilt. Die Emire Taghadschar, Ordu Kaja und Dschuschi, welche bisher die Finanzen verwaltet, wurden durch ein Patent verständigt, dass Seaadeddewlet der Befehlshaber des Staatsschatzes sei, „und dass sie ohne dessen Gutheissung kein Geschäft dem Padischah vorzutragen ermächtiget seien, dass dem Wesir aber frei stehe, zu jeder Zeit Geschäfte zu schlichten, ohne sich nach ihnen zu richten“. Die Wesire und Emire der Länder wurden ihm untergeordnet, Könige und Sultane standen dem Arzte Juden zu Befehl; wäre nicht Chorasan und Rum wirklich im Besitze Ghasan's und Kendschatu's, der beiden Söhne Arghun's, gewesen, so hätte er auch diese Länder an seine Geschöpfe verliehen[710]. Er vernichtete gleich Anfangs seiner Verwaltung in allen Ländern die Melik, wörtlich Könige, der Finanz, d. i. Intendenten der Pachten und Steuern, und erregte in den Herzen der Juden die Erwartung, dass in ihm der versprochene Messias erschienen, der Wiederhersteller des Reichs im vorigen Glanze. Die Verordnungen, die er in Finanzsachen erliess, waren streng, aber verständig, auf die sichere Eintreibung der Steuern und Vermehrung des Staatsschatzes berechnet; den Plackereien der Gesandten und Vögte wurde gesteuert, arabische und persische Dichter und Philologen mit Geschenken und Pensionen zur Verbreitung seines Lobes erkauft. Binnen zwei Jahren war ein ihm gewidmetes Buch, welches blos die zu seinem Lobe erschienenen Ghaselen, Kassidete, Makame und Lobreden enthielt, gesammelt, und welches sich noch zur Zeit Wassaf's zu Bagdad fand; er nahm sich nicht nur mit den Prinzen und Nujanen, sondern auch gegenüber des Schah und dessen Gemahlinnen die grössten Freiheiten heraus. Eines Tages, als er mit dem Schah langen Puff spielte, streckte er mir nichts dir nichts seine Füsse aus, als läge er auf einem Ruhebette; eine der Frauen, welche herein kam, redete ihn an: „Wie unterstehst du dich, in Gegenwart eines solchen Chans, dessen Sklaven mit dem störrigen Himmel wie mit einer Kugel aus Handteig spielen, ohne Scheu den Fuss auszustrecken?“ Seaadeddewlet entschuldigte sich mit dem Zipperlein, und Arghun liess die Entschuldigung gelten.