Die Sonne scheint so klar!
So süß und töricht ist der Sinn,
Der hier ein Haus sich baut, —
Im hohen Flug ist kein Gewinn,
Der fern aus Lüften schaut,
Und ging er auch zur Ewigkeit,
Er paßt nicht in die Zeit,
Er ist von ihrer Freudigkeit
Verschieden himmelweit.
Den Abend, als er aufwachte, fand er den Vetter schon mit einem guten Abendessen in seinem Zimmer, auch sprach er von einer unangenehmen Überraschung, die er ihm gemacht. — Deswegen führte er ihn in das Nebenzimmer, von wo er die Gasse beobachten könnte, und der Majoratsherr fand es mit Sofa und Stühlen, mit Schränken und Tischen geschmückt, auch war das Fenster gewaschen — aber die Schwalben waren herabgestoßen. „Meine guten schützenden Engel sind vertrieben“, dachte der Majoratsherr. „Ich soll sie sehen, meinen Todesengel, soll den ganzen Traum durchleben, der mich plagte; denn eins ist schon erfüllt, was ich im Schlafe sah.“ — „Warum so traurig, Vetter?“ fragte der Leutnant. — „Ich habe unruhig geschlafen,“ antwortete der Majoratsherr, „und mir träumte von der Esther, sie sei mein Todesengel. Närrisches Zeug! Ihr Kleid hatte unzählige Augen, und sie reichte mir einen Schmerzensbecher, einen Todesbecher, und ich trank ihn aus bis zum letzten Tropfen!“ — „Sie hatten Durst im Schlafe,“ sagte der Leutnant. „Setzen Sie sich zum Essen, da steht guter Wein, echter Unger, ich habe ihn selbst gemacht, aus Rosinen und schwarzem Brote. Apropos, Sie müssen die gute alte Hofdame bald einmal besuchen; sie hat mich heute halbtot gequält, daß ich Sie zu ihr bringe, sie wäre eine Freundin Ihrer Eltern.“ — „Dazu muß ich einen Tag leben, und ich verschlafe meine Tage viel lieber,“ antwortete der Majoratsherr. „Lassen wir das, nehmen Sie meinen Dank für die Ausschmückung des Zimmers! Eins möchte ich mir noch kaufen, seidene Vorhänge vor jenes Fenster; Sie haben die Scheiben so hell polieren lassen, daß ich nicht mehr versteckt bin, wenn ich in die Gasse schaue.“ — „Die finden Sie gleich unten bei der schönen Esther,“ rief der Vetter, „da können Sie ihre Bekanntschaft viel näher machen als durch die Fensterscheiben. Alle unsere Majoratsherren waren verliebter Komplexion, Sie müssen keine Ausnahme machen, bester Vetter! Ich will Sie auch begleiten, damit Sie im Handel nicht betrogen werden, und daß Sie sich nicht abschrecken lassen, wenn das Mädchen sehr spröde tut.“ So gingen beide, der Majoratsherr vom Leutnant fortgezogen, in die Gasse, und der letztere konnte sich eines Schauers nicht erwehren; ihm wars, als wären die hohen, hölzernen Häuser nur aus Pappdeckeln zusammengebaut, und die Menschen hingen wie ein Spielzeug der Kinder an Fäden und regten sich, wie es das Umdrehen der großen Sonnenwalze ihnen geboten. Jetzt fingen sie an, ihre Läden zu schließen, räumten auf, zählten den Gewinn, und der Majoratsherr wagte in dem Lärmen, in dem Dufte nicht aufzublicken.