Nach einem sehr guten Tiffin beim Generalconsul kehrte ich auf meinen Dampfer zurück, und beschäftigte mich mit der Ausfertigung der gekauften 80 Ansichtskarten von Shanghai.
Bezüglich des Geldverkehres sei hier noch erwähnt, dass Hongkong und Shanghai je eine Bank besitzen, welche eigenes Geld ausgibt, und dass, wenn dasselbe auch den gleichen Werth in Dollars zu 100 Cents hat, man doch bei der Umwechslung des Geldes bis zu 5% Abzug erleidet.
Am 29. März fuhr ich Vormittags zu der in Shanghai bestehenden deutschen Post, wo ich mir für meine Ansichtskarten deutsche Briefmarken, welche mit dem Worte »China« überdruckt sind, einkaufte, weil die Expedirung mit der deutschen Post weit sicherer als mit der chinesischen von statten geht.
Nach einem abermaligen Tiffin beim Generalconsul machte ich unter der Führung des Consulatssecretärs und in Begleitung des Schiffscapitäns und mehrerer Lloydbeamten eine Fahrt in die autonome alte Chinesenstadt, deren wenig erbaulichen Zustand ich schon beschrieben habe. Die dortigen Verkaufsbuden bieten nur ganz schlechtes und elendes Zeug, so dass ich nur drei gemalte Porzellan-Theeschalen und ein kleines Holzkästchen mit einer Magnetnadel zu je 10 Cents kaufen konnte.
Zu einem noch in Aussicht genommenen Ausfluge nach einem französischen Kinder-Erziehungshause, welches in der Nähe von Shanghai von Jesuiten geleitet wird, ist es aus Mangel an Zeit nicht gekommen. Die Kinder werden dort in verschiedenen Handarbeiten ausgebildet, und sollen sehr schöne Resultate erzielt werden.
Am Abend kaufte ich noch von einem auf das Schiff gekommenen Schneider ein 15 Yards langes Stück von leichter Rohseide um 6 Dollars, und von einem anderen Händler sechs geschnitzte Holzdosen um 1 Dollar.
Allgemein und sehr tief wird hier noch der Verlust des vor zwei Jahren beim Baden um's Leben gekommenen Consuls Haas bedauert. Derselbe hatte in der richtigen Auffassung seiner Stellung Alles aufgeboten, um österreichische Kaufleute nach Shanghai zu ziehen, und um den Handel mit Oesterreich-Ungarn zu heben und zu fördern. Jeder unserer Landsleute, der nach Shanghai kam, konnte gewiss sein, in seinen Unternehmungen auf das Kräftigste von Consul Haas unterstützt zu werden. Leider haben aber auch seine Bemühungen unsere Geschäftswelt nicht zu ausgedehnterem Handel mit China bewogen.
Fahrt von Shanghai nach Kobe.
In Shanghai waren wieder neue Passagiere zugewachsen, und zwar ein spanisches Ehepaar, ein Handelsmann aus Wien mit seiner Frau und zwei Engländer; trotzdem konnte ich meine beiden Cabinen bis zu dem ohnehin in drei Tagen bevorstehenden Ende meiner Reise beibehalten.
Das Wetter war während meines Aufenthaltes in Shanghai vortrefflich; die Sonne schien die ganze Zeit und es war recht warm. Allein am Tage der Abfahrt am 30. März gab es wieder einen tüchtigen Wetterumschlag, es stürmte und regnete, und das Thermometer fiel im geschlossenen Raume bis auf 6° R. herab.