Die Stadt Kobe liegt weit ausgebreitet, theils am Ufer des Binnensees, theils an der Lehne eines steil aufsteigenden Höhenrückens, und macht durch die matt gehaltene Farbe der Häuser, sowie durch die stellenweise kahlen Abhänge der Berge keinen lebhaften Eindruck.
Die Japaner sind von kleiner Statur, haben grosse Köpfe and magere Beine, und tragen keinen Zopf; ihre beinahe ausnahmslos ganz schwarzen Haare sind, man könnte sagen borstenartig zugeschoren. Ausser dem langen, kaftanartigen Ueberrocke tragen sie einen kurzen Leibrock und knapp anliegende, dunkle Pantalons. Die Füsse sind mit Strohsohlen bekleidet, welche durch Strohschnüre zwischen der ersten und zweiten Zehe festgehalten werden; an Stelle der Stroh- werden auch Holzsandalen getragen. Der Kopf bleibt unbedeckt. Die japanischen Frauen und Mädchen sind durchaus in lange, dunkle Kleider in der Art von Schlafröcken gehüllt, und haben in der Mitte des Rückens ein Kissenstück, man könnte wirklich sagen ein Kopfkissen, welches mit lichtem, buntem Seidenzeuge aufgeputzt ist. Die rabenschwarzen Haare sind künstlich hoch gewellt und meist mit Korallen geschmückt. An den Füssen tragen die Frauen gleichfalls mit Strohmatten belegte Holzsandalen, die sie so befestigen, wie es oben gesagt wurde. An der Unterseite der Holzsandalen sind häufig zwei Querhölzer angebracht. Das Gehen mit solchen Holzsandalen macht einen klappernden Lärm, und muss, nach der ungeschickten Weise der Fortbewegung zu urtheilen, gar nicht leicht sein. Auch die Frauen tragen keine Kopfbedeckung. Die Mütter tragen ihre Kinder auf dem Rücken, und schmücken dieselben mit lichten, bunten Stoffen. Sonn- und Regenschirme werden aus Rohr und ölgetränktem Papier erzeugt.
Gleich beim Betreten des Landes macht sich Ordnungs- und Reinlichkeitssinn bemerkbar. So sind die Jinrikshas gleichartig und zweckmässig adjustirt, die Strassen, Häuser, Höfe und Kaufläden sind durchwegs rein gehalten, und selbst die kleinen, auf der Strasse spielenden Kinder machen einen netten und sauberen Eindruck.
Die Häuser sind zum grössten Theile aus Holz erbaut, statt Glasscheiben haben die Fenster gewöhnlich ölgetränkte Papiere, und überall sind Fenster und Thüren für das Oeffnen und Schliessen zum Schieben eingerichtet. Im Innern der Wohnungen vertreten Matten die Stelle der Thüren; auch die Fussböden sind nur Matten bedeckt. Diese Matten sind zierlich geflochten, und werden äusserst reinlich gehalten. Dieselben dienen den Hausbewohnern zum Sitzen, wobei ein Kissen unterlegt wird, und zum Liegen. Zur Erhaltung ihrer mühsam fertig zu stellenden Frisur, deren tägliche Erneuerung möglichst vermieden werden soll, schieben sich die japanischen Frauen beim Liegen und Schlafen einen kleinen, etwa 10 cm hohen und mit mehrfach gerollten Linnen bedeckten Holzblock unter den Nacken oder den Hals, eine Liegeart, welche für uns Europäer wohl ganz unbegreiflich ist.
Die wenigen, aus Ziegeln erbauten Häuser, so z. B. die ersten Hôtels, sind sehr leicht aufgeführt, haben nur ziegelbreit dicke Mauern und einfache Fenster mit Jalousien, eine Bauart, welche zur kalten Jahreszeit, wo die Temperatur monatelang nahe an dem Gefrierpunkte steht, wohl wenig schützend ist. Hierzu kommt noch, dass selbst in den vornehmsten Häusern keine Oefen, sondern nur hie und da offene Kamine angebracht sind. Um sich die Hände zu wärmen und auch zum Anzünden der kleinen Tabakpfeifen, aus welchen Herren und Damen dort gerne rauchen, werden Töpfe mit glühenden Holzkohlen auf den Boden gestellt.
Die Hôtels sind mit europäischen Möbeln und sehr breiten Betten versehen.
Jedenfalls ist bei einer solchen Bauart die Feuersgefahr eine sehr grosse, und so ist z. B. vor wenigen Tagen das zweitgrösste Hôtel in Kioto (Hôtel Yarmi) ganz niedergebrannt.
Nachmittags suchte ich mit dem Schiffscapitän den Lotsen auf, von dem ich früher gesprochen habe. Derselbe hat sich an der Lehne des gegen Kobe abfallenden Berges eine reizende Villa erbaut, welche seine Frau, eine Ungarin aus dem Banat, in musterhafter Ordnung erhält. Seine fünf Kinder, die sehr gut erzogen sind, sprechen Deutsch, Englisch und etwas Japanisch, und haben sehr nette musikalische Anlagen. Von dort fuhren wir mit Rikschas zu einem sehenswerthen Wasserfall und besahen uns dann einige Einkaufsbuden.
Am 3. April zahlte ich vorerst auf dem Dampfschiffe Marie Valerie für die Zeit von Bombay, den 1. März, bis Kobe, den 2. April, also für 32½ Tage, an Getränken 24 Goldgulden, für das Tiffin in Singapore 10 Goldgulden und an Trinkgeld, sowie für Wäsche 17 Goldgulden, zusammen 51 Goldgulden oder 61 fl. ö. W.; sodann fuhr ich etwas in der Stadt herum.