Am 26. April musste ich schon zeitlich aufstehen, weil der Eisenbahnzug, der mich nach Yokohama bringen sollte, schon um 8 Uhr Morgens abging. Da mit diesem Zuge meine Ankunft in Yokohama nicht vor 9 Uhr Früh erfolgen konnte, das Dampfschiff der Messagerie maritime, mit welchem ich nach Kobe fahren wollte, aber schon um 10 Uhr Vormittags den dortigen Hafen verlässt, so hatte ich unseren Consul in der genannten Stadt gebeten, Jemand nach dem Bahnhof in Yokohama zu entsenden, welcher mir behilflich sein könnte, mein Gepäck sofort von der Bahn auf das Schiff zu bringen.
Bei meiner Abreise von Tokio fand sich noch ganz unerwarteterweise unser Geschäftsträger auf dem Bahnhofe ein, um mir ein letztes Lebewohl zu sagen, und ich konnte ihm somit nochmals für seine mir stets unvergesslich bleibende Gastfreundschaft herzlichst danken.
F. Fahrt von Tokio nach Kobe.
In Yokohama traf ich zu meiner grossen Freude unseren dortigen Consul auf dem Bahnhofe an, welcher Einem seiner Leute den Auftrag gab, die Ueberführung meines Gepäckes auf das Dampfschiff zu besorgen.
Zur festgesetzten Zeit, um 10 Uhr Vormittags, verliess das Schiff den Hafen, und zog, von Tücherschwenken begleitet, hinaus in die hohe See. Es befanden sich ungefähr 20 Passagiere erster Classe, darunter ziemlich viele Deutsche, auf dem Dampfschiffe; dessenungeachtet hatte der französische Schiffscapitän die Aufmerksamkeit für mich, mir eine Cabine für mich allein zuzuweisen.
Während der Fahrt hatte ich noch einmal den Genuss, den gewaltig hohen und merkwürdigen Berg Fugyi zu sehen, dann aber entfernte sich das Schiff so weit von der Küste, dass dieselbe nicht mehr erblickt werden konnte. Das Dampfschiff der Messagerie maritime begann nun, ohne dass das Wetter stürmisch geworden wäre, heftig zu rollen, wie dies bei den Schiffen des Oesterreichischen Lloyd, die ganze Zeit meiner Fahrt über, niemals der Fall war. Alle Damen und einige Herren, welche sich an Bord des französischen Dampfers befanden, wurden seekrank, wovon ich auch dieses Mal wieder verschont blieb.
Die Verpflegung auf der Messagerie maritime ist ebenso gut und reichlich, wie auf unseren Lloydschiffen, zeichnet sich aber dadurch aus, dass jeder Reisende zu jeder Mahlzeit, nach Belieben, kostenfrei rothen und weissen Wein oder Bier erhält. Der Wein ist recht gut, an Bier wird auch englisches Pale ale oder Stout und zum Diner ein Glas Sherry geboten. Dabei wird durchaus nicht geknickert, sondern jedem Passagier, der seine Flasche geleert hat, wird sofort eine andere vorgesetzt. Dieser unentgeltliche Genuss von Getränken ist schon aus dem Grunde eine grosse Annehmlichkeit, weil man dadurch der Mühe enthoben wird, täglich dem Kellner auf einem Papierstreifen angeben zu müssen, was man getrunken hat, und ausserdem hat man den Vortheil, dass beinahe alle Extraauslagen während der Fahrt entfallen. Ich zahlte für mein Billet erster Classe, sowie für mein Gepäck von Yokohama bis nach Kobe, das ist für eine Reise von 26 Stunden, den Betrag von 12 Yen = 14 fl. 40 kr., also die gleiche Summe, welche für dieselbe Strecke auf der Eisenbahn, doch ohne Verköstigung, zu entrichten ist.
Die allgemeine Bemerkung scheint mir an dieser Stelle nicht überflüssig zu sein, dass in den japanischen Hafenplätzen die Leute für den Transport des Gepäckes vom oder zum Schiffe unverschämte Forderungen stellen, und recht zudringlich werden, wenn ihrem Begehren nicht voll entsprochen wird; es ist daher für die Reisenden, welche in einem Hôtel absteigen, sehr angezeigt, vorher schriftlich an dasselbe die Ankunft mit dem Ersuchen bekannt zu geben, den Transport des Gepäckes vom Schiff oder Bahnhof in das Hôtel zu übernehmen.
G. Zweiter Aufenthalt in Kobe und Ausflug nach Himeji.
Am 27. April traf ich Vormittags wohlbehalten in Kobe ein. Ich fuhr zuerst in das Hôtel, wo der Preis der Pension für den Tag auf 7 Yen = 8 fl. 40 kr. festgestellt wurde, und begab mich dann zum Lloydagenten, um mich zu erkundigen, ob der Dampfer Marquis Bacquehem die für den 30. April bestimmte Abfahrtzeit von Kobe pünktlich einhalten werde. Die mir ertheilte Antwort lautete dahin, dass aller Wahrscheinlichkeit nach keine Aenderung in dem festgesetzten Fahrtprogramme eintreten werde.