Es müssen also nach Japan solche Artikel in den Handel gebracht werden, welche unserer Intelligenz entspringen, welche die den Japanern eigenthümliche Neugierde anregen, die nicht theuer sind, und bei bescheidenen Mitteln den Ankauf gestatten. Zu solchen Artikeln zähle ich alle kleineren Erzeugnisse der Mechanik, Physik, Elektricität und Chemie, wie man dieselben bei uns so vielfältig antrifft und deren Herstellung auch weiter ausgedehnt werden könnte.
Auch die Einfuhr von Hengsten, welche zur Verbesserung der Pferdezucht in Japan geeignet und dort wirklich sehr nöthig sind, dürfte den Vermittlern lohnenden Gewinn abwerfen.
Inwieweit derartige commerzielle Unternehmungen begründete Aussicht auf Erfolg bieten, und wie dieselben durchzuführen wären, darüber müsste allerdings noch vorher eine genaue Enquête einberufen werden.
Rückreise von Japan nach Oesterreich-Ungarn.
Fahrt von Shimonoseki nach Hongkong.
Am 2. Mai Vormittag fuhr ich, wie schon erwähnt, auf dem Dampfer Marquis Bacquehem bei schlechtem Wetter von Shimonoseki in westsüdwestlicher Richtung ab. Nachmittags entschwand die Küste Japans meinen Augen, und als ob auch die Natur hierzu ihren Abschluss geben wollte, entlud sich gleich darauf ein schweres Gewitter. Der Sturm peitschte das Meer derart, dass die Wogen sich hoch aufbäumten und im Zerschellen an des Dampfers Flanken die schäumende Gischt auf das Deck schleuderten; der Himmel war von stahlgrauen Wolken umdüstert, leuchtende Blitze zuckten umher und grollende Donner, sich zeitweise bis zum Kanonenknall steigernd, durchdröhnten die Luft. Ein grossartiges, gewaltiges Schauspiel.
Unser Lloyddampfer glitt aber verhältnissmässig ruhig, den Wellen nachgebend, in der vorgezeichneten Richtung weiter. Wohl machte unser Bacquehem bei diesem Nachgeben auch schaukelnde Bewegungen, doch waren diese weitaus nicht so stark, als jene auf dem Dampfer der Messagerie bei viel ruhigerem Wetter während der Fahrt von Yokohama nach Kobe.
Am 3. Mai trat bei umdüstertem Himmel wieder stilles Wetter ein, weshalb ich meine Lebensweise abermals dem Schiffsgebrauche gemäss einrichtete. Zur Morgentoilette gehörte das Wannenbad in dem 20 bis 22° warmen Meerwasser, und um 7½ oder 8 Uhr nahm ich nach altgewohnter Sitte einen Kaffee. In der Zeit bis zum zweiten Frühstück (Breakfast) bezeichnete ich auf meiner Karte die vom Dampfer zurückgelegte Strecke, wozu ich die Ausweise benützte, in welche ein Schiffsofficier täglich den um 12 Uhr Mittag erreichten Punkt und die eingehaltene Richtung eintrug; dann machte ich die sich daran fügenden geographischen Ueberlegungen und endlich auch die Notizen über die Erlebnisse des vorhergegangenen Tages.
Gemäss unserer Fahrtrichtung nach Westen muss die Uhr täglich zurückgestellt werden, das heisst, dass jetzt der Tag mehr als 24 Stunden währen wird, wogegen bei der Reise von Europa nach Japan der verkehrte Fall bestanden hatte.
Die Fahrtgeschwindigkeit des Lloyddampfers ist nicht gross, es werden von demselben stündlich im Durchschnitt 10 bis 11 Seemeilen oder 18 bis 20 km zurückgelegt.
Nach dem Breakfast setze ich mein Tagebuch über Japan fort, wozu mir einerseits die gemachten Vormerkungen und andererseits die geistige Versetzung in die entsprechenden Zeitmomente das Material liefern. Diese Beschäftigung, hie und da durch Spaziergänge auf dem Deck unterbrochen, währt bis zu dem um 1 Uhr Mittag stattfindenden dritten Frühstück (Tiffin). Ich habe schon gelegentlich der Reise nach Japan die Erfahrung gemacht, dass ich auf hoher See nicht mehr Mahlzeiten nehmen kann, als ich es seit jeher gewohnt bin, und demnach habe ich diesmal kein Tiffin gegessen, sondern diese Zeit zum Spaziergang oder zur Lectüre benützt.