A. In Colombo.
Nachdem ich in das genannte Hôtel in Colombo gelangt war, fuhr ich mit einem Rikscha zu dem Honorarconsul für Oesterreich-Ungarn, Schulze, mit welchem ich schon in schriftlichen Verkehr getreten war, um mich persönlich mit demselben bekannt zu machen und ihn zu fragen, ob Sendungen an mich bei ihm angelangt seien, und ihn zu bitten, mir Auskunft über Herrn Dumaresq-Thomas zu verschaffen, welcher mich gebeten hatte, ihm meine Ankunft in Colombo nach Jawalakelle telegraphisch bekannt zu geben. Das Resultat dieser Besprechung war nachfolgendes: dem in Ceylon sehr angesehenen Engländer und Theeplantagenbesitzer Dumaresq-Thomas werde der Consul meine Ankunft in Colombo telegraphisch anzeigen, und dem Besitzer des Queen Hôtel in Kandia, dem Ungarn Raden, werde er mein Eintreffen dort am 27. Mai aus dem Grunde telegraphisch bekannt geben, damit in dem stets angefüllten Hôtel ein Zimmer für mich bereit gestellt werde. Schliesslich lud mich der Consul für den 26. Mai, um ½8 Uhr Abends, zu sich zum Diner ein.
Am 26. Mai erfuhr ich bei dem Consulate, dass von Dumaresq-Thomas auf telegraphischem Wege die Bitte eingelangt sei, gleich zu ihm nach Nowera Elya in seine Villa Astley-House zu kommen und hierzu mit der Bahn nach Nuna oya zu fahren, von wo er mich abholen lassen werde. Hierauf wurde dem Herrn Dumaresq-Thomas telegraphisch bekannt gegeben, dass ich am 28. Mai Mittags in Nuna oya eintreffen werde.
Vom Consulate ging ich zur Agentschaft der französischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft Messagerie maritime, um dort die Reiseverhältnisse zu besprechen und dementsprechend eine Fahrkarte zu nehmen. Nach den dort erhaltenen Aufklärungen fasste ich nachstehenden Reiseplan. Am 2. Juni Abends werde ich mit dem französischen Dampfer Australien nach Ismaila in Aegypten, von dort, nach meiner Ankunft am 12. Juni, nach dem mit der Eisenbahn in einer Stunde zu erreichenden Kairo, sonach von dort mit derselben nach dem in 2½ Stunden entfernten Alexandrien, und endlich von dort mit dem Oesterreichischen Lloyd-Schnelldampfer nach Triest fahren. Nachdem ich später bei der Lloydagentschaft erfahren hatte, dass die Schnelldampfer von Alexandrien nach Triest jeden Samstag abgehen und nach vier Tagen in Triest anlangen, präcisirte ich meinen Plan dahin, dass ich am 12. Juni von Ismaila nach Kairo fahren, dort vom 12.-15. Juni verweilen, am 15. Juni nach Alexandrien fahren, dort vom 15.-17. Juni verbleiben, und an diesem Tage mit dem Lloyddampfer nach Triest fahren werde, wo ich sonach am 21. Juni einzutreffen Aussicht habe.
Die Fahrkarte erster Classe auf dem Dampfer der Messagerie maritime von Colombo nach Ismaila oder nach Port Said kostet 625 Rupien = 500 fl. ö. W. Da die Fahrt zehn Tage währt, so entfällt auf jeden Tag der Fahrt 50 fl. ö. W. Es ist dies ein abnorm hoher Preis, und dieser entsteht daraus, dass die Gesellschaft Messagerie maritime jene Reisenden, welche nicht nach Frankreich fahren, einen verhältnissmässig sehr gesteigerten Fahrpreis zahlen lassen.
Die in einer späteren Tageszeit mit der Chartered Bank zu Colombo eingeleiteten Geldgeschäfte wickelten sich sehr gut ab. Ich erhielt nämlich bei dem Wechseln der noch vorräthigen 100 Yen = 120 fl. ö. W. und 36 Singapore-Dollars = 43 fl. ö. W. den Betrag von 200 Rupien oder 160 fl. ö. W. und für die mit dem Creditbrief behobenen 100 Pounds erhielt ich 650 Rupien = 520 fl. ö. W. und 55 Pounds = 660 fl. ö. W., also für 100 Pounds 1180 fl. ö. W. Es hatte demnach die Bank bei dem Wechseln und bei der Ausgabe von zusammen 1363 fl. ö. W. nur 23 fl. Gewinn genommen, mithin um ein Drittheil des Gewinnes weniger, als die gleiche Bank in Yokohama von mir gefordert hatte.
Dann kaufte ich noch in dem grössten Geschäfte von Colombo, Cargill, welches aber nicht sehr vertrauenerweckend ist, zwei Pagshyanas, das sind Leibchen und Beinkleider aus einem groben Flanellstoff, welche in den Tropen zur heissen Zeit als Schlaf- und Morgenkleider getragen werden.
Im Hôtel empfing ich vor dem Tiffin den Besuch des Consuls Schulze, und nach dem Tiffin jenen des Consularsecretärs. Mit dem Consul wurde ausgemacht, dass ich, um zu seinem Diner zu kommen, mit der bestehenden elektrischen Bahn bis zu einem bestimmten Punkte fahren und von dort in seiner Equipage abgeholt werde. Den Secretär bat ich, bei der P. and O.-Agentschaft den nöthigen Nachdruck zu geben, damit mein fehlendes Gepäckstück zu Stande gebracht werde.
Nachmittags fertigte ich die gekauften 50 Ansichtscorrespondenzkarten aus, und fuhr dann um 6¼ Uhr mit jenem Zuge der elektrischen Bahn ab, welcher, nach Aussage des Hôtelportiers, mich an den bestimmten Punkt bringen werde. Nach mehr als viertelstündiger Fahrt nahm ich aber wahr, dass dieser Zug in einer andern, als der mir angegebenen Direction ging, und nun musste ich aussteigen und im Monsumregen lange warten, bis ein in entgegengesetzter Richtung fahrender Zug kam, der mich wieder zum Hôtel zurückführte. Von hier aus suchte ich nun selbst den elektrischen Zug und kam endlich, wenn auch etwas verspätet, bei dem Consul an.
Die Villa desselben ist gross, sehr hübsch und liegt im Villenviertel inmitten tropischer Gärten. Die Frau des Consuls und ihre Schwester, sehr nette, aus Deutschland stammende Damen, mit welchen ich mich während des vortrefflichen Diners recht gut unterhielt, erzählten mir, dass, laut Zeitungsnachricht, nun in Alexandrien auch die Pest herrsche. Hierdurch wurde mein entworfener Reiseplan umgestossen, denn ich hatte den Gedanken, über Alexandrien zu fahren, aus dem Grunde aufgenommen, weil ich nicht mit dem aus Bombay, wo noch die Pest grassirt, kommenden Lloyddampfer nach Triest reisen, und mich dadurch aussetzen wollte, dort Quarantaine halten zu müssen. Wenn aber auch in Alexandrien die Pest herrscht, so haben die von dort kommenden Reisenden ganz sicher in Triest eine Quarantaine zu halten, und ich hätte, um nach Alexandrien zu gelangen, durch das von der Pest inficirte Aegypten fahren müssen. Ich entschloss mich demnach, mit dem französischen Dampfer von Colombo bis nach Port Said und von dort mit dem Lloyd-Schnelldampfer Bombay-Triest nach der letztgenannten Stadt zu fahren. Bezüglich dieser Reise stellte ich später durch Umfrage fest, dass der französische Dampfer am 12. und der Lloyddampfer am 15. Juni in Port Said ankommen und abgehen, und dass ich hiermit in Port Said drei Tage zu verweilen haben werde.