Nach der Rückkunft in's Hôtel brachte ich noch mein Gepäck in Ordnung, weil ich den andern Tag früh aufbrechen musste.
Am 27. Mai Morgens bezahlte ich die Hôtelrechnung für zwei Tage mit 23 Rupien = 18 fl. 40 kr., und zwar je 3 Rupien für Zimmer und Bedienung, ¾ Rupien für Koffer, 2 Rupien für Tiffin und 3 Rupien für Diner, den Rest für Getränke und Gepäckbeförderung. Im Hôtel liess ich von meinem Gepäck sieben Stück zurück und nahm sechs Stück, darunter die Kiste mit den Jagdgewehren, mit mir. Für die Eisenbahnfahrkarte erster Classe von Colombo nach Kandy, vierstündige Fahrt, und binnen acht Tagen zurück, zahlte ich 9 Rupien = 7 fl. 20 kr. ö. W. und für das Gepäck 2½ Rupien. Um 8 Uhr Früh fuhr ich von Colombo ab.
Ich will nun nachfolgend eine kurze Beschreibung von Ceylon, von Colombo und von dem Lande zwischen Colombo und Kandy geben.
Die überwiegende Zahl der Einwohner von Ceylon sind die Singhalesen. Es sind dies grosse, schlanke, braune Gestalten mit schwarzen Haaren und gleichen unseren Zigeunern. Die Haare werden von den Singhalesen rückwärts in einen Zopf gebunden, und auf dem Kopfe tragen sie einen runden, horizontal liegenden, aufrecht stehenden, gelben Hornkamm, wie eine vorn offene Krone. Um die Hüften haben sie ein bis etwa an die Knie reichendes Tuch oder nur einen stramm gebundenen Leinwandstreifen gewunden. Der Oberleib und die Füsse sind bloss. Die Frauen tragen um die Hüften einen auch die Füsse bedeckenden Rock, über den Oberleib entweder ein kreuzweise gelegtes Tuch oder ein kurzes, enges, weisses Leibchen und um den Hals bunte Ketten oder sonstigen Putz.
Einen zweiten Volksstamm bilden die Neger. Es sind dies kleine schwarze Gestalten mit gekräuselten schwarzen Haaren, auf welchen sie als Muhamedaner den Turban tragen. Der Muhamedanismus hat sich überhaupt in Asien und auf dem malayischen Archipel sehr viele Anhänger erworben.
Die Stadt Colombo macht mit den schönen, grossen Gebäuden an dem Hafen und in der Nähe desselben einen grossartigen Eindruck; hinter derselben stehen aber unzählige armselige, mit Stroh gedeckte Häuser und Hütten, und erst am Umfange der grossen Stadt stehen sehr viele schöne Villen inmitten herrlicher tropischer Gärten. Durch die Stadt ziehen in verschiedenen Richtungen elektrische Bahnen. Der Hafen von Colombo soll nun mit einem Aufwand von 24 Millionen Rupien = 19,200.000 fl. ö. W. vergrössert werden.
Das Grand Oriental-Hôtel ist recht gut. In dem sehr grossen, prachtvollen Speisesaal sind an den Wänden, etwa 4½ m hoch, acht Windmotoren angebracht, welche während der Mahlzeiten maschinenmässig in rasche Drehung versetzt werden, um die Luft in Bewegung zu setzen und dadurch Kühlung zu erzeugen. Diese Windmotoren haben 3 m im Durchmesser und besitzen vier schief gestellte, etwa ½ m lange und ⅓ m breite Löffel.
B. Eisenbahnfahrt von Colombo nach und Aufenthalt in Kandy.
Der Boden des ganzen Landestheiles von Colombo bis gegen das nordöstlich davon gelegene Kandy ist in den Thalniederungen und theilweise an den Lehnen für die Reiscultur planirt und eingedämmt. An den Lehnen sind hierzu mit staunenswerthem Fleiss und Sachverständniss die Felder stufenweise geebnet und hergerichtet worden, so dass die kleinen Dämme wie Horizontallinien auf einem Plane aussehen.
Die höher gelegenen Theile der Berge und Hügel sind mit Bäumen bestanden, und zwar zum grossen Theil mit Bambus, Cocusnuss- oder anderen Laubbäumen und Gesträuchern, die sich durch Dichtigkeit, intensives Grün und hie und da auch durch Pracht der Blüten auszeichnen. Auffallend ist es, dass die Stämme sämmtlicher Laubbäume nicht gerade, sondern sehr gekrümmt emporwachsen.