Da aber Sturm und Regen auch am 29. Mai Vormittags in unverminderter Weise fortdauerten, so war an kein Ausgehen zu denken, und ich benützte die Zeit nach dem um 8 Uhr eingenommenen reichen Frühstück, auf dem mir zur Disposition gestellten Schreibtisch mein Tagebuch fortzusetzen. Wenngleich das Wetter nach dem Tiffin nicht viel besser geworden war, da es nur zeitweilig zu regnen aufhörte, so machten wir, die Damen und die Herren, dennoch eine Ausfahrt in einem dort gebräuchlichen zweispännigen Wagen, welcher oben und seitwärts nach Bedarf mit wasserdichter Leinwand abgeschlossen werden kann. Wir fuhren in einem wunderschönen, mit Wald bedeckten Bergland längs eines ausgedehnten Gebirgsees nach dem 1½ Stunden entfernten Hackgalle Garden und ich entzückte mich an dem Ausblicke auf die umliegende herrliche Gegend. Besonders ragte dort der 6900 Fuss hohe Adamspeak hervor. Auf der Kuppe dieses Berges soll sich im Felsen eine Aushöhlung befinden, welche von den Christen als die Riesenfusspur von unserem Stammvater Adam und von den Heiden als jene des Buddha angesehen wird.

Der Hackgalle Garden wird von einem englischen Garten-Inspector sehr gut und schön gehalten, und es werden dort hauptsächlich europäische Pflanzen und Blumen gepflegt, welche aber theilweise bei dem dortigen Klima besser und stärker gedeihen als bei uns. Auch finden sich in dem ausgedehnten Garten einzelne Punkte, welche einen wunderbaren Ausblick auf die umliegende reizende Gegend gewähren. Mit Regenschirmen und Regenmänteln versehen, liessen sich auch die englischen Damen ungeachtet des strömenden Regens nicht abhalten, den Park zu besichtigen und blieben dabei heiter und guter Dinge.

Nach der Rückkunft in die Villa wurde wieder ein glänzendes Diner servirt und hierauf eine Whistpartie gemacht.

Am 30. Mai Morgens, als ich noch mit dem Ankleiden beschäftigt war, kam Herr Thomas zu mir, um mich aufzufordern, sofort mit ihm an einer eben stattfindenden Elkjagd theilzunehmen. Ich war natürlich gleich dazu bereit, wechselte rasch meine Kleider und wollte eben mein Gewehr und Munition auspacken, als Herr Thomas mir mittheilte, dass bei dieser Jagd nicht geschossen, sondern dass der Elk, ein mittelgrosser Hirsch, von Hunden gesucht, getrieben und gestellt und dann von dem Jäger mit dem Waidmesser gekillt wird. Natürlich war ich umsomehr erfreut, diese mir ganz fremde Jagdart kennen zu lernen.

Als wir, zur Jagd gerüstet, auszogen, waren die übrigen Jagdtheilnehmer und die ganze Hundemeute auf den Hängen des höchsten Berges in Ceylon, des 7500 Fuss hohen Pedroberges, schon weit vorgedrungen, und so musste ich mit Herrn Thomas auf diesen Berghängen, durch dichte Dschungeln, so rasch wie möglich vordringen, um rechtzeitig dorthin zu gelangen, wo die Hunde etwa einen Elk treiben oder denselben gar schon gestellt haben. Dieses Passiren von Dschungeln ist eine höchst anstrengende Arbeit, denn hier stehen Aeste, Zweige, kleine Stämmchen und Gestrüppe so dicht aneinander, dass man nur mit Gewalt durchzukommen vermag, ja manchmal, sich tief zu Boden neigend, durchschliefen, dann wieder einzelne Theile überspringen muss. Dabei war der Hang vom Regen aufgeweicht und rutschig, und es lagen auf dem Boden abgebrochene Aeste und gestürzte Stämme. Soll nun da rasch vorgegangen und auch gelaufen werden, so ist es selbstverständlich, dass man sich Hände und Gesicht blutig aufreisst und dass man auch zeitweise hinhaut. Das macht aber nichts. Die Jagdpassion ist erweckt und es geht mit Aufbietung der ganzen Kraft und mit Nichtbeachtung aller Unbilden lustig vorwärts. Nach dem wenigstens eine Stunde währenden Vorwärtseilen und Kämpfen gegen alle entgegenstehenden Beschwerlichkeiten erreichten wir die Gesellschaft und den Hundsmann, gingen nun mit diesem weiter vor, bis wir auf eine Blösse gelangten, auf welcher constatirt wurde, dass die Hunde nun keinen Elk mehr finden werden.

Wir kamen ganz durchnässt in die Villa und hier wurde mir auf Anordnung des Herrn Thomas gleich ein heisses Bad gerichtet, dessen Gebrauch mir ausserordentlich wohl that. Mein Ischias, welches sich noch zeitweilig fühlbar machte, hatte mir während und nach der Jagd keinerlei Schmerzen bereitet.

Der Nachmittag brachte eine ganze Reihe von Unterhaltungen. Vorerst fuhr ich mit Herrn Dumaresq-Thomas in eine Thee-Factorei, weil es mich sehr interessirte, die Bearbeitung des Thees kennen zu lernen. Es werden in geräumigen luftigen Sälen auf reihenweise übereinander gespannten Flanellagen die von den Theesträuchern abgenommenen Blätter gelegt und halb getrocknet. Dann gelangen diese halbgetrockneten Theeblätter in eine Maschine, welche dieselben zusammenrollt, und hierauf werden diese gerollten Blätter in einen Betrieb gebracht, in welchem dieselben mehr und mehr erhitzte Räume passiren. Nun wird dieser vollkommen getrocknete und hiermit fertige Thee noch maschinenmässig nach der Grösse sortirt, dann in sehr grosse Metallgefässe gepresst und schliesslich in die von England bezogenen Kisten verpackt. Da die jungen, kleinen Blätter einen höheren Werth haben als die alten grossen, so hat der Factorei-Besitzer auch eine Schneidemaschine zur Benützung gestellt, wo die zu grossen, schon gerollten Theeblätter in kleinere Formen geschnitten werden.

In der Factorei, in welcher ich war, werden in der trockenen Zeit täglich 3000-4000 Pfund, in der nassen Monsumzeit aber in drei Tagen nur 6000 Pfund Theeblätter verarbeitet. Hierzu will ich noch bemerken, dass man aus 4000 Pfund grünen Blättern etwa 1000 Pfund Thee erzeugt.

Dann besichtigte ich mit Herrn Thomas die anliegende Theepflanzung. Die ganz jungen, von Natur aus gerollten Blätter des Theestrauches liefern den besten Thee, je grösser und stärker aber die Blätter werden, um desto mehr vermindert sich der Werth des Thees. Der Theestrauch bringt kleine, weisse Blüten hervor; die Frucht, der Same ist grün und kugelförmig und hat etwa 1½ cm im Durchmesser. Dem Ansetzen der Frucht wird entgegen gearbeitet, weil fruchttragende Sträucher weniger Blätter ansetzen.

Von dieser Theeplantage fuhren wir in den Herrenclub, wo ich den Master der Elkjagd kennen lernte und von ihm eingeladen wurde, die am nächsten Tage, den 31. Mai, stattfindende Jagd, die letzte in dieser Saison, da am 1. Juni die Schonzeit eintritt, mitzumachen. Ich sagte mit Vergnügen zu. Dann machte ich dort mit Herrn Thomas eine Verlaufbillardpartie, welche ich respectabel verlor.