Sonach fuhren wir in ein anderes Clublocal, in welches auch Damen Zutritt haben, und in welchem sich die grossen Spielplätze für Fussball, Criquet, Croquet und Tennis befinden und auch ein Saal für das Balminsterspiel hergerichtet ist. Dort trafen wir verabredeterweise die Frau und die Schwägerin des Herrn Thomas, die auf Bicycles hingekommen waren. Wir spielten vorerst Balminster, eine Art Federballspiel über ein hoch gespanntes Netz, worin ich mich unter den anderen Spielern als Meister erwies. Dann spielten wir Croquet, wo ich aber aus dem Grunde weit zurückblieb, weil ich dieses Spiel schon seit 20 Jahren nicht mehr gespielt habe und an die dort eingeführten, sehr schweren Croquetschläger nicht gewohnt war. Ein plötzlich eintretender Monsum-Regenguss machte dem Spiele bald ein Ende. Tennis konnte des aufgeweichten Bodens halber nicht gespielt werden. Auf diese Weise war der Nachmittag recht unterhaltend vergangen. Wir fuhren heim. Da theilte mir Herr Thomas mit, dass in zwei Tagen in Colombo die Pferderennen beginnen, dass somit bei dem grossen Zuzug von Familien aus dem Innern des Landes das Hôtel überfüllt sein werde und dass er deshalb gleich an den österreichisch-ungarischen Consul telegraphiren wolle, mir ein Zimmer im Hôtel sicherstellen zu lassen. Auch dieser Vorfall zeigt, welche Aufmerksamkeit Herr Dumaresq-Thomas mir zuwendete.
Nach dem vortrefflichen Diner und einer kurzen Whistpartie ging ich bald zur Ruhe, da wir am anderen Tage schon um 6 Uhr frühstücken und um 6¼ Uhr Früh wegfahren mussten, um rechtzeitig bei dem Meet zu erscheinen.
Am 31. Mai langten wir ungeachtet des wieder eingetretenen schlechten Monsumwetters um 7 Uhr Früh zum Meet bei den Moonplains am Fusse der Patnasberge an. Die Moonplains sind in Ceylon dadurch berühmt geworden, weil unter den tiefen Wassertümpeln, die sich in dem kleinen Thale befinden, die sogenannten Mondsteine ausgegraben werden.
Einige Zeit später erschienen der Master der Jagd, sowie auch die Hundsmänner mit zwölf Koppeln (24 Stück) Hunde. Diese Hunde waren von verschiedenen Racen, und zwar vom Foxterrier bis zum Hirschhund. Die letztgenannten Hunde werden an der Kette geführt und erst dann losgelassen, wenn der Elk von den anderen Hunden gestellt worden ist. Dann stürzt sich der Hirschhund auf den Elk und haltet ihn fest, bis der Jäger denselben mit dem Waidmesser killt. Es sollen aber bei diesem Stellen und Killen des Elks schwere Verletzungen von Hunden nicht selten und selbst Todesfälle von Jägern vorgekommen sein. Der Elk ist, wie gesagt, ein Hirsch mittlerer Gattung, kommt im Geweih nicht über den Sechsender hinaus, ist aber sehr kräftig und zähe.
Die Hunde wurden nun losgekoppelt, erkletterten rasch die Lehne und eilten in die von dort aus sich weit auf- und abziehenden Dschungeln in der Suche nach einem Elk. Ich ging über Einladung des Jagdmasters mit demselben und auch Herr Thomas schloss sich uns an, während die übrigen Jagdtheilnehmer in verschiedenen anderen Richtungen den Hunden in die Dschungeln nacheilten. Auch wir erkletterten den Hang und drangen in die Dschungeln ein. Bald darauf hörten wir aus dem Laut der Hunde, dass dieselben einen Elk aufgestöbert hatten. Nun liefen wir, so schnell es in den Dschungeln bergauf und bergab gehen konnte, in einer Richtung vorwärts, in welcher wir den Elk anzutreffen hofften. Dann blieben wir zeitweilig an kleinen, dschungelfreien Stellen momentan stehen, um aus dem Laut der Hunde die Direction zu erkennen, in welcher der Elk weiter vorläuft; hierauf ging es wieder kopfüber in die Dschungeln hinein. Ich wurde von einer Art Jagdfieber ergriffen und kämpfte mich laufend durch die dichtesten Dschungeln durch, glitt auf dem nassglatten Boden aus, stolperte über liegende Aeste, zerkratzte mir Gesicht und Hände und fiel verschiedene Male gewaltig hin; doch beachtete ich dies kaum und lief nur dem vorauseilenden Master nach. Bald ging es vorwärts, bald nach rechts, bald nach links oder auch nach rückwärts, sowie es den Anschein hatte, dem Elk nahe zu kommen. Nachdem wir uns mühsam über eine Stunde in den Dschungeln durchgearbeitet hatten, wurden die Hunde nach und nach still, und dies bewies, dass sie den Elk momentan verloren hatten. Wir gingen nun wieder auf eine dschungelfreie Stelle, wo man aufrecht stehen konnte, um dort den weiteren Fortgang der Jagd zu erwarten. Da kam auch Herr Thomas zu uns heran, nachdem er sich im Verlauf der Jagd von uns getrennt und eine selbstgewählte Richtung eingeschlagen hatte, und erzählte, dass dort, wo er vorausgeeilt war, ein Elk auf ihn zugekommen sei, den er mit einem Seitensprung an sich vorbeitrollen liess, und dass er denselben hätte killen können, wenn er ein Jagdmesser bei sich gehabt hätte.
Nun ging ich mit Herrn Thomas, mich von dem Master trennend, in eine andere Richtung vor, wo nach Thomas' Meinung Aussicht war, dass ein Elk vorbeikommen werde. Nachdem wir etwa eine halbe Stunde bald dahin, bald dorthin geeilt waren, hörten wir plötzlich auf einer offenen Anhöhe, etwa 500 Schritte von uns entfernt, die Hunde im tollen Laufe Laut geben. Dort wurde also der Elk von den Hunden aus den Dschungeln herausgetrieben, und nun ging es mit Aufbietung aller Kräfte im Laufschritt hinauf auf die Höhe. Als wir dort anlangten, waren der Elk und hintendrein die Hunde schon über die Höhe und von dort auf die jenseitige bewaldete Anhöhe gelaufen. Also jetzt vorwärts längs der Lehne, dann hinunter in das Thal, dort durch morastigen Grund bis an die an der jenseitigen Lehne sich hinziehende Strasse. Das war eine harte Arbeit. Herz und Lunge pochten und keuchten zum Zerspringen, und der Schweiss rann in Verbindung mit dem Wasser des strömenden Regens gemeinsam herab. Auf der Strasse fanden wir den Master und noch andere Jagdtheilnehmer, mit welchen besprochen wurde, die Jagd auf dem vorliegenden Berge fortzusetzen. Es ging also wieder hinauf und oben kreuz und quer, und dort begegneten wir einem Jagdgenossen, welcher einen der Hirschhunde an der Kette mit sich führte. Es schien aber, dass die Jagd zu Ende gehen werde, weil in keiner Richtung mehr ein Lautgeben der Hunde zu vernehmen war. Und so stiegen wir jenseits des Berges wieder thalab, bis zu der dort befindlichen Strasse, wo wir dann einen grossen Theil der Jagdtheilnehmer antrafen. Die Hunde hatten die Spur des Elks verloren und so musste die Jagd nach mehr als dreistündiger Dauer resultatlos geschlossen werden.
Herr Dumaresq-Thomas liess nun die auf der Strasse der Jagd beiläufig nachgefolgten Rikschas herbeiholen, und wir fuhren, nachdem ich noch dem Master meinen Dank für seine Einladung ausgesprochen hatte, heimwärts. Lange aber hielten wir das Fahren nicht aus, denn bei unserer totalen Durchnässung wurde uns zu kalt, und so stiegen wir aus und gingen noch 4 oder 5 km bis zum Astley-House zu Fuss. Dort thaten mir ein tüchtiger Schluck heissen Wassers mit Whisky, ein heisses Bad, tüchtiges Frottiren und frische Kleidung ausserordentlich gut, so dass ich mich dann voll Wohlbehagen fühlte.
Nach dem Tiffin machte ich mit den Damen noch eine nette Whistpartie und nach dem Diner rüstete ich mich zur Abreise. Der liebenswürdige Herr Dumaresq-Thomas begleitete mich bis nach Colombo.
Drei Tage habe ich in dem Hause des Herrn Thomas geweilt und hier das erste Mal das innere Leben einer englischen Familie kennen gelernt, und davon bin ich geradezu entzückt. Ein wahrlich guter Ton, ein ruhiges, heiteres Wesen und angenehme Umgangsformen breiten über das Haus ein einnehmendes und anmuthiges Wesen aus. Die Frau des Hauses besorgt ohne Unterlass den ganzen Tag in friedfertiger Ruhe die Haushaltung, sie lehrt und überwacht ihr Gesinde, controlirt die Einkäufe, leitet die Mahlzeiten u. s. w. Nachmittags sitzen die Damen in traulicher Weise bei einander und sind an der Anfertigung ihrer Toiletten u. s. w. beschäftigt, und Abends nach dem Diner vereinigt eine gemüthliche Whistpartie die Familienmitglieder. Dabei ist die Frau des Hauses stets von Anmuth und liebenswürdiger Heiterkeit erfüllt. Der Herr des Hauses ist immer zuvorkommend und sehr artig, und erfüllt im Uebrigen seine Functionen in Bezug auf seine Besitzungen und als Repräsentant seines Hauses. Die Tage, welche ich im Astley-House auf der paradiesischen Insel Ceylon zugebracht habe, gehören zu den schönsten Momenten während meiner fünfmonatlichen Reise.