„Danke,“ sagte sie. „Ich fahre nur nach Balogne, von dort aus will ich nach Quesdon. Dahin finde ich wohl einen Wagen.“
„Man geht eine Stunde zu Fuß bis an die Dünen,“ sagte der Herr.
„Ach, das Meer!“ rief sie. Sie hatte bisher nicht daran gedacht, daß sie es sehen sollte. Der Fremde lächelte. Sie sah erst jetzt, wie klug und ernst er aussah. Schwermut lag hinter weltmännischer Haltung verborgen, ein fast düsterer Blick, anders als Givos wissendes Schauen betrachtete sie, das neugierige flammende Auge eines Künstlers.
„Sie haben in Louvais übernachtet, darf man fragen, wo? Ich habe im besten Gasthof geschlafen. Sie waren nicht dort, wie schade! Sie sind ja fremd hier, eine Ausländerin, wie ich vermute.“
„Ich schlief bei den Ursulinerinnen in Louvais.“ Wieder lächelte er, aber unmerklich, schon mit der Absicht, sie nicht zu verletzen.
„Wie schade, daß Sie nach Quesdon fahren, ich reise nach Paris. Wie hübsch wäre es gewesen Ihnen Gesellschaft leisten zu dürfen. Sie haben den bessern Teil erwählt. Jetzt ist es schön am Meer. Ich komme von Etretat und spüre noch seinen Hauch in der Seele. Wäre ich doch dort geblieben, aber ich bin voll Unrast, mich jagt es umher, es jagt, es kreist —. Unzählige Briefe erwarten mich, Verabredungen, Korrekturbogen, meine Verleger, mir graut davor —.“ Er sprach es wie zu sich selbst. Und wie in plötzlicher Nervosität: „Francois, wir haben vergessen, unsere Goldfische zu füttern.“
Arabella sah plötzlich in der morgenhellen Landschaft nur seine düster flammenden Augen, diesen dennoch warmherzigen und gequälten Blick, hinter dem es noch wie Erinnerung an Schönheit und Lebensfreude aufzuckte. Sie empfand Mitleid mit der Unrast, die sie aus seinen Nerven knistern fühlte. „Sie sind krank?“ fragte sie. „Sie sollten Ruhe suchen.“ Ein Ausstrahl ihres Herzens war in ihrer Stimme.
„Ja,“ sagte er. „Ich bin müde, müde. Und man quält mich? Wenn Sie in Paris sind, rufen Sie mich zu sich, kleine Fremde. Ich spare Ihnen eine freie Stunde.“ Er reichte ihr seine Karte: Guy de Malpasse.
„Der Dichter?“ fragte sie.
„Um Gotteswillen, ja,“ sagte er. „Sie haben doch nichts von mir gelesen?“