„Sprich das Wort nicht aus, es hat einen falschen Klang. Ist es denn Sünde, wenn man beglückt?“

„Es hätte dir richtig geklungen, wenn dich jener erste Mann nicht, wie sagtest du doch — deiner Dummheit überlassen hätte. Daran wurdest du klug und —“

„Warum hältst du inne?“

„Eine Erinnerung kam mir. Komm mit mir, willst du?“ sagte er plötzlich wild ausbrechend. Sie sprach nicht mehr, sie schmiegte sich an ihn, saugte seinen Blick in ihr Auge.

„Erwarte mich,“ lispelte sie und ging, noch immer nach ihm zurückstarrend. In ihr Zimmer drang ihr noch Festlärm nach. Es war spät in der Nacht. Der Graf war schon zur Ruhe gegangen. Sie nahm leise den Pelz. Nun lief sie zu dem, der im Vestibule ihrer harrte.

„Du zauberst?“ sagte er. „Wohin bist du verschwunden? Schon fürchtete ich, nach deinem Schuh suchen zu müssen, dich wiederzufinden.“ Er legte den Arm um sie, rief nach einem Wagen. Er fuhr sie zu seiner Wohnung am englischen Garten.

„Jetzt darf ich dich sehen,“ bat er in der ersten Umarmung.

„Nein, laß, morgen früh. Mach dunkel jetzt!“ befahl sie. „Rasch, ich verbrenne.“

Als er des Morgens erwachte, erkannte er sie im Dämmerlicht. Sie schlug die Augen auf und lächelte. Er sah fern den Strand, ihr Kindergesicht mit den klaren Augen, die zu ihm aufstrahlten, er hörte ihr Geplauder. Todernst sah er sie nun an. Es schien ihr, als feuchtete sich sein Auge. Er wollte sprechen, aber sie scherzte nur. Einen Augenblick dachte sie: Es war eine gute Nacht. Konnte es nicht so bleiben, ein neues Leben beginnen? Sie würden Kinder haben, ernste Seemannskinder. Und auch er dachte es. Aber die Wirklichkeit sah aus einem silbernen Rahmen unter einem schwarzen Spitzenhäubchen mit strengen Augen zu ihnen herüber. Die Mütter! Die Mütter, sie kreuzten den Weg der Mutterlosen.

„Einen hübschen Ausblick hat deine Wohnung,“ sagte Vögelchen und warf die Decke zurück. „Nun aber heißt es, rasch Toilette machen. Mein Graf wird schon unruhig sein. Ich werde dich nicht wiedersehen. Wir reisen bald.“