Am 21. August trat er die Rückreise an, und am 1. Oktober bezog er bei einem Ort, den er Nukarbik nennt (jetzt Imarsivik auf dem 63° 22′ N. Br.) sein Winterquartier. Den Winter verbrachte er unter Krankheit und großen Entbehrungen. Als der Frühling kam, hatte er indessen den Muth nicht verloren, sondern machte am 5. April einen neuen Versuch, in nördlicher Richtung vorzudringen. Am 25. Juli mußte er jedoch nach den unglaublichsten Widerwärtigkeiten abermals umwenden, ohne so weit gelangt zu sein wie im vorhergehenden Jahre.

Am 16. Oktober langte er endlich in Frederikshaab an, nachdem er viel erduldet hatte.

Die Frucht dieser merkwürdigen Reise waren gute Aufklärungen über die Ostküste Grönlands bis an den 65. Breitengrad. Ueberreste von Nordländern oder Ruinen von ihren Häusern fand Graah dagegen auf der ganzen von ihm bereisten Strecke nicht, und damit schien die Unmöglichkeit nachgewiesen, daß Österbygden an der Ostküste gelegen haben könne. Das Einzige, was Graah an europäischen Ueberresten fand, war eine Kanone, die bei Koremiut im Uarket Fjord auf dem 61° 17′ N. Br. gefunden worden war. Diese muß wahrscheinlich von irgend einem Schiff herstammen, das im Eise gescheitert und an der Küste entlang getrieben ist.

Eine Nordländer-Ruine wurde indessen von dem Herrnhuter Missionär Brodbeck im Jahr 1881 bei Narsak auf der nördlichen Seite des Lindenow-Fjords oder Kangerdlugsuatsiak (auf dem 60° 30′ N. Br.) gefunden, wohin er in einem Frauenboot eine Reise unternahm, also die dritte uns bekannte Reise an der südlichen Ostküste von Grönland. Es ist dies die einzige Nordländer-Ruine, von der man an der Ostküste weiß. Uebrigens hatte Giesecke, der die Grönländer davon hatte erzählen hören, bereits im Anfang des Jahres darüber berichtet.

Die letzte Reise an dieser Küste entlang ist die dänische Frauenboot-Expedition unter Leitung von G. Holm, Kapitän in der dänischen Marine. Sie währte 3 Jahre, von 1883-85, und war ebenso wie Graahs Expedition vom dänischen Staat ausgesandt worden. Sie bildete einen Theil der seit 1876 fortgesetzten „geologischen und geographischen Untersuchungen in Grönland“.

Die Expedition, die außer dem Führer, aus den Dänen Marinelieutenant Garde, dem Nächstkommandirenden, Peter Eberlin, einem Botaniker und Geologen, dem norwegischen Geologen H. Knutsen, sowie zwei dänischen Grönländern, den Gebrüdern Petersen, die als Dolmetscher fungirten, bestand, wurde in Frauenbooten mit grönländischer, meist aus Frauen bestehender Besatzung unternommen. Infolge der früheren Expeditionen hatte sich allmählich die Ueberzeugung, daß dies die einzige Art und Weise sei, wie man die Ostküste Grönlands bereisen könne, bei den dänischen Grönlandsfahrern eingebürgert.

Im ersten Sommer erreichte die gesammte Expedition mit 4 Frauenböten und 10 Kajaks zu Anfang August Iluilek an der Ostküste (60° 52′ N. Br.). Hier wurde ein Depot für das folgende Jahr zurückgelassen, und am 10. August trat man abermals die Heimreise nach Nanortalik, westlich von Kap Farvel, dem Standquartier der Expedition an, wo überwintert wurde.

Im nächsten Jahr (1884) trat man die Reise an der Küste entlang mit 4 Frauenböten und 7 Kajaks an (im ganzen 31 Menschen außer den 6 Europäern). Ein Theil der Besatzung wurde am 18. Juli von Karra akungnak aus wieder nach Hause gesandt.

Am 28. Juli erreichte man Tingmiarmiut. Von hier aus kehrte die Hälfte der Theilnehmer der Expedition unter Leitung von Lieutenant Garde nach Nanortalik zurück, auf dem Wege Untersuchungen vornehmend.

Kapitän Holm mit dem übrigen Theil der Expedition, bestehend aus H. Knutsen und dem Dolmetscher Johan Petersen, sowie 2 Grönländern und 6 Grönländerinnen und in 2 Frauenböten vertheilt, verließ am 30. Juli Tingmiarmiut und zog gen Norden weiter, an der Küste entlang. Am 25. August kamen sie zu Graahs nördlichstem Punkt auf der Dannebrogs-Insel, also einen ganzen Monat später als dieser.