Aussicht gegen Norden von unserem Schlafplatz an Kangerajuk.
(Nach einer Photographie.)

Auf einer kleinen Insel Kekertarsuatsiak vor dem Krumpensfjord, wo wir unser Mittagsessen verzehrten, begab ich mich auf den Gipfel, der sehr hoch war und von wo ich eine köstliche Aussicht über das nördliche Fahrwasser hatte, das offen und fast ganz frei von Treibeis zu sein schien, wenigstens so weit das Auge reichte, bis nach Umivik. Gletschereis und Eisberge waren ziemlich zahlreich vorhanden, besonders vor dem Gyldenlöves-Fjord und der Kolberger-Heide schienen viele Eisberge zu liegen. Die hohen Berge bei Umivik, besonders der kegelförmige Kiatak, der unser Ziel war, schienen ganz nahe zu liegen, doch mußte die Entfernung nach der Karte noch sieben Meilen betragen. Dies verschwieg ich den Gefährten, welche glaubten, daß wir noch vor Hereinbruch der Nacht dorthin gelangen könnten, weswegen sie aus Leibeskräften ruderten.

Wir segeln am letzten Tage unserer Seereise. 10. August.
(Von B. Bloch nach einer Augenblicks-Photographie.)

Am Abend gelangten wir an eine Landzunge, Kangerajuk an der Kolberger-Heide, wo sich zwischen zwei mächtigen Gletschern ein wenig freies Land befand (64° 4′ N. Br., 40° 34′ W. L.). Hier konnten wir unsere Böte heraufziehen, einen Platz für unser Zelt fanden wir jedoch nicht, weswegen wir uns wie in der vorhergehenden Nacht in unseren Schlafsäcken an zwei Stellen hinlegten, wo wir gerade genügende Fläche fanden, um liegen zu können. Da während der Nacht starker Thau fiel, war unser Schlaf von ziemlich feuchter Beschaffenheit, — von den Gletschern herab und von den vielen Eisbergen rings um uns her ertönte ein ununterbrochenes Getöse, das durch Hinausgleiten und Zusammenstürzen des Eises hervorgerufen wurde.

Früh am nächsten Morgen — den 10. August — wurde ich durch einen Raben geweckt, der mir von einem Bergkamm gerade über uns einen Morgengruß zusandte, und da der herrliche Sonnenschein zu verlockend war, schleiche ich ganz unbemerkt aus dem Sack und mache eine photographische Aufnahme von der Landschaft, einen mächtigen vorspringenden Arm des Gletschers auf der Kolberger-Heide im Hintergrunde und meine beiden Schlafgenossen, Sverdrup und Dietrichson, noch in tiefem Schlummer im Vordergrunde. Ich hoffe, sie werden es mir verzeihen, daß sie auf diese Weise, ohne es zu wissen, auf ihrem keuschen Lager liegend dargestellt werden. In der Ferne erblickt man auf dem Bilde den kegelförmigen Kiatak.

Wir hatten das herrlichste Wetter und ganz eisfreies Fahrwasser, das beste, das uns bis dahin vorgekommen war; mit schneller Fahrt ging es nun unserem Ziel entgegen. Unser Mittagsmahl nahmen wir auf höchst angenehme Weise ein, indem von Süden her eine schwache Brise wehte, so daß wir unsere Segel aufsetzten und uns Muße zum Essen lassen konnten. Ich bin niemals auf einen Felsen zugerudert, der mir so hartnäckig vorgekommen ist, wie dieser Kiatak — 800 m hoch. Wir hatten ihn nun zwei Tage lang gesehen und doch schien er uns noch immer gleich fern zu liegen. Mit Hülfe von Rudern und Segeln schienen wir ihn jedoch endlich bewältigen zu sollen, aber da kam der Seenebel. Ehe alles um uns her verhüllt war, waren wir aber so nahe herangekommen, daß wir sehen konnten, wo wir landen mußten, und unser Peilen mit dem Kompaß aufnahmen.

[77] Oben auf dem Gipfel dieses Vorgebirges fand ich ein niedergerissenes Bauwerk, aus einigen quer übereinanderliegenden Steinen bestehend, die einen länglichen Raum bildeten. Obwohl die Fuchsfallen der Eskimos in der Regel nicht ganz in dieser Weise gebaut werden, glaube ich doch, daß dies die Trümmer einer solchen waren.

[78] Die große Insel, die auf Holms Karte angeführt ist, ist nicht eine einzige Insel, sondern eine schmale Meerenge theilt sie in zwei Inseln, von denen die äußere die kleinere ist.