Schlitten der Expedition.

Das Gewicht eines jeden Schlittens ohne die Stahlschienen betrug ungefähr 11,5 kg; mit den Stahlplatten unter den Schienen 13,75 kg. Außer diesen dünnen Stahlplatten war an der Mitte jeder Schiene auf der Innenseite eine schmale, viereckige Stahlstange angebracht, die als eine Art Kiel dienen und bei hart gefrorenem Boden die Schlitten steuern und sie am Schleudern verhindern sollte, welches Letzteres von großer Wichtigkeit ist, wenn man sich über Eisgletschern mit Spalten hinbewegt, wo ein Schlenkern des Schlittens leicht ein Verschwinden in der Tiefe zur Folge haben kann, — und in einem solchen Falle kann man froh sein, wenn man nicht mit in den Abgrund hinabgerissen wird.

Diese Stahlstangen leisteten uns, so lange sie festsaßen, vorzügliche Dienste, da sie aber bei den heftigen Bewegungen der Schlitten auf dem unebenen Terrain in der Nähe der Küste vielen Stößen ausgesetzt waren, wurden sie bald abgerissen, — besonders geschah letzteres, sobald wir in die Kälte hinaufkamen, wo der Stahl so zerbrechlich wurde wie Glas.

Bei künftigen Expeditionen wäre deshalb ein Kiel unter den Schienen, falls man einen solchen benutzen will, auf andere Weise anzubringen, als wir es gethan hatten. Am stärksten würden solche Kiele natürlich sein, wenn sie mit den Stahlplatten aus einem Stück gearbeitet wären, dadurch würden diese aber den Vorzug verlieren, den unsere hatten, nämlich daß sie abgenommen werden konnten, wenn man sich ihrer nicht bedienen wollte.

Wie es aus der Zeichnung hervorgeht, befand sich in der Mitte der Oberfläche der Schienen ein längslaufender Rücken, der ihnen, die des Gewichts halber natürlich dünn waren, die nöthige Steifigkeit und Elastizität gaben.

Die Schlitten waren darauf berechnet, je von einem Mann gezogen zu werden, da es aber bei schwierigem Terrain am richtigsten ist, einen Mann vorauszuschicken, um den besten Weg ausfindig zu machen, ohne daß die Expedition deswegen Halt zu machen braucht, und da es gleichzeitig am schwersten ist, im losen Schnee voranzugehen, so finde ich es am zweckmäßigsten, wenn der erste Schlitten von zwei Männern gezogen wird. Aus diesem Grunde hatten wir nur fünf Schlitten mitgenommen.

Welch ein Vortheil es ist, so viele kleinere Schlitten zu haben statt weniger großer, wie die meisten früheren Expeditionen, scheint mir auf der Hand zu liegen.

Bei schlechtem Terrain, wo man nur mühselig vorwärts kommt, ist es schwer, die großen Schlitten mit ihrer schweren Last zu handhaben, ja bei unserer Expedition würde es oft geradezu eine Unmöglichkeit gewesen sein, ohne sie abzuladen und die Bagage zu tragen, während wir, wenn wir zu Zweien oder Dreien den Transport eines unserer kleinen Schlitten übernahmen, überall hindurch kommen konnten, ohne umzupacken oder abzuladen. Zuweilen waren wir gezwungen sie ganz und gar, so wie sie waren, zu tragen.

Das Verwandeln unserer Schlitten in Segelschlitten, was mehrmals geschah, ging ohne weiteres vor sich, indem wir zwei oder drei Schlitten nebeneinander stellten und vermittelst einiger Schneeschuhe oder Stäbe zusammenbanden und festschnürten, dann errichteten wir einige eigens dazu mitgebrachte Bambusrohre als Masten. Als Segel benutzten wir unsern Zeltfußboden oder zwei Persenninge. Wenn wir die Schlitten dann mit einer vorn angebrachten Steuerstange — ähnlich einer Wagendeichsel — von Bambusrohr lenkten, so konnten wir auf diese Weise ganz gut segeln. Wenn man bei einer Ausrüstung speciell diesen Punkt ins Auge fassen würde, konnte man sich natürlich noch bedeutend praktischer und zweckmäßiger einrichten, als wir es gethan hatten. Meiner Ansicht nach muß dieser Art und Weise der Beförderung — die auf dem grönlandischen Inlandseis zuerst von dem Amerikaner Peary angewandt wurde — bei künftigen Expeditionen weit mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als bisher. Besonders dürfte es für die Untersuchung des antarktischen Kontinents von Bedeutung werden.

Für eine Expedition wie die unsere ist selbstverständlich die Konstruktion der „Ski“ von ebenso großer Wichtigkeit wie die der Schlitten. Da ich aber im nächsten Kapitel unsere Ski eingehender besprechen werde, so will ich vorläufig nur darauf hinweisen. Außer den „Skiern“ führten wir auch indianische Schneeschuhe und norwegische Truger mit uns.