Der gewöhnliche Fehler bei den Schlitten der verschiedenen Expeditionen bestand darin, daß sie zu schwer und zu klotzig gebaut und viel zu groß waren. Wenn man dazu in Betracht zieht, daß sie gewöhnlich viel zu schmale Schienen hatten, so wird es leicht zu verstehen sein, daß sie tief in den Schnee einsanken und oft nur mit größter Schwierigkeit vorwärts zu bewegen waren. Einzelne Expeditionen gebrauchten wohl die in Amerika üblichen toboggans, die aus einem einzigen, vorn erhöhten Brett bestehen. Sie sind gewöhnlich aus Birkenholz oder dergl. und haben eine Länge von 2,5 m und eine Breite von 46 cm oder mehr.

Wir finden diese Schlitten schon im Anfange unsres Jahrhunderts zu Expeditionen benutzt, — beispielsweise führte Franklin solche auf seiner ersten Expedition mit sich. Der englische Reisende Dr. Rae und nach ihm Greely wandten ähnliche, auf beiden Seiten mit ganz schmalen und niedrigen Schienen versehene Schlitten an. Es ist ganz selbstverständlich, daß diese Schlitten sich bei losem Schnee gut auf der Oberfläche halten und sich zu einer solchen Bahn vorzüglich eignen, wenn aber der Schnee ein wenig härter ist, geben sie doch eine zu starke Reibung und sind dann schwer zu ziehen.

Auf den Gedanken, die Schlitten auf breite Schienen zu stellen, sind merkwürdigerweise nur sehr wenige Expeditionen gekommen.

Payer sagt freilich in seinem Buch über die österreichisch-ungarische Expedition, „daß breite Schlittenschienen den Marsch durch tiefen Schnee sehr erleichtern“. Er meint damit Schienen von 2¾ Zoll Breite, — was für uns Norweger etwas ganz Natürliches ist, da wir von alten Zeiten her an die „Skikjälker“ gewöhnt sind. Es sind dies kleine Schlitten, die auf breiten, den Schneeschuhen (Ski) ähnlichen Schienen ruhen und in vielen Gegenden Norwegens von den Schneeschuhläufern sowohl im Walde wie im Gebirge angewendet werden, um Lasten wie Heu, Holz und dergl. zu befördern. Sie werden an einem Seil gezogen, aber durch eine an der Seite befestigte Stange gelenkt, was sehr wichtig ist, um die „Kjälker“ zu verhindern, die Schneeschuhläufer zu überfahren, wenn es in sausender Fahrt den Berg hinabgeht. Die „Skikjälker“ sind über Schweden und Finnland bis nach Sibirien hin verbreitet.[5]

Dieser Kjälke schwebte mir bei der Konstruktion des Schlittens vor, der von uns zur Anwendung gelangte. Derselbe verband die Eigenschaften, die bei einem Schlitten als die wichtigsten betrachtet werden müssen, — er war stark, leicht, hielt sich gut auf der Oberfläche und glitt leicht über den Schnee hin, gleichviel wie derselbe beschaffen war. Außer den norwegischen „Kjälkern“ hatte mir auch der Schlitten vorgeschwebt, der in der Greely-Expedition beschrieben war und dessen sich die Expedition bediente, welche ausging, um Greely zu suchen.[6]

In dem Tischler Christiansen, jetzt in Naes in Telemarken ansässig, fand ich einen tüchtigen und gewissenhaften Mann für die Anfertigung der Schlitten. Er sparte nichts, um meinen Wünschen nachzukommen und das ausgesuchteste Material zu verschaffen. Erst nach zahllosen Aenderungen und Versuchen, — u. a. auf einer Reise über das Gebirge von Bergen nach Kristiania, — entschloß ich mich für die Form, welche wir dann später benutzten.

Alles Holzwerk mit Ausnahme der Schienen war von Eschenholz und aus so zähen Stücken wie nur möglich. Da auserlesenes Eschenholz bekanntlich ein außerordentlich starkes Material ist, konnte das Obergestell der Schlitten sehr leicht und dünn angefertigt werden, ohne doch schwach zu werden.

Die Schienen waren an einigen Schlitten aus Ulmenholz verfertigt, an anderen aus Ahorn, — welche beide Holzarten sich vorzüglich durch ihre Glätte auf dem Schnee auszeichnen. In der Beziehung war es freilich einerlei, woraus sie gemacht waren, denn die Schienen waren mit dünnen Stahlplatten beschlagen, die ich abzunehmen dachte, sobald wir auf losen Schnee kämen, die jedoch mit einer einzigen Ausnahme während des ganzes Weges benutzt wurden.

Folgende [Zeichnung] giebt wohl eine so anschauliche Vorstellung von dem Bau der Schlitten, daß jede weitere Beschreibung überflüssig ist. Es waren gar keine Nägel verwendet worden, alles Zusammenfügen war vermittelst Sorring bewerkstelligt, was den Schlitten elastischer macht, so daß er bei Stößen u. dergl. nachgiebt, wo Nägel in der Regel herausfallen. Die Folge hiervon war auch, daß auf der ganzen Reise nicht das Geringste zerbrochen wurde. Die Länge der Schlitten betrug ungefähr 2,90 m und die Breite etwa 0,50 m. Maß man die Schienen an der Unterseite von einer Spitze zur anderen, so betrug ihre Länge 2,89 m, während die Breite 9,5 cm betrug. Daß sie sowohl hinten wie vorne in die Höhe gebogen waren, gab dem Schlitten eine größere Stärke und Elasticität, und gewährte gleichzeitig den Vortheil, daß man ihn, falls das Vordertheil auf irgend eine Weise beschädigt werden sollte, umwenden und das hintere Ende als Vordertheil benutzen konnte. Die in die Höhe stehende Rücklehne, die man auf der Zeichnung erblickt, war aus einer gebogenen, dünnen Eschenstange gemacht. Sie erwies sich sehr praktisch zum Lenken und Schieben des Schlittens auf schwierigem Terrain, wo eine Person nicht ausreichte, um einen Schlitten vorwärts zu bewegen.