ei Expeditionen von einer Natur, wie die, von welcher hier die Rede ist, hängt selbstverständlich ein glücklicher Ausfall im wesentlichen von der Ausrüstung ab; ja in diesem besonderen Fall würde das Leben der Theilnehmer aufs Spiel gesetzt, wenn die Ausrüstung nicht so war, wie sie sein sollte. Ein Nagel oder eine Fuge, die ihren Zweck nicht erfüllen, können die ganze Expedition aufhalten, ja die allerernstlichsten Folgen nach sich ziehen. Jede noch so kleine Einzelheit muß gewissenhaft geprüft werden, und man darf weder Veränderungen noch Umstände scheuen, bis alles so vollkommen wie möglich ist. Das Ganze erfordert die bedachtsame Ueberlegung einer langen Reihe von Bagatellen, von deren Summe aber der Erfolg abhängig ist; es kann schwerlich zu viel Gewicht darauf gelegt werden. Viele der früheren Expeditionen sind meiner Ansicht nach zu leicht über diesen Punkt hinweggegangen.

Wie bereits erwähnt, war es ursprünglich meine Absicht, falls dies ausführbar sei, Hunde oder Rennthiere zum Ziehen zu benutzen. Der hierdurch entstehende Vortheil ist begreiflicherweise kein geringer, sobald man die Thiere erst glücklich an der Stelle hat, von wo aus die Schlittenfahrt ihren Anfang nehmen soll. Es ist von vielen erfahrenen Männern gesagt worden, daß sich Zugthiere nicht zu langen Schlittenexpeditionen eignen, da die Thiere — sowohl Hunde wie Rennthiere — nur Proviant für sich selber in einem bestimmten Zeitraum ziehen können. Ich verstehe indessen dies Raisonnement nicht, — kann man die Thiere nicht den ganzen Weg benutzen, so steht man sich immerhin gut dabei, sie so lange wie möglich zu benutzen und dann zu schlachten.

Hat man eine genügende Anzahl Thiere — Rennthiere oder Hunde — und nimmt man so viel Proviant für sie mit, wie sie neben der übrigen Ausrüstung der Expedition ziehen können, so kann man mit ihrer Hülfe schnell vorwärts kommen, ohne sich wesentlich anzustrengen. Gleichzeitig hat man den Vortheil, daß man — indem man die Thiere nach und nach schlachtet — sich beständig frisches Fleisch zu verschaffen in der Lage ist. Auf diese Weise bedarf man auch keines so umfangreichen Proviants für sich selber, wie dies sonst nothwendig sein würde. Wenn man dann endlich gezwungen ist, die letzten Thiere zu schlachten, muß man voraussichtlich ein gutes Stück vorwärts gekommen sein, ohne an seinen eigenen Kräften zu zehren; nebenbei hat man den Vortheil, sich die ganze Zeit hindurch an frischem Fleisch satt essen zu können, was von großer Bedeutung ist, da man die Reise nun mit ungeschwächten Kräften fortzusetzen vermag. Mancher wird einwenden, daß dies nicht der Fall sein kann, wenn es sich um Hunde handelt, darauf kann ich aber nur antworten, daß ich aus Erfahrung weiß, welch guter Koch der Hunger ist, und daß Hundefleisch durchaus nicht unschmackhaft ist, — die Eskimos halten es sogar für einen Leckerbissen, — und daß Derjenige, der es unter Umständen wie den hier obwaltenden, nicht zu essen imstande ist, sich nicht als Theilnehmer einer Expedition dieser Art eignet.

Hätte ich gute Schlittenhunde auftreiben können, so würde ich sie unbedingt mitgenommen haben. Die Hunde haben nämlich den großen Vortheil vor den Rennthieren, daß sie bedeutend leichter zu transportiren und nicht schwer zu füttern sind, sie ernähren sich von demselben Proviant wie wir, während die Rennthiere ihren eigenen Proviant haben müssen, der im wesentlichen aus Rennthiermoos besteht, und umfangreich und schwer ist. Es war mir indessen nicht möglich, in der kurzen Zeit, die mir zugemessen war, brauchbare Hunde aufzutreiben, deswegen mußte ich den Gedanken aufgeben. Dann dachte ich an Rennthiere, schrieb deswegen nach Finnmarken, versah mich sogar in Röros mit Rennthiermoos. Aber dann stellte es sich heraus, daß mit ihrer Verfrachtung große Schwierigkeiten verbunden waren, und daß es noch größere Schwierigkeiten machen würde, sie in Grönland an Land zu schaffen. Ich gab deshalb auch die Rennthiere auf und hielt mich nun ausschließlich an die Menschen.

Wenn man jedes Stückchen Brot, welches man essen will, selbst ziehen muß, da ist es ganz natürlich, daß man alles so leicht wie möglich einzurichten sucht; der Proviant, die Geräthschaften, die Kleidung, alles muß auf das geringste Minimum reduzirt werden. Wenn man mit einer solchen Ausrüstung beschäftigt ist, so kommt man schließlich ganz unbewußt dazu, den Werth aller Dinge nach ihrem Mangel an Gewicht zu berechnen, ja selbst wenn es sich nur um ein Taschenmesser handelt, kommt es vor allem darauf an, daß es leicht ist. Man muß sich aber auch hüten, in der Jagd nach Leichtigkeit allzuweit zu gehen, — die Geräthschaften müssen stark sein, denn sie sollen manche harte Probe bestehen. Die Kleidung muß warm sein, Niemand weiß, wie kalt es wird, und der Proviant muß nahrhaft sein und aus verschiedenen Nahrungsmitteln in passendem Verhältniß bestehen, denn uns steht ein schweres Stück Arbeit bevor, weit schwerer als es sich wohl einer der Theilnehmer träumen läßt.

Aufbruch am Morgen auf dem Inlandseise.


GRÖSSERES BILD

Das Wichtigste bei einer Schlittenexpedition ist natürlich der Schlitten. Da im Laufe der Zeiten, besonders von England aus, so viele Schlittenexpeditionen nach den arktischen Regionen veranstaltet sind, so sollte man annehmen, daß der Schlitten auf Grund der auf diese Weise gewonnenen Erfahrungen einen hohen Grad der Entwickelung angenommen haben müsse. Das ist nun freilich nicht der Fall, und man kann sich nicht genug wundern, daß Expeditionen so neuen Datums, wie z. B. die zweite deutsche Nordpolexpedition 1869-70 (nach der Ostküste von Grönland), die österreichisch-ungarische Nordpolexpedition 1872-74 (nach dem Franz Josef-Land) oder selbst die große englische Nordpolexpedition unter Nares 1875-76 (nach dem Smith Sund) mit so großen, klotzigen, unzweckmäßigen Schlitten ausgerüstet wurden, wie dies der Fall war. Weit besser stand es in dieser Beziehung mit den beiden letzten amerikanischen Expeditionen (1881-84) und derjenigen, die im Jahre 1884 unter Schley und Soleys Leitung zu Greelys Entsatz ausgesandt wurde.