Um ein zweckmäßiges Boot zu erhalten, das leicht genug war, um über das Meereis gezogen zu werden, und dabei doch stark genug, um die vielen Stöße aushalten zu können, denen es zwischen den launenhaften Treibeisschollen ausgesetzt sein würde, — ließ ich ein besonders für diesen Zweck berechnetes in Kristiania bauen.

Die ganze Länge des Bootes betrug 5,96 m, die größte Breite 1,88 m, die inwendige Tiefe 0,63 m. Die Vertäfelung des Bootes bestand aus einer doppelten Haut, von denen jede 10 mm dick war, und einer Zwischenlage von dünnem Segeltuch. Die innere Vertäfelung bestand aus Fichtenholz, die äußere aus norwegischem Eichenholz, beide auf das sorgfältigste zusammengefügt. Die Bänder oder Spanten waren aus gebogenem Eschenholz, 26 mm breit und 13 mm dick, mit einem Abstand von 15¹⁄₇ mm voneinander. Auf der unteren Seite befand sich zu beiden Seiten des Kieles je eine Schiene von Fichtenholz, die darauf berechnet waren, das Boot während des Transportes über das Eis zu stützen. Das Boot war sehr zweckmäßig gebaut, es war stark und dabei elastisch genug, um dem Druck der Eisschollen nachzugeben. Ich bin jedoch geneigt, eine einfache Vertäfelung der doppelten vorzuziehen, da das Boot dadurch leichter zu steuern ist und die doppelte Vertäfelung leicht Wasser aufnimmt und das Boot dadurch schwerer macht. Außerdem ist ein Boot ohne Schienen einerseits ebenso leicht über das Eis zu transportiren, während andrerseits bei einem Boot mit Schienen die letzteren leicht in die Klemme gerathen, wenn sich das Eis zusammenstaut, und dadurch das Boot zerstören.

Ein wichtiger Ausrüstungsgegenstand für alle arktischen Expeditionen ist der Schlafsack. Für eine Expedition wie die unsere war die Natur des Stoffes, aus welchem diese Säcke verfertigt werden sollten, natürlich von größter Wichtigkeit. Ein solcher Sack mußte so leicht wie möglich sein und dabei doch genügend Wärme gewähren. Auf früheren Expeditionen hat man theilweise Wolle oder Filz dazu verwendet, theilweise verschiedene Fellarten. Der wollene Stoff gewährt natürlich den Vortheil, den Schweiß besser hindurch zu lassen, als wie es bei Fellen der Fall ist; auf diese Weise kondensirt sich die Feuchtigkeit bei starker Kälte nicht in dem Grade, wie in einem aus Fellen bestehenden Sack, — auf der anderen Seite aber hat der Wollstoff den großen Fehler, daß er im Verhältniß zu seiner Wärme viel zu schwer ist. Ich ging eine Zeitlang mit dem Gedanken um, wollene Schlafsäcke zu versuchen, aber ich fand, daß sie zu wenig Wärme gaben, und ich fürchte, daß, wenn wir uns wirklich derselben bedient hätten, wir kaum die Westküste Grönlands lebendig erreicht haben würden.

Die halbe Expedition in ihrem Schlafsack.

Nach verschiedenen Versuchen entschied ich mich endlich für Schlafsäcke aus Rennthierfell, als das zweckmäßigste, was für den Augenblick aufzutreiben war. Das Rennthierfell ist im Verhältniß zu seinem Gewicht das wärmste aller mir bekannten Fellarten, besonders ist das Winterfell des Rennthierkalbes äußerst leicht und warm. Dies konnte ich jedoch leider nicht mehr rechtzeitig auftreiben, weshalb ich mich mit dem Fell von „Simlern“ (Rennthierkühen), das bedeutend schwerer ist, begnügen mußte. Eine Schattenseite bei den Rennthierfellen ist natürlich die, daß die Haare sich leicht abscheuern, wie es auch nicht viel Wasser verträgt, ohne daß die Haare ausfallen. In der Beziehung ist Hundefell weit besser und stärker, die Wärme des Rennthierfelles erreicht es freilich nicht. Noch besser als Hundefell ist Wolfsfell, das nur den einen Fehler hat, sehr kostbar zu sein. Das Fell unserer Schlafsäcke hielt während der ganzen Reise und auch den Winter auf der Westküste gut vor. Es war für unsern Zweck vom Kürschner Brandt in Bergen besonders präparirt und ich hatte allen Grund, damit zufrieden zu sein.

Wir hatten zwei Schlafsäcke, von denen jeder so eingerichtet war, daß er drei Mann fassen konnte. Dies ist sehr zweckmäßig, indem ein Sack für drei Mann natürlich bedeutend leichter ist, als drei „einschläfrige“ Säcke, und außerdem ist ein solcher viel wärmer, indem drei Männer in demselben Sack sich gegenseitig erwärmen.

Einen noch größeren Vortheil würde man in dieser Hinsicht durch einen Sack für die ganze Expedition erzielt haben. Dies mochte ich jedoch nicht wagen, denn wenn der Schlitten, auf welchem dieser eine Sack lag, in eine Eisspalte fiel, so würden wir ohne jeglichen Schutz gegen die Nachtfröste dastehen, während wir — falls einer der dreischläfrigen Säcke verloren ging — doch nicht rathlos waren, zur Noth konnten nämlich vier Mann in dem einen Sack schlafen; man hätte dann allerdings abwechseln müssen.

Nach oben zu waren die Säcke mit einem mützenartigen Deckel versehen, die vermittelst zweier Riemen zugezogen werden konnten. So lange die Kälte nicht allzu fühlbar war, pflegte es mit diesen geschlossenen Deckeln warm zu werden, sobald es aber kälter wurde, waren wir froh, soweit zuschnüren zu können, als die Riemen reichten.

Durch die Spalte, welche trotzdem blieb, hatten wir immerhin Ventilation genug. Von der kühlen Nachtluft, die in Grönlands Innerem weht, brauchte nicht viel in die Säcke zu dringen, um die Kälte empfindlich werden zu lassen. Um die Schlafsäcke gegen Feuchtigkeit zu schützen, hatte ich Bezüge aus dünnem Wachstuch anfertigen lassen, — sobald wir aber auf das Inlandseis kamen, wurden diese Bezüge kassirt.