Luftkissen aus Kautschuck als Unterlage für die Säcke hielt ich nicht für nothwendig, da die Säcke aus Rennthierfell waren; und da diese Luftkissen ziemlich schwer sind, ist es natürlich ein Vortheil, wenn man sie entbehren kann.
An Kleidungsstücken hatten wir, mit Ausnahme einiger Reservegegenstände, nicht viel mehr mit, als das, worin wir die ganze Zeit, seit wir Norwegen verlassen hatten, gingen und standen. Ausgenommen zwei „Päsker“ (Pelze) mit dazu gehörigen Beinkleidern aus Rennthierfell, welche die Lappen mithatten, und einer kleinen, mit Eichhornfell gefütterten Jacke, die ich mitnahm, freilich fast ohne Verwendung dafür zu haben, hatten wir keinerlei Pelzbekleidung mit, sondern waren von Kopf bis zu Fuß in Wolle gehüllt. Am bloßen Leibe trugen wir dünne, wollene Hemden und ebensolche Unterbeinkleider, dann kam eine dickere isländische wollene Unterjacke und darauf das Oberzeug, das aus einer Jacke für den Oberkörper, Kniebeinkleidern und Schneesocken für die Beine bestand und aus norwegischem Fries verfertigt war. Diese Bekleidung erwies sich als äußerst praktisch. Wollenes Zeug ist bei Strapazen, wie überall, das gesundeste, indem es der Transpiration freien Durchgang gewährt, wogegen Leinen, Baumwolle sowie Fellbekleidung dieselbe hemmen. Vor allen Dingen mußten wir es natürlich vermeiden zu schwitzen, da dies bei starker Kälte leicht eine Abkühlung mit nachfolgendem Erfrieren zur Folge haben kann. Wir mußten deshalb lieber allmählich, wenn wir warm wurden, von unsern Bekleidungsstücken ablegen, und so konnte es sich ereignen, daß die Mitglieder der Expedition bei einer Kälte von 20-30 Grad nur mit einer wollenen Unterjacke bekleidet waren und dabei schwitzten wie an einem Sommertage.
Bei Wind, sowie in Schnee- und Regenwetter pflegten wir über den wollenen Anzügen ein leichtes Kostüm von einer Art dünnem, braungefärbten Segeltuch oder ähnlichem Stoff zu tragen, das so imprägnirt sein sollte, daß es wasserdicht war, was übrigens keineswegs der Fall war. Bei Wind und in Schneewetter war dies Kostüm freilich ausgezeichnet, und wir benutzten es viel auf dem Inlandseise, es schützte vorzüglich gegen das feine Schneegestöber, das dem Staube gleicht und in alle Poren des wollenen Zeuges dringt, um es schließlich, wenn es schmilzt, völlig zu durchnässen.
An der Jacke dieses Segeltuch-Kostüms war eine Kapuze angebracht, die man über den Kopf ziehen konnte und die so groß war, daß man das ganze Gesicht damit bedecken und es auf diese Weise vortrefflich gegen den Wind schützen konnte, der bei der scharfen Kälte oft sehr beißend und durchaus nicht ungefährlich für Wangen und Nase war.
Durch unebenes Eis in der Nähe der Westküste. 23. September 1888.
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GRÖSSERES BILD
Als Fußbekleidung benutzten wir außer gewöhnlichen Schuhen („Pechdrahtschuhen“) auch die in Norwegen allgemein bekannten „Lauparsko“, die aus rohen Häuten oder — wie die unseren — aus gegerbtem Leder verfertigt sind. Die Sohlen bestehen aus einem Stück weichen Leders, das an den Seiten in die Höhe gebogen und mit einem Stück Oberleder auf der Oberfläche des Fußes zusammengenäht ist, ungefähr auf dieselbe Weise, wie die Lappen und Finnen mit ihren „Komagern“ und die Eskimos mit ihren „Kamikern“ verfahren. Etwas Aehnliches habe ich übrigens auch auf Island gesehen, obwohl die Schuhe hier häßlicher und klotziger gemacht waren, als bei uns. In diesen „Lauparschuhen“ trugen wir ein Paar dicke, gewalkte wollene Strümpfe, sowie ein Paar dicke Ueberstrümpfe von Ziegenhaar, das außer dem Vorzug, daß es warm hält, auch, gleich dem Queckgras (carex vesicaria) der Lappen, die Eigenschaft besitzt, alle Feuchtigkeit an sich zu ziehen und die Füße trocken zu halten.
Lauparschuh.