Diese Lauparschuhe eignen sich vorzüglich als Fußbekleidung bei Benutzung von Ski und Truger. Sie sind stärker als „Hautschuhe“ (Hudsko[8]) und „Finnenschuhe“, haben aber den Nachtheil, nicht so warm zu sein wie diese. So konnte es z. B. vorkommen, daß wir am Abend Mühe hatten, die Schuhe von den Füßen zu ziehen, indem Strümpfe, Ueberstrümpfe und Schuhe fest aneinander gefroren waren. Die beiden Lappen hatten jeder zwei Paar Finnenschuhe mit und noch eines außerdem, welches von dem jüngsten Lappen zum Geschenk für mich bestimmt war. Diese Finnenschuhe sind, wenn sie gut sein sollen, aus der Haut der Beine des Rennthierochsen gemacht; die Fellstücken werden mit den Haaren möglichst 24 Stunden in eine starke Borkenlauge (von Birkenrinde oder dergl.) gelegt, oder auch mit Theerwasser gegerbt. Das Fell der Hinterbeine wird zu den Sohlen und Seiten verwendet, während aus dem Fell der Vorderbeine die Oberstücke verfertigt werden. Diese Fellstücken werden so zusammengenäht, daß die Haare nach außen wenden. Aehnliche Schuhe verfertigt man auch aus dem Stirn- und Kopffell der Rennthiere. Diese Schuhe, die gewöhnlich „Skaller“ genannt werden, sind wärmer, als die vorhin erwähnten, aber nicht so haltbar.

Diese Finnenschuhe, bei denen also die Haare nach außen stehen, sind sehr warm und eignen sich vorzüglich zum Skilauf. Die Lappen füllen sie mit Queckgras (carex vesicaria) und stecken ihre Füße nackt ohne Strümpfe hinein. Der Grund, weshalb ich nicht selber solche für die Mitglieder der Expedition mitgebracht hatte, lag in meiner Befürchtung, daß sie der Nässe zu sehr ausgesetzt sein würden, was sie nicht vertragen können. Die Finnenschuhe müssen in der Beziehung sehr sorgfältig behandelt werden, wenn sie nicht sehr bald ruinirt werden sollen. Von Feuchtigkeit merkten wir freilich nicht viel. Die Finnenschuhe, die ich von Balto erhielt, zog ich einige Meilen von der Ostküste entfernt an und benutzte sie fast den ganzen Weg bis zur Westküste, dann trug ich sie während des Winters viel, und selbst als ich sie nach Norwegen mit zurückbrachte, waren sie nicht verschlissen. Das ist sehr viel, wenn man in Betracht zieht, daß sie nicht neu waren, als ich sie erhielt, — Balto hatte sie schon während des vorhergehenden Winters benutzt. Ich überzeugte mich auf diese Weise zur Genüge von der Zweckmäßigkeit der Finnenschuhe auf Reisen wie der unsern und kann sie für solche Zwecke auf das wärmste empfehlen. Sie wiegen ganz verschwindend wenig, so daß man, ohne es zu merken, ein oder zwei Paar als Reserve mitnehmen kann. Wie bereits erwähnt, müssen sie freilich, wenn sie halten sollen, gut behandelt werden, — sind sie naß geworden, so soll man sie am liebsten vor dem Schlafengehen umwenden, so daß die Haarseite nach innen kommt, sie dann anziehen und die Nacht über damit liegen. Auf diese Weise trocknet die Fellseite, und das ist das wichtigste, um das Ausfallen der Haare zu vermeiden.

An den Händen trugen wir große wollene Fausthandschuhe, sogen. „Lovanter“, über diese pflegten wir bei starker Kälte oder bei Wind große Fausthandschuhe aus Hundefell, mit der rauhen Seite nach außen gekehrt, zu tragen. Die Lappen benutzten gewöhnliche „Lappevanter“ aus Rennthierfell mit der Haarseite nach außen. Wenn man diese Handschuhe mit Queckgras füllt, wie die Finnenschuhe, so sind sie sehr warm. Für die Benutzung und Behandlung von Instrumenten und Zeichengeräthschaften brachte ich wollene Fingerhandschuhe mit.

Auf den Köpfen hatten wir Mützen aus wollenem Stoff, die zum Herunterklappen über Ohren und Nacken eingerichtet waren. Außerdem hatten wir Kapuzen von Fries und die bereits oben [erwähnten Kapuzen] an unsern Segeltuchjacken. Wenn wir dies alles aufhatten, so war unser Kopf gegen die schärfste Kälte, ja, gegen den beißendsten Wind wohlverwahrt.

Von großer Bedeutung für eine Schlittenexpedition sind Schneebrillen, um einer Schneeerblindung vorzubeugen. Was es zu bedeuten hat, wenn man eine solche Kleinigkeit vergißt, davon giebt Majsejews Expedition nach Novaja Semlja im Jahre 1839 ein deutliches Beispiel, indem der Mangel an Schneebrillen die Ausführung der ganzen Expedition verhinderte. Wir wandten Brillen aus dunklem, rauchfarbigem Glas an, theils ohne, theils mit Körben von Drahtgeflecht an den Seiten, um gegen das von unten und von den Seiten eindringende Licht zu schützen. Ich selber benutzte hauptsächlich eine Brille von letzterer Form, die ich von Nordenskjöld erhalten hatte und die ich vorzüglich fand.

Unsere hölzerne Schneebrille.

Außer diesen Brillen mit dunklem Glas wurden auch Brillen von schwarzem Holz, die vor jedem Auge eine horizontale Spalte hatten, benutzt, ähnlich den Brillen, deren sich verschiedene Polarvölker bedienen. Diese Form von Brillen ist außerordentlich zweckmäßig und hat den Vorzug vor den anderen, daß sie keine Gläser haben, welche bei feuchter Luft beschlagen und den Augen hinderlich sind. Auf der anderen Seite dagegen haben sie den Nachtheil, daß sie den Gesichtskreis sehr beschränken. Besonders wenn man sich auf Schneeschuhen bewegt, hat es seine großen Schattenseiten, den Boden unter sich nicht sehen zu können. Diesem Uebelstande könnte vielleicht durch eine vertikale Spalte, die quer über die horizontale läuft, abgeholfen werden.

Unser Zelt, das Lieutenant Ryder in Kopenhagen mir freundlich verschafft hatte, ließ ich so einrichten, daß es in fünf Stücken voneinander genommen werden konnte, — es bestand aus zwei Seitenstücken, zwei Endstücken und dem Boden, der aus wasserdichtem Segeltuch verfertigt war. Bei dieser Einrichtung war ich darauf bedacht gewesen, alle Theile des Zeltes während einer Segelfahrt als Segel für unsere Schlitten benutzen zu können, aber die Seiten- und Endstücke des Zeltes waren von so dünnem, leichtem Baumwollstoff, daß ich fürchtete, der Wind könne sie zerreißen, und es würde, gelinde gesagt, unangenehm gewesen sein, auf die Weise das Zelt einzubüßen, obendrein bei einer solchen Kälte und einem solchen Schneegestöber, wie wir es hatten. Der Baumwollstoff, aus dem das Zelt bestand, leistete uns übrigens vorzügliche Dienste, sowohl gegen Regen als auch gegen Wind und Schnee, und da es nothwendig ist, daß das Zelt des Gewichtes halber aus so dünnem Stoff wie möglich angefertigt ist, so möchte ich künftigen Expeditionen den Rath geben, das ganze Zelt mit dem Fußboden, der freilich gleich dem unseren aus wasserdichtem Segeltuch bestehen muß, zu einem einzigen zusammenhängenden Stück zusammennähen zu lassen; dies erhält so die Form eines Sackes und hat nur eine einzige Oeffnung, nämlich die Zeltthür, und zwei Löcher im Boden für die Zeltstangen, welche durch diese hindurch in den Schnee festgerammt werden. Ist das Zelt auf diese Weise eingerichtet, so kann man den starken Segeltuchboden ebenso gut als Segel benutzen, indem man das übrige dünne Zelttuch zusammengebunden an der Vorderseite herabhängen läßt; hierdurch vermeidet man die Unannehmlichkeit, unter der wir litten, daß nämlich durch die Ritzen, welche infolge des Zusammenschnürens der verschiedenen Stücke entstehen, der Schnee ins Zelt hineindringt. Bei uns war das weniger praktisch eingerichtet, und es konnte bei Schneegestöber vorkommen, daß wir, wenn wir am Morgen die Köpfe aus den Schlafsäcken heraussteckten, diese vollständig mit Schnee bedeckt fanden. Der Raum in unserem Zelt war gerade groß genug, daß unsere beiden dreischläfrigen Schlafsäcke Platz auf dem Fußboden hatten, wenn sie so hingelegt wurden, daß die Oeffnung des einen nach derselben Richtung hin lag wie der Boden des anderen Sackes. Die Zeltstangen, drei an der Zahl, zwei aufrecht stehende und eine, welche längs des Firstes lag, waren aus Bambusrohr und erwiesen sich als sehr brauchbar, — die beiden kleineren wurden natürlich auch zu Skistäben verwendet. Die Pardunen wurden vermittels eiserner Haken befestigt, die eine breite blattförmige Klammer hatten, welche Widerstand gegen den Schnee leisten konnte. Das genaue Gewicht unseres Zeltes, nachdem ich es durch verschiedene Aenderungen bedeutend verringert hatte, ist mir leider entfallen. Ich entsinne mich jedoch, daß es mit Pardunen, Zelthaken und Stangen ein Gewicht von 8 Kilogramm nicht überstieg.

Es stand sehr fest im Schnee, bei stürmischem Wetter befürchteten wir freilich mehrfach, daß es springen würde, und ich möchte deswegen gute Sturmpardunen empfehlen, — wir hatten allerdings auch einige, aber ein paar davon sprangen oben beim Befestigungspunkt und waren nachher nicht wieder auszubessern.