Der Kochapparat spielt auf einer Schlittenexpedition eine äußerst wichtige Rolle, denn er soll uns, wenn alles gefroren ist, jeden Tropfen Trinkwasser liefern, den wir nicht vermittelst unserer Leibeswärme schmelzen können. Vor allen Dingen kommt es bei dem Kochapparat darauf an, daß er das Brennmaterial vollständig ausnützt, das heißt, daß es so vollständig wie möglich verbrennt und so die dadurch entwickelte Wärme bis aufs Aeußerste ausgenutzt wird. Das Gewicht eines der wichtigsten Theile der Bagage kann dadurch auf ein Minimum reducirt werden.
Als Brennmaterial steht zweifelsohne der reinste Spiritus unübertroffen da. Außer anderen Vorzügen wie Reinlichkeit etc. hat er den — wenigstens in der Praxis — im Verhältniß zu seinem Gewicht die größte Wärme zu geben. Zwei Schattenseiten sind jedoch damit verknüpft, einmal, daß er infolge seiner Eigenschaft als Flüssigkeit leicht verschüttet werden kann, was jedoch durch sichere Behälter und starke Hähne, sowie eine vorsichtige Behandlung zu vermeiden ist, — ferner daß er trinkbar ist und unter kritischen Verhältnissen zu einer großen Versuchung, selbst für den Besten werden kann. Dies läßt sich freilich verhindern, indem man ihn durch Zusatz von Methyl-Alkohol unschmackhaft macht, wie wir es thaten.
Kochapparat.
Die Idee zu unserem Kochapparat hatte ich ursprünglich demjenigen entnommen, der bei Greelys Expedition (s. seinen Bericht S. 207) angewandt wurde, und nach mehreren mit meinem Freund Kand. L. Schmelek in dessen chemischem Laboratorium angestellten Versuchen blieben wir bei dem in obenstehender [Figur] abgebildeten Apparat stehen. Die Einrichtung wird aus dieser Zeichnung hoffentlich leicht ersichtlich sein. Der unterste Raum enthält eine Spirituslampe mit sechs Dochten. Die Luft dringt durch im Boden befindliche Oeffnungen in solcher Menge ein, daß sie eine vollständige Verbrennung bewirkt, gleichzeitig muß sie durch die Flammen oder in der Nähe derselben passiren und wird auf diese Weise verbrannt oder erwärmt, so daß keine kalte Luft in den Apparat hinein kommen kann. Ist letzteres aber nothwendig, z. B. falls der Wärmeraum oder der Spiritusbehälter zu stark erhitzt wird, was leider oft bei uns der Fall war, so läßt sich durch Oeffnen von drei Löchern in den Seiten des Wärmeraums kalte Luft neben den Flammen zuführen. Das Kochgeschirr, das auf den Wärmeraum gesetzt wird, ist aus verzinntem Kupfer. Es ist hoch und cylinderförmig, durch die Mitte geht ein gleichfalls aus Kupfer bestehender Schornstein, durch den die erwärmte und verbrannte Luft aus dem Wärmeapparat bis unter den Boden eines breiten, flachen Kupfergeschirres aufsteigt, das auf dem Kochgeschirr steht und nur zum Schmelzen von Schnee dient. Nachdem die Luft jedenfalls einen großen Theil ihrer Wärme dem Schornstein im Kochapparat und dem Boden des Gefäßes, das darüber steht, mitgetheilt hat, entweicht sie dann wieder durch Löcher an den Seiten unter diesem Geschirr.
Der untere Kochtopf wie das obere Gefäß sind an den Seiten durch dicken Filz beschützt, das obere Gefäß ist außerdem mit einem Deckel bedeckt.
Bei Schnee von ungefähr -40° C. und einer Luft von ungefähr gleicher Temperatur bedurfte es etwa einer Stunde, bis ich das Kochgefäß mit kochender Schokolade und das obere Geschirr mit Wasser gefüllt hatte, dessen Temperatur ein wenig über dem Schmelzpunkt betrug. Ich hatte dann volle 5 Liter Schokolade und nicht ganz 4 Liter Wasser. Hierzu hatte ich, wenn ich vorsichtig war, ungefähr 0,35 Liter Spiritus oder ein wenig mehr verbraucht.
Bei einigen Versuchen, die von Professor Sophus Torup nach unserer Rückkehr auf dem physiologischen Laboratorium in Kristiania angestellt sind, hat es sich gezeigt, daß unser Kochapparat selbst unter günstigen Verhältnissen nur 52% von dem Brennwerth des verbrauchten Alkohols ausnutzt, — was eine sehr schlechte Ausnutzung des Brennmaterials bedeutet. Frühere Expeditionen sind doch in dieser Beziehung kaum günstiger gestellt gewesen.[9] Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Spiritusverbrauch durch fortgesetzte Verbesserungen in bedeutendem Grade verringert werden könnte.
Um auch die Körperwärme zum Schmelzen zu verwerthen, hatte jeder Mann eine Flasche von dünnem Eisenblech zum Füllen mit Schnee bei sich, die man infolge ihrer flachen, abgerundeten Form ohne alle Beschwerde auf der Brust tragen konnte.
Der Proviant einer Schlittenexpedition muß im wesentlichen aus getrockneten Nahrungsmitteln bestehen, da diese im Verhältniß zu ihrem Gewicht am nahrhaftesten sind. Hermetische Sachen sind zwar gesunder und leichter zu verdauen, haben aber ein zu großes Gewicht, so daß man sie nur in geringem Maßstabe verwenden kann.