Ich hatte im voraus berechnet, daß wir pro Tag ¼ kg oder etwas mehr gedörrtes Fleisch, ein eben solches Quantum Fett, sowie ein etwas größeres Quantum gedörrtes Brot gebrauchen würden, dazu kamen dann verschiedene andere Sachen wie Schokolade, Zucker, Fleischpepton, Erbsensuppe etc., so daß sich die Ration pro Kopf täglich auf ein Kilogramm oder ein wenig mehr feste Nahrung belaufen würde.

Unsere Tagesration pro Mann würde ungefähr folgendermaßen lauten: 200 gr Albuminstoff, 240 gr Fett, 230 gr Mehlstoff und Zucker. Nun berechnet man nach zahlreichen angestellten Versuchen, daß ein stark arbeitender Mann, z. B. ein preußischer Soldat bei strengem Dienst zu seiner Ernährung

191 gr Albuminstoff,
63 gr Fett,
607 gr Mehlstoff und Zucker

gebraucht.

Zieht man in Betracht, daß 100 gr Fett an Nährwerth 230 gr Mehlstoff oder Zucker entsprechen, so würde unsere Tagesration sich im Vergleich hiermit folgendermaßen gestellt haben:

200 gr Albuminstoff,
63 gr Fett,
637 gr Mehlstoff und Zucker

Da nun infolge der starken Kälte, der wir ausgesetzt waren, das Bedürfniß nach Kohlehydraten stieg, dürfte unbestritten bleiben, daß unsere Tagesrationen nicht als überreichlich angesehen werden können, doch glaube ich, daß sie trotzdem ausreichend gewesen wären, wenn wir nur die verschiedenen Stoffe in dem angegebenen Verhältniß gehabt hätten. Aber infolge eines Mißverständnisses schlich sich in unsere Verproviantirung ein Fehler in Form eines Mangels an Fettstoff ein, der uns auf höchst unangenehme Weise fühlbar werden sollte. Herr Beauvais in Kopenhagen, der uns unser Pemikan (gedörrtes Fleisch mit Fett vermischt) liefern sollte, hatte mir mitgetheilt, daß er Pemikan auf amerikanische Weise zubereite. Ich hatte keine Gelegenheit, mündlich mit ihm hierüber zu sprechen, da ich aber von der Voraussetzung ausging, daß sein Pemikan wie das gewöhnliche amerikanische zur Hälfte oder zum Dritttheil aus Fett und im übrigen aus gedörrtem Fleisch bestehe, so bestellte ich das berechnete Quantum bei ihm. Im letzten Augenblick auf der Durchreise durch Kopenhagen erfuhr ich indessen, daß sein Pemikan sorgfältig von allem Fett gesäubert sei. Dies war eine unangenehme Ueberraschung, da ich aber ein ziemliches Quantum Butter und Leberpastete mitgenommen hatte, so dachte ich, daß wir trotzdem fertig werden könnten. Das hielt jedoch ziemlich schwer, und so kam es denn, daß wir von einem förmlichen Heißhunger nach Fett verzehrt wurden, von dem sich Niemand, der es nicht durchgemacht hat, eine Vorstellung machen kann. Beauvais’ gedörrtes Fleisch war übrigens vorzüglich.

Auf Kapitän Hovgaards Rath machte ich einen Versuch mit Beauvais’ Leberpastete, die ich jedoch ganz unzweckmäßig für eine Schlittenreise fand, denn erstens ist sie im Verhältniß zu ihrem Nahrungswerth zu schwer, und zweitens enthält sie Wasser, welches friert und sie in der Kälte so hart macht, daß wir mehrere Messer daran zerbrachen und schließlich unsere Zuflucht zu der Axt nahmen, doch mußten wir dann herumlaufen, um die Stücken aufzusammeln, die weit über die Schneefläche hinsprangen.

Aeußerst zweckmäßig ist Rousseaus Fleischpulver-Schokolade, welche die beiden guten Eigenschaften, nahrhaft und schmackhaft zu sein, verbindet. Ich führte davon 20 Kilogramm mit mir, die bei dem Fabrikanten in Paris bestellt waren. Nach der angegebenen Analyse soll diese Schokolade nicht weniger als 20% Fleischpulver enthalten; wir verzehrten sie in kleinen Portionen während des Marsches, und sie wirkte außerordentlich belebend auf uns. Mit genügend Fett daneben müßte sie ausgezeichnet sein. Sie ist nach meiner Erfahrung sehr leicht verdaulich, was das Pemikan nicht ist. Dies hat sowohl seine Schattenseiten wie seine Vortheile. Ist ein Stoff zu leicht verdaulich, so wird er gleich in den Körper aufgenommen, und der Magen ist bald wieder leer, man hat das Gefühl wieder hungrig zu sein, deshalb muß man häufiger essen. Auf der anderen Seite ist ein Stoff wie das Pemikan sicher für manchen Magen zu schwer verdaulich, infolgedessen geht eine Menge Nahrung durch den Ernährungskanal, ohne ausgenutzt zu werden.

Im ganzen muß es als absoluter Vorzug für eine arktische Expedition betrachtet werden, daß die Nahrungsmittel so leicht verdaulich wie möglich sind, man muß daher bestrebt sein, sich solche in so ausgedehntem Maße wie möglich zu verschaffen. Der Nutzwerth der verdaulichen Stoffe ist im Verhältniß zu ihrem Gewicht weit größer als der von weniger leicht verdaulichen Stoffen.