Ein unentbehrlicher Artikel auf allen modernen Entdeckungsreisen ist ein Photographir-Apparat. Ich hatte einen kleinen Apparat mit zwei Rollkassetten für Papierrollen mit empfänglicher Gelatinfilm mitgenommen.[12]

Es wäre zu schwer und unpraktisch gewesen, wenn ich hätte Glasplatten transportiren wollen. Um die Papierrollen zu wechseln, führte ich auch zwei rothe Laternen mit, eine aus Papier und eine aus Glas. Hierzu nahm ich fünf Stearinlichte mit.

An weiteren Instrumenten, Geräthschaften etc. führten wir mit uns: 2 Aluminium-Fernröhre, 2 Podometer, 1 Axt, diverses kleineres Werkzeug wie Messer, Feile, Pfriem, Pechdraht etc., Nähnadeln, Kneifzange, Schraubenzieher, kleine Schrauben für die Stahlplatten unter den Schlittenschienen etc. Außerdem Gewichte zum Auswägen des Proviants, sog. Steigeisen aus Tyrol, Zacken, die in die Stiefelsohlen geschroben werden, Manilla-Alpenseile, diverse Reserveleinen für Schlitten etc., Eispickel mit Schäften aus Bambusrohr — diese wurden auch zu Skistäben verwendet —, einen Stahlspaten, der auf einen der Stäbe geschraubt werden konnte und der zum Schneeschaufeln benutzt werden sollte, hauptsächlich, um einen guten Zeltplatz zu schaffen oder um Schneehütten zu bauen, falls das Zelt vernichtet würde, mehrere Bambusstangen zu Masten und Steuerstangen während der Segelfahrt mit Schlitten wie mit Böten; ein starkes Ziehtau, um Boot und Schlitten über schwierige Stellen hinwegzuziehen, Zeichengeräthschaften, Skizzenbücher und Notizbücher, Logarithmentabellen, Seekalender für d. J. 1888 und 1889 etc. Ein großes Brennglas, Feuerstein, Stahl und Lunte, Zündhölzer, die zum Theil in luftdicht verschlossenen Blechdosen an verschiedenen Stellen der Bagage aufbewahrt waren, damit wir selbst, wenn einige verloren gingen, doch genug hätten. Drei 10literhaltige Spiritusfässer, Persennings, theils aus wasserdichtem Segeltuch, theils aus Oeltuch über jeden Schlitten zu breiten, große Tragsäcke, die im wesentlichen bestimmt waren, um bei schwierigem Terrain, wo man nicht ziehen konnte, benutzt zu werden, die indessen als Mantelsäcke für unsere Privatgarderobe Verwendung fanden. Verschiedene Bootsgeräthschaften, wie lange Bootshaken (aus Bambusrohr), kurze Bootshaken mit breiten Blättern versehen, so daß sie gleichzeitig zum Wricken benutzt werden konnten, was in engem Fahrwasser zwischen Treibeis, wo andere Ruder zu lang sind, sehr zweckmäßig ist, — ferner gewöhnliche Ruder, Reservedollen, Handpumpen mit Schläuchen, um das Boot auszupumpen, wenn es belastet ist u. dergl. m. Ferner hatten wir eine kleine Apotheke mitgenommen, in der sich Schienen und Bandagen zum Verbinden bei Arm- und Beinbrüchen befanden, — Chloroform, Kokainauflösung zur Linderung von Schmerzen bei Schneeerblindungen, Zahntropfen, Magenpillen, Vaselin etc. etc. Es ist selbstverständlich, daß dies alles auf ein Minimum reduzirt war.

Im April unternahmen wir eine kleine Probeexpedition nach einem Wald in der Nähe von Kristiania. Die Mitglieder der Expedition waren damals mit Ausnahme eines Einzigen versammelt. Diesen Ausflug schildert Balto folgendermaßen:

„Eines Abends zogen wir vor die Stadt in einen Wald, um dort die Nacht über zu bleiben und einen Versuch mit den Schlafsäcken zu machen, die aus Rennthierfell verfertigt waren. Am Abend, als wir in den Wald gelangten, wo wir die Nacht zubringen wollten, schlugen wir unser Zelt auf. Darauf mußten wir Kaffee mit einer Maschine kochen, die mit Spiritus kochen sollte. Der Maschinenkessel wurde mit Schnee gefüllt, und wir zündeten Feuer darunter an. Es brannte mehrere Stunden, kam aber nicht zum Kochen. Da mußten wir versuchen, von dem lauwarmen Wasser zu trinken, zu dem Kaffeeextrakt gegossen wurde. Es schmeckte aber nach nichts, denn es war fast kalt. Am Abend, als wir uns schlafen legen wollten, krochen die vier Norweger in Schlafsäcke. Nansen sagte, wir sollten uns auch in die Säcke legen, aber wir meinten, es würde uns zu heiß werden. Wir brauchten nicht in die Säcke zu kriechen, meinten wir, deshalb schliefen wir draußen. Am Morgen erwachte ich, als die Uhr wohl sechs war, und da sah ich, daß unsere Leute in ihren Säcken lagen und wie die Bären schliefen. Ich legte mich wieder hin und schlief bis um 9 Uhr. Da weckte ich sie, denn ich wußte, daß ein Wagen für uns um 10 Uhr bestellt war.“

Diese Schilderung bezeugt, daß einzelne Theile unserer Ausrüstung, wie z. B. der Kochapparat, noch nicht so gut waren, wie sie wohl sein konnten, aber wir hatten noch Zeit zu Verbesserungen. Diese wurden auch vorgenommen, und als wir endlich in den ersten Tagen des Mai auszogen, nachdem wir in der elften Stunde mehrere wichtige Dinge erhalten hatten, war wenigstens das Meiste in der erwünschten Ordnung, und was noch fehlte, das konnte während der Reise beschafft werden.

[5] Ueber die Skikjälker in Sibirien siehe u. a. Nicolaes Witsen „Nord en ost Tartarye.“ Amsterdam 1705 (Seite 820).

[6] Lieutenant Greely. Three Years of Artic Service. London 1886. Vol. I. S. 199.

[7] Aus Xenophons Anabasis ersieht man übrigens, daß schon 400 Jahre v. Chr. die Bewohner der armenischen Gebirge die Sitte kannten, den Pferden Truger oder etwas ähnliches unter die Hufe zu binden.

[8] Schuhe aus roh gegerbten oder auch ganz rohen Ochsenhäuten mit Haaren darauf. Sie werden ebenso wie die Finnenschuhe der Lappen in Norwegen ganz allgemein zum Skilaufen verwendet.