Mein Plan war in aller Kürze der folgende: Wenn man eine Expedition kräftiger Schneeschuhläufer auf zweckmäßige Art ausrüstete, so mußten diese im stande sein, Grönland zu durchqueren, falls sie von der richtigen Seite anfingen; dieser letzte Punkt aber war von großer Wichtigkeit.
Fing man, wie alle früheren Expeditionen, von der Westküste an, so konnte man sicher sein, nicht durchzudringen. Man würde in dem Falle die Fleischtöpfe Aegyptens hinter sich haben, während man vor sich nur die unbekannte Eiswüste und die Ostküste hatte, die nicht viel besser ist. Und selbst für den Fall, daß man durchdrang, hatte man einen ebenso langen Weg zurückzulegen, um wieder in die Heimath zu gelangen.
Der einzig sichere Weg war meiner Meinung nach, durch das Treibeis vorzudringen, an Grönlands öder, eisbedeckter Ostküste zu landen und sich von hier aus nach der bewohnten Westküste zu begeben. Auf diese Weise brach man alle Brücken hinter sich ab, man hatte nicht nöthig, die Mannschaft vorwärts zu treiben, — die Ostküste würde kaum einen Einzigen zur Umkehr verlocken, während vor uns die Westküste lag, die uns mit allen Annehmlichkeiten der Civilisation winkte und zu sich zog. Da war keine Wahl, — nur vorwärts! Die Parole würde lauten: Der Tod oder Grönlands Westküste.
Im folgenden Jahr setzte ich meinen Plan einem Bekannten in Dänemark brieflich auseinander und machte den Vorschlag, eine dänisch-norwegische Expedition nach der Ostküste Grönlands zu unternehmen. Die Dänen sollten die Ostküste untersuchen, während sich die Norweger auf Schneeschuhen über das Inlandseis nach der Westküste begaben.
Dieser Vorschlag führte jedoch zu keinem Resultat, und da ich anderweitig stark in Anspruch genommen war, ruhte die Sache während einiger Jahre. Erst im Herbst 1887 faßte ich den Entschluß, meinen Plan allen Ernstes wieder aufzunehmen. Meine ursprüngliche Absicht war es, die Expedition mit Privatmitteln auszuführen, als ich aber von verschiedenen Seiten dringend aufgefordert wurde, die norwegische Universität um die nöthigen Mittel zu ersuchen, um der Expedition dadurch ein öffentliches, nationales Gepräge zu verleihen, willigte ich ein und reichte ein Gesuch um 5000 Kronen zu der Ausführung einer Reise nach diesem Plan an die Universität ein.
Das Gesuch wurde auf das kräftigste von dem akademischen Kollegium unterstützt und der Regierung übersandt, damit diese die Sache in Erwägung ziehen und das Gesuch auf reguläre Weise als Regierungsvorschlag an das Storthing weiter befördern sollte. Von der Regierung erhielt ich indessen die Antwort, daß man nicht glaube, auf den Vorschlag eingehen zu können, und in den regierungsfreundlichen Organen hieß es sogar, daß man keinerlei Grund habe, das norwegische Volk die große Summe von 5000 Kronen bezahlen zu lassen, damit ein Privatmann eine Vergnügungsreise nach Grönland unternehmen könne. Die Meisten, die von meinem Plan hörten, hielten ihn für den reinsten Blödsinn, — ich müsse entweder nicht bei meinen fünf Sinnen oder doch mindestens lebensüberdrüssig sein, — was denn in Grönlands Innerem zu holen sei? Glücklicherweise war eine Unterstützung seitens der Regierung oder anderer keine Nothwendigkeit für mich, denn ich erhielt von einem Manne in Kopenhagen das Anerbieten, mir die Summe, um welche ich eingekommen war, auszubezahlen. Dieser Mann war der Etatsrath Augustin Gamél, der sich schon durch die Ausrüstung der Dijmphna-Expedition um die arktische Forschung verdient gemacht hatte. Dies Anerbieten von einem Ausländer und einem mir persönlich unbekannten Manne, zu einer Expedition beizutragen, welche von den Meisten für Wahnsinn erklärt wurde, erschien mir so edelmüthig, daß ich mich keinen Augenblick besinnen konnte, es anzunehmen.
Etatsrath Augustin Gamél.
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GRÖSSERES BILD
Erst im Januar 1888 trat ich in einem Artikel in der norwegischen Zeitschrift „Naturen“, betitelt „Grönlands Inlandsis“, mit meinem Plan an die Oeffentlichkeit. Nachdem ich u. a. die zahlreichen früheren Versuche, in das Innere Grönlands vorzudringen, erwähnt hatte, sage ich: