Klein-Dimon. (Nach einer Photographie von Kapitän Sörensen.)

Groß-Dimon hat einen einzigen Ansiedler, dessen Hof auf dem Gipfel der Südseite der Insel liegt. Waren u. dergl., was von hier herab soll, wird von der lothrechten Felswand an den Strand hinabgewunden. Die Leute selber gelangen mittelst eines zum Theil in den Felsen gehauenen Fußpfades hinauf und hinab. Da die Küste überall sehr steil ist, kann dort im Winter kein Boot aufbewahrt werden, es muß im Herbst von der Küste fortgenommen werden. Gebricht es den Bewohnern an irgend etwas, so müssen sie es durch ein Signal zu erkennen geben, dann kommen Leute zu ihnen, falls eine Annäherung möglich ist. Von Anfang November bis Ende März ist es freilich schwer genug, mit einem Boot an der Insel zu landen, da die See dann so heftig auf die Küste zu stehen pflegt.

In diesem Zeitraum pflegen die Inselbewohner fast ganz von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Man erzählte mir, daß ihnen vor einer Reihe von Jahren das Feuer ausgegangen sei. Es war Mitte November. Sie hatten keine Zündhölzer und mußten infolgedessen ein halbes Jahr von kalten Speisen leben, ohne Feuer im Ofen oder Licht an den langen Winterabenden.

Auf Groß-Dimon wurde, so weit wir wissen, der Norweger Sigmund Bresteson — der Nationalheld der Färinger — von seinem Feinde Trand überfallen und von hier aus soll er — als er verfolgt wurde — zusammen mit seinen Brüdern Thorer und Einar ins Wasser gesprungen und nach Suderö — eine Meile südwärts — geschwommen sein. Erzählt die Sage wahr, was mir sehr zweifelhaft erscheint, so ist diese Schwimmtour die größte Heldenthat gewesen, die jemals ausgeführt wurde, denn Sigmund mußte nicht nur schwimmen, sondern, als Einar völlig erschöpft war, mußte er ihn auf den Rücken nehmen und mit ihm schwimmen, bis er todt war, und als sie ein Viertel des Weges zurückgelegt hatten, nahm er Thorer auf den Rücken und schwamm mit ihm, bis er Suderö erreichte. Hier wurde Thorer von der Brandung fortgespült, während Sigmund die Küste erreichte. Dies soll sich zu Anfang des Winters zugetragen haben und in einem Fahrwasser mit starken Strömungen. Das wären tüchtige Burschen für eine Nordpolexpedition gewesen!

Gegen Nachmittag erreichten wir Torshavn, welches bekanntlich die Hauptstadt der Faröer ist. Es ist der Sitz des Amtmannes der Insel, sowie der übrigen Beamten. Es hat seine eigene Zeitung „Dimmalätting“ (Morgendämmerung), die in Färinger-Sprache gedruckt wird und jeden Sonnabend erscheint.

Der Ort hat ein kleines Fort mit drei und einer halben Erzkanone, und wie man mir sagte, eine Besatzung von ungefähr 12 Mann, Andere behaupteten freilich, es sei keine Spur von Besatzung vorhanden. Die Mauern waren so hoch, daß wir darüber hinweg springen konnten, als wir dort oben waren, um die Anlage zu besehen, und das Thor verschlossen fanden.

Die Stadt liegt an zwei Buchten in einem etwas unebenen Terrain, von kleineren Hügeln umgeben. Im Hintergrunde erheben sich höhere, jetzt mit Schnee bedeckte Felsen. Von der See gesehen, gleicht Torshavn in hohem Grade einem gewöhnlichen Küstenstädtchen im westlichen Norwegen.

Thor aus Kinnbacken des Finnfisches in Torshavn. (Nach einer Photographie.)