Die Torshavner leben, wie die übrige Bevölkerung der Faröer, größtentheils von Fischen. Schafzucht wird freilich auch viel auf den Inseln betrieben, man sieht hier überall so viele Schafe, wie sonst kaum irgendwo. Auf jeden Menschen sollen achtzehn Schafe kommen. Da wir infolge von Sturm vom Sonnabend bis zum Montag in Torshavn bleiben mußten, hatten wir Gelegenheit, den Tanz der Färinger zu sehen, der dort jeden Sonntag Abend um 10 Uhr aufgeführt wird.
Dies war der sonderbarste Tanz, der mir jemals vorgekommen ist. Er bestand darin, daß alle Tanzenden, — hier mochten es wohl an Hundert sein — Männer und Frauen, ohne Ordnung und ohne Eintheilung, paarweise einander bei den Händen ergreifen und in einem einzigen großen Kreis oder einer langen Kette tanzen. Man bewegt sich in einer Art schleppendem Polkatritt zu dem Takt irgend eines Liedes, oft eines dänischen, meistens aber eines faröerischen, zumal sind alte Heldenlieder mit monotoner, schleppender Melodie sehr beliebt. Alle Theilnehmer singen auf eine äußerst natürliche, gellende Weise mit. Es schien darauf anzukommen, wer am besten mit seiner Stimme durchzudringen im stande sei.
So bewegt man sich ununterbrochen nach demselben Takt bis 1 oder 2 Uhr des Nachts im Kreise herum, bei besonders feierlichen Gelegenheiten dauert diese Lustbarkeit auch wohl noch länger. Bei dem ganzen Tanz giebt es keine andere Abwechselung, als daß man verschiedene Schwingungen mit der Kette macht.
Hat man Lust, sich zu betheiligen, so zerreißt man die Kette an einer beliebigen Stelle und reiht sich ein. Dies thaten sofort mehrere von den Mitgliedern der Expedition. Sie gaben natürlich acht, zwischen zwei schöne Mädchen zu kommen und widmeten sich dem Tanz mit einer Lebhaftigkeit und einer Ausdauer, die einer besseren Sache werth gewesen wäre.
Dieser Tanz schien die einzige Art und Weise zu tanzen zu sein, die man auf den Faröern kannte. Er ist sicher eine Ueberlieferung von den alten Norwegern. Ein ähnlicher hat sich bis zum vorigen Jahrhundert auf Island erhalten. Er hieß „Viki vaka“. In Norwegen ist er freilich schon seit langer Zeit verschwunden, und das kann uns nicht wunder nehmen. Worin das Vergnügen bei dieser Lustbarkeit besteht, ist mir nicht recht klar geworden.
Basaltfelsen bei Haraldsund, westlich von Klaksvig. (Nach einer Skizze des Verfassers.)
Es ist doch etwas Eigenartiges mit diesen Ueberlieferungen aus der Vorzeit, es hat etwas Rührendes, daß diese Menschen hier jeden Sonntagabend zusammen kommen, um einen Tanz zu tanzen, der überall sonst längst verschwunden ist, und um Heldenlieder zu singen, deren Sinn sie selber kaum mehr verstehen. —
Am Montag Vormittag kamen wir zu dem kleinen Handelsort Klaksvig, dem nördlichsten Hafen, der auf den Faröern angelaufen wird. Er ist von hohen Basaltfelsen umringt, die eine selbst für die Faröer selten prononcirte Schichten- und Terrassenformation haben.
Hier halten wir uns zwei Stunden auf, dann geht die Fahrt nordwärts, und nachdem wir den Reichthum der wilden, zerrissenen Formen bewundert haben, welchen die Nordküste der Insel unserm Auge bietet, stechen wir wieder in See und nehmen unseren Kurs auf Island.