[62] Eine Ausnahme hiervon bildet eine besondere Art Harpune (Siga gut), die bei Kangamiut und nördlich davon zur Walroßjagd benutzt wird. Sie ist ziemlich groß, hat zwei Handgriffe, einen für den Daumen an der einen Seite und einen für die anderen Finger an der anderen Seite, sie wird mit der Hand ohne Wurfbrett geworfen.

[63] Man hält das Ruder, indem man damit nach der Seite ausholt, in einer etwas schrägen Lage, so daß das Ruderblatt durch die Bewegung das Wasser unter sich wegdrückt und dadurch selber eine aufwärtsstrebende Bewegung erhält.

[64] Wo das Wasser im Winter an Grönlands Westküste offen ist, staut sich doch stets Eis am Strande auf, und bei Ebbe kann dies ungefähr eine 10 Fuß hohe, lothrechte, glatte Eiswand bilden.

[65] Diese und viele ähnliche Berichte sind von den Grönländern selbst in ihrer eigenen Sprache geschrieben und in dem grönländischen früher erwähnten „Atuagagdliutit“ in Godthaab veröffentlicht. Die hier mitgetheilten Züge sind später von Dr. Rink in seinem Buch: „Ueber die Grönländer, ihre Zukunft u. s. w., Kopenhagen 1882“ veröffentlicht.

[66] In einer ganzen Anzahl von Häusern, namentlich in der Nähe der Kolonien, findet man jetzt jedoch häufig Oefen, die von der grönländischen Handelscompagnie gekauft sind und die mit Torf und Mövenhaufen (Guano) geheizt werden. Gleichzeitig brennen freilich auch stets Thranlampen.

[67] Der Inhalt dieser Rennthiermägen ist, wie bereits früher in diesem Buche erwähnt wurde, eine große Delikatesse für die Grönländer.

[68] Es kann uns nicht wundern, daß die Eskimos, besonders im Anfang, eine sehr schlechte Meinung von den Europäern erhielten, denn viele von den Leuten, die ausgesandt wurden, waren zum Theil Verbrecher, die durch ihr Benehmen den guten Grönländern ein Aergerniß gaben. Dies war u. a. der Fall mit den Männern und Frauen, die im Jahre 1728 mit Major Paars ausgesandt wurden. Die Heiden fragten oft, woher es käme, daß die Europäerinnen so frech wären und jeglichen weiblichen Anstandes ermangelten. Ob das Benehmen der Europäer nach jener Zeit stets danach angethan gewesen ist, ihnen eine bessere Ansicht beizubringen, ist wohl sehr zweifelhaft.

[69] Dalagers „Grönlands Relationer“ 1752, Kopenhagen, S. 15–16.

[70] Für die nördlicher wohnenden Grönländer kommen noch Hunde und Hundeschlitten dazu.

[71] Wenn Mehrere zusammen auf Jagd gegangen sind, so giebt es auch da bestimmte Regeln. Schießen zwei oder mehrere Personen auf ein Rennthier, so gehört es Demjenigen, der es zuerst getroffen, selbst wenn er es nur ganz leicht verwundet hat. Ueber die bei der Seehundsjagd geltenden Regeln sagt Dalager: „Trifft ein Grönländer mit seinen leichten Pfeilen einen Seehund oder ein anderes Seethier, so daß es nicht stirbt, sondern mit dem Pfeil davonläuft, so gehört es, falls auch ein Anderer kommt und es mit seinem Pfeil trifft, doch dem Ersten, hat er aber die gewöhnliche Harpune benutzt und ist die Leine zerrissen, und kommt dann ein Anderer, der trifft, so hat der Erste sein Recht verloren, — schießen sie dagegen gleichzeitig und treffen Beide, so wird das Thier der Länge nach mit Haut und Haar getheilt. Treffen Beide gleichzeitig einen Vogel, so theilen sie ihn der Quere nach. Wird ein todter Seehund mit einer Harpune im Leibe gefunden, so erhält der Besitzer, falls er bekannt und in der Nähe ansässig ist, seine Harpune wieder, der Finder aber behält den Seehund.“ Ganz ähnliche Regeln scheinen auch an der Ostküste zu herrschen.