Es war kein geringer Genuß nach all den Beschwerden des Tages, die ja die Würze des Jägerlebens sind, das Boot ans Land zu ziehen, das Zelt aufzuschlagen und eine gute Tasse warmen Kaffee in den Schlafsäcken zu sich zu nehmen.

Am 5. Dezember hatten wir besseres Glück und gelangten trotz des starken Seeganges nach Iterdtlak, wo wir indessen statt der erwarteten Rennthiere die Thäler mit Steingeröll und Moränen angefüllt fanden, die für das Auge eines Geologen interessant genug waren, für einen Jäger aber wenig Interesse boten. Dies ist diejenige Art von Land, auf welcher die Rennthiere am allerwenigsten gedeihen. Wir hatten unseren guten Freund Joel in Verdacht, daß er uns nur da hinausgelockt habe, um Fuchsfallen aufzustellen und möglicherweise Blaufüchse zu fangen, deren Fell nach grönländischen Verhältnissen gut bezahlt wird. Die Handelscompagnie bezahlt ein solches Fell mit 4 Kronen, um es in Europa für etwa 100 Kronen wieder zu verkaufen.

Als wir uns über zwei Wochen im Ameralik-Fjord aufgehalten hatten, fing unser Proviant an auf die Neige zu gehen, alles Brot war verzehrt, auch an Mehl gebrach es uns, und die Rennthiere waren fast gänzlich verschwunden. Als deswegen am 10. Dezember ein günstiger Wind wehte, beluden wir unser Boot und zogen heimwärts. Wir spannten unsere beiden Segel auf, eins auf jeder Seite, und in fliegender Fahrt durchschnitten wir die Wellen auf unserm Wege aus dem Fjord hinaus.

Joel leistete Erstaunliches in seinem Kajak, denn trotz unseres schnellen Segelns konnte er es mit uns aufnehmen. Bald erreichten wir die Mündung des Fjordes, da wir aber nun eine nördliche Richtung einschlagen mußten, so hatten wir den Wind entgegen und mußten rudern.

Bald brach die Dunkelheit herein, der Wind flaute ab und bei dem herrlichsten Mondschein zogen wir über die dunkle Wasserfläche dahin, von der sich die schneebedeckten Felsen und Inseln weiß und schweigend abhoben; hinter uns blitzte unser Kielwasser im Mondschein wie ein langer silberner Streif.

Eine grönländische Winternacht kann unvergleichlich schön sein!

In der Nähe von Godthaab wurde Joel mit seinem Kajak vorausgesandt, und als wir am Landungsplatz anlangten, war die ganze Kolonie dort versammelt, um uns in Empfang zu nehmen. Grönländer und Europäer standen nebeneinander unten am Strande. Diese Menschenmengen nahmen sich phantastisch aus in dem glänzenden Mondlicht, mit der winterlich gekleideten Kolonie im Hintergrunde.

Viele Hände waren behülflich unsere Sachen ans Land zu schaffen. Ein wenig Reinlichkeit, etwas europäischer Komfort und ein erwärmtes Zimmer, das that gut nach dem mehrwöchentlichen Zeltleben in Eis und Schnee.

[92] Die weißen Schneehühner sind nämlich für jedes ungeübte Auge schwer von dem Schnee zu unterscheiden; am leichtesten erkennt man sie an dem schwarzen Schnabel und den schwarzen Augen.

Kapitel XXVIII.
Die erste Uebungsstunde im Kajakrudern.