Als wir am Abend schon eine gute Strecke durch die Davisstraße gekommen waren, fand ich Balto in Gedanken versunken am Schiffsrande stehen, er blickte nach der Richtung des Landes hin, was jedoch schon längst unseren Blicken entschwunden war. Dietrichson fragte ihn, weshalb er betrübt sei: „Hast Du etwa Sofia vergessen?“ erwiderte er.

Wir verbrachten 17 Tage an Bord des „Hoidbjörnen“, an dem Kapitän hatten wir eine vorzügliche Gesellschaft, wohl Wenige konnten ein solches Interesse an der Expedition haben wie er. Dank der uns erwiesenen Gastfreundschaft verging die Zeit auf das angenehmste, während wir uns trotz widriger Winde und starken Seegangs der Heimath näherten; wir werden noch an diese Tage zurückdenken und uns u. a. der Vormittagsfeste erinnern, wo wir um den Salontisch sitzend den Champagner tranken und das Konfekt aßen, das den Mitgliedern der Expedition aus Europa gesandt worden war; das war eine andere Kost als wie sie uns das Inlandseis geboten.

Letzter Blick auf Grönland.

Am 21. Mai ankerten wir auf der Innenrhede von Kopenhagen. Meine Feder ist zu schwach, um den gastfreien Empfang zu schildern, der uns in Etatsraths Gaméls Hause, sowie überall in Kopenhagen und in Norwegen zu theil wurde. Ich will auch keinen Versuch machen, dem Leser zu beschreiben, wie viele Toaste ausgebracht wurden und wie viele Erwiderungsreden ich halten mußte, wie viel Wein getrunken und wie viele Gerichte bei einer solchen Festlichkeit verzehrt werden mußten, auch will ich ihn nicht mit der Schilderung der Qualen beschweren, welche eine gewisse Species der Menschheit, die sich Interviewer nennt, einem armen Burschen, der sich keines Verbrechens bewußt ist, verursachen kann. Sie zertheilen förmlich unser geistiges Innere unter sich. Es war keine Kleinigkeit, Grönland zu durchqueren, aber es ist mein bitterer Ernst, wenn ich sage, daß es in dieser Beziehung noch weit schlimmer ist, in die Heimath zurückzukehren.

Am 30. Mai zogen wir bei dem herrlichsten Wetter in den Kristiania-Fjord ein, wo wir von Hunderten von Seglern und einer ganzen Flotte von Dampfschiffen empfangen wurden, den Tag wird wohl keiner von den Mitgliedern der Expedition jemals vergessen. Selbst auf Ravna machte es einen überwältigenden Eindruck. Als wir uns dem Hafen von Kristiania näherten, und den Festungswall und alle Brücken ganz schwarz von Menschen sahen, sagte Dietrichson zu Ravna: „Ist es nicht hübsch mit allen den Menschen, Ravna?“ „Ja, sehr hübsch, — wenn es nur alles Rennthiere wären!“ erwiderte Ravna.

Lebewohl!

Anhang
Das wissenschaftliche Ergebniß der Expedition.

I. Die geologische Geschichte Grönlands.