Von den in den Komeschichten auftretenden 88 Pflanzenarten gehören 43 zu den Farren, 10 zu den Cykadeen, 21 zu den Koniferen (Nadelhölzern), 5 zu den Monokotyledonen (Pflanzen mit einem Keimblatt) und nur 1 zu den Dikotyledonen (Pflanzen mit zwei Keimblättern).
Die Farren, die überwiegend sind, gehören zum Theil Arten an, die mit den in der gemäßigten Zone vorkommenden Farren nahe verwandt sind. Die Koniferen mit den wichtigsten Familien Sequoia und Pinus scheinen stellenweise ganze Wälder gebildet zu haben. Von Laubhölzern findet sich nur die Pappel vor.
Durch Vergleichung dieser Flora mit der jetzigen der Erde ist Heer zu dem Resultat gekommen, daß die mittlere Temperatur Nordgrönlands zu jener Zeit, als sich die Komeschichten ablagerten, zwischen +21 und +22° C. gewesen sein muß. Er zieht diesen Schluß hauptsächlich aus dem Vorhandensein der Cykadeen und mehrerer Farrenarten, auch die Nadelbäume zeugen von einem subtropischen Klima oder doch von einem Klima, wie es in dem wärmeren Theil der gemäßigten Zone herrscht.
Gehen wir höher hinauf durch die Schichtenreihen bis zu den Ataneschichten mit ihren 177 Arten, so finden wir, daß die Flora hier eine bedeutende Veränderung durchgemacht hat. Von den 96 Arten, die von dem Fundort am unteren Atanikerdluk stammen, gehören nicht weniger als 57 zu den Dikotyledonen. Die Laubhölzer treten jetzt in Unmengen auf — der Feigenbaum, der Lorbeerbaum und andere erstreckten zu jener Zeit ihre Zweige über den grönländischen Erdboden. Die Farren sind mehr in den Hintergrund gedrängt und treten nur mit 14 Arten bei Atanikerdluk auf, die Nadelhölzer mit 14 und die Cykadeen mit 4 Arten. Noch läßt sich keine merkliche Abnahme der Temperatur mit Sicherheit nachweisen.
Wenn wir zu den Patootschichten hinaufgelangen, so sind die Cykadeen verschwunden, die Nadelhölzer treten mit 18 Arten auf und die Dikotyledonen mit 69 Arten, so daß diese mehr als die Hälfte der Pflanzen ausmachen. Die Eichen in 7 Abarten und die Platane kommen jetzt am häufigsten vor, dann die Birke, der Erlen-, Ahorn-, der Feigen-, Wallnuß- und Lorbeerbaum. Man findet hier Pflanzenarten, die nämlich der temperirten Zone angehören, daneben aber auch tropische und subtropische Formen, so daß die Flora in diesen Schichten auf eine Temperatur schließen läßt, die sich derjenigen nähert, welche während der Bildung der Kome- und der Ataneschichten herrscht, wenngleich sie auch ein wenig abgenommen hat.
Für tertiäre Pflanzen kennt man in Nord-Grönland zwanzig Fundorte mit 282 Arten, von denen 31 zu den Kryptogamen und 251 zu den Blumenpflanzen gehören. Unter den letzteren befinden sich nach Heer von Nadelhölzern: Sumpfcypressen, Mammuthbäume, breitblätterige Ginkgo, Fichten- und Tannenarten. Und noch zahlreicher sind die Laubhölzer, es gab damals nicht allein Pappeln, Birken, Erlen, Ulmen, Platanen, Eschen, Ahornbäume, Buchen und Kastanien, sondern auch einen wunderbaren Reichthum an Eichen und Wallnußbäumen. Dazu kamen vier verschiedene Lorbeerarten, 3 Ebenholzbäume, 6 Magnolien, 1 Seifenbaum und 2 Fächerpalmen. (?) Daß es zu jenen Zeiten in den Urwäldern auch nicht an Schlingpflanzen gefehlt hat, beweisen 2 Arten von Weinranken und 1 Smilax.
Vergleicht man diesen üppigen Reichthum mit der jetzigen kümmerlichen Flora Grönlands, die keinen einzigen Baum aufzuweisen hat, da ist der Unterschied wirklich auffallend. Es ist eine Flora, die völlig von der jetzigen arktischen abweicht, und wir müssen 20–25 Breitengrade südlicher gehen, um in Europa, Nordamerika und Asien eine ähnliche Pflanzenwelt anzutreffen.
Heer hat hieraus geschlossen, daß die durchschnittliche Jahrestemperatur in der Tertiärzeit ungefähr auf dem 70° in Nordgrönland nicht niedriger als +12° gewesen sein kann. Prof. Nathorst, die größte Autorität der Jetztzeit auf dem Gebiete der tertiären Pflanzen, meint indessen, daß diese Temperatur ein wenig zu hoch gegriffen ist, denn die Blätter, die Heer für Palmenblätter gehalten, sind ganz sicher keine solche. Hierzu kommt noch, sagt er, daß Grönlands tertiäre Flora, nicht wie Heer meint, einem einzigen Horizont angehört, sondern mehreren, und man thut am besten, wenn man die grönländische Tertiärflora, die vor der Bildung der Basaltschicht vorhanden war, von derjenigen trennt, die sich unter derselben befand. Beide Perioden haben freilich verschiedene Arten gemeinsam, aber der basaltischen Flora fehlen bereits alle die Arten, welche Heer als Beweise für ein wärmeres Klima anführt. Aber wenn auch die basaltische Flora in Grönland von einer etwas niedrigeren Temperatur zeugt als die vorbasaltische, so ist das Klima doch auch zu der Zeit ziemlich warm gewesen, so reiften doch auch z. B. noch Wallnüsse auf dem 70° 25′ N. Br.
Tertiäre Pflanzen, wie die hier erwähnten, sind z. B. noch auf Grinnell-Land unter dem 82° N. Br. zu finden und sind auch an der grönländischen Ostküste auf dem 70° N. Br. wie auf der Sabineinsel auf dem 73–1/3° N. Br. nachzuweisen. Nach dieser Ausdehnung kann man ziemlich sicher darauf schließen, daß weite Strecken des jetzt unter Eis begrabenen Landes noch in der tertiären Zeit, also in der letzten geologischen Periode vor der jetzigen mit einer reichen Flora bewachsen waren, die ein Klima mit einer Temperatur wie die vorhin erwähnte von 12° C. erfordert.
Die jährliche Durchschnittstemperatur an dem Theil der nordgrönländischen Westküste, wo die fossilen Pflanzen gefunden werden, muß jetzt auf ungefähr −9° C. angeschlagen werden, und hiernach wäre also die Temperatur Nordgrönlands seit der tertiären Zeit um 21° gefallen. Das Land hat sich in jener Periode eines Klimas erfreut, das dem jetzt in Neapel herrschenden gleicht, und noch früher, in der Kreidezeit, war die Temperatur subtropisch wie jetzt etwa in Aegypten.