Es ist übrigens eine bekannte Sache, daß nicht Grönland allein in der tertiären Zeit in klimatischer Beziehung so begünstigt war. Sowohl Spitzbergen als Island haben ähnliche Fundstätten für tertiäre Pflanzen aufzuweisen, und diese sind zum Theil ganz analog mit denen Grönlands.

Interessant ist es allerdings, daß die tertiäre Flora an den verschiedenen Orten nicht auf das völlig gleiche Klima schließen läßt. So kann z. B. angeführt werden, daß Heer zu dem Resultat gelangt ist, daß Spitzbergen auf dem 78° N. Br. eine Temperatur von +9° C. hatte zu einer Zeit, wo die Durchschnittstemperatur an der Westküste Nordgrönlands (ungefähr beim 70° N. Br.) +12° C. betrug, und Grinnell-Land auf dem 81° 44′, wo zu jenen Zeiten noch Sumpfcypressen wuchsen, sollte damals eine Temperatur von +8° C. gehabt haben.

Einen krassen Gegensatz zu der Ueppigkeit jener Zeiten bildet Grönlands Gegenwart mit seiner mächtigen Eisdecke, seinem schmalen Landstreifen an den Küsten entlang und seiner kümmerlichen Flora. Man kennt aus Nordgrönland 260 jetzt vorkommende, dagegen aber 600 fossile Pflanzen, und die uns erhaltenen sind doch wohl nur ein kleiner Bruchtheil der damaligen Flora. Nicht eine einzige Art hat sich nach Heer von der tertiären Zeit bis jetzt erhalten, und auch die meisten Gattungen sind andere. Es scheint also, als wenn kein direkter Zusammenhang zwischen der damaligen grönländischen Flora und der jetzigen existirt, daß ein Zeitraum zwischen der Ausrottung der ursprünglichen und der neu eingewanderten liegen muß. Wie dies vor sich gegangen ist, werden wir bald sehen.

Eben so sicher wie wir uns darüber sind, daß es einstmals wärmer in Grönland gewesen ist als jetzt, ebenso bestimmt können wir auch behaupten, daß es seit jener Zeit ein oder mehrere Perioden gegeben hat, in denen das Klima kälter gewesen ist als das jetzige.

Wenn wir nämlich die Form der Felsen, die Seiten der Fjorde und den Bau der losen Erdschichten in dem äußeren Küstenlande studiren, so werden wir bald einsehen, daß auch dies alles einstmals mit Eis bedeckt gewesen ist, das sich vorwärts bewegte, die Felsen abrundete und seine Spuren selbst ganz weit hinaus an den am Meeresrande belegenen Insel hinterließ. In jener Zeit ragte auf weiten Strecken auch nicht ein einziger Stein über die Schnee- und Eisdecke empor, und selbst die höchsten Berggipfel waren sicher nur an einzelnen Stellen sichtbar.

Daß die üppige Flora jener warmen Zeit vor dem vorwärtsrückenden Eise fliehen und einer arktischen Flora das Feld räumen mußte, liegt auf der Hand, und die letzten Ueberreste mußten bereits ganz untergegangen sein, ehe das Eis seine größte Ausdehnung erreichte.

Dann aber ist eine Periode eingetreten, in der die Gletscher anfingen zurückzuweichen und das äußere Küstenland frei blieb, auf das dann eine neue Flora aus den südlicheren Ländern einwanderte, möglicherweise haben sich auch auf den Nunataks einzelne von den Pflanzen von früherher erhalten können, die sich dann, sobald mehr Land eisfrei wurde, ausbreiteten. So kann man sich die Entstehung der jetzigen Ordnung der Dinge denken.

Es giebt indessen, wie bereits früher erwähnt, auch an anderen Stellen der Erde große Landstrecken, die einst mit einem ähnlichen Inlandseis bedeckt waren. Als der wesentlichste dieser Striche kann das ganze nördliche Amerika bis zu dem 40° und zum Theil noch weiter südlich gelten, ebenso das nördliche Europa, wo das Inlandseis Skandinavien vollständig bedeckte und sich von dort über einen großen Theil von Rußland, über das ganze nördliche Deutschland bis ungefähr zum 50° N. Br. sowie über England mit Ausnahme des südlichen Theils verbreitete. Ferner waren gleichzeitig große Theile der Alpen und der ringsumherliegenden Flachländer mit Eis bedeckt. Von andern Ländern, die ihr Inlandseis gehabt haben, mögen noch die Faröer, Island, Patagonien und Neu-Seeland erwähnt werden.

Es kann wunderbar erscheinen, daß die verschiedenen Länderstriche eine so große Temperaturveränderung durchgemacht haben, noch wunderbarer ist es, daß man in verschiedenen der hier genannten Länder zwei verschiedene Eisperioden mit einem dazwischenliegenden wärmeren Zeitraum hat nachweisen können, in welchem z. B. Löwen, Nashörner und Flußpferde die Wälder Südenglands durchstreift haben sollen.

Es giebt sogar Geologen, welche fest überzeugt sind, daß sie noch die Spuren weit früherer Eisperioden auf der Erde nachweisen können, und einzelne dieser Spuren scheinen ganz untrüglich zu sein, so verdienen diejenigen der Erwähnung, die auf eine Eiszeit während der Kohlenperiode hindeuten.[97]