II. Die Ursache der Eiszeit und die Veränderungen des Klimas.
Alles spricht dafür, daß merkwürdige Veränderungen und Wechsel in Bezug auf das Klima in verschiedenen Gegenden unserer Erde vor sich gegangen sind und wahrscheinlich auch in Zukunft noch stattfinden werden.
Um eine Erklärung hierfür zu finden, sind viele und verschiedene Theorien aufgestellt worden, aber kaum eine davon ist wirklich überzeugend, weswegen es sich bei dem beschränkten Raum nicht verlohnt, hier weiter darauf einzugehen.
Um aber einen Begriff davon zu geben, auf was für verschiedenen Gebieten man seine Gründe gesucht hat, will ich einige der bekanntesten Theorien erwähnen, besonders diejenigen, welche zu erklären suchen, weshalb die Eisperioden eintreten und wie man sich die Entstehung des Inlandseises denkt.
Es würde das Natürlichste und Vernünftigste sein, wenn man, indem man die Verhältnisse und Kräfte gruppirt, die jetzt auf der Erde in Wirksamkeit sind, auf andere Weise die nothwendigen Bedingungen hervorbringen könnte. Es sind auch verschiedene, bisher freilich vergebliche Versuche in dieser Richtung gemacht worden.
Man hat gemeint, daß eine andere Vertheilung von Land und Wasser auf der nördlichen Halbkugel Eisperioden hervorbringen könnte. Man hat die Sahara oder auch Rußland, Finnland und große Theile von Deutschland unter Wasser gesetzt und damit die Bedingungen für eine europäische Eisperiode erfüllt zu haben geglaubt. Durch die Landenge von Panama und Mittel-Amerika grub man einen gewaltigen Kanal und leitete durch denselben den Golfstrom in den Stillen Ocean, in der Meinung, dadurch die Bedingungen für eine Eisperiode in Amerika zu erfüllen. Mit anderen Worten, man nahm an, daß eine größere Ausdehnung des Wassers und eine Beschränkung des Landes genügen würde, um auf gewissen Theilen der nördlichen Halbkugel eine Eisperiode hervorzubringen. In diesem Falle müßte indessen die südliche Halbkugel augenblicklich günstigere Bedingungen bieten, das Klima ist dort ja auch freilich kälter als auf der nördlichen, aber weder in Patagonien noch auf Neuseeland hat man Eisperioden, obwohl solche dort einmal gewesen sind. In der Nähe des Poles auf dem antarktischen Kontinent scheint sich allerdings ein Inlandseis zu befinden, dasselbe erreicht aber keine niedrigeren Breitengrade als den südlichen Polarkreis, während wir es doppelt so weit von dem Pol oder bis auf den 40° Südl. Br. verlegen müßten, um eine der Ausdehnung des amerikanischen Inlandseises entsprechende Fläche zu haben. Hiergegen könnte freilich der Einwand erhoben werden, daß das antarktische Inlandseis sich möglicherweise weiter nach Norden hin ausbreiten würde, wenn nur das Land, worauf es ruht, vergrößert würde. Aber selbst wenn dieser Fall eintrete, würde eine solche Ausdehnung, wie oben angedeutet, kaum denkbar sein, da die jährliche Durchschnittstemperatur in dem südlichen Himmelsstrichen nicht niedriger zu sein scheint als in den entsprechenden nördlichen.
Andere haben den ganz entgegengesetzten Weg eingeschlagen und gemeint, daß man, indem man eine Ausdehnung des Landes auf der nördlichen Halbkugel vornehme — indem man durch eine Landbrücke Europa mit den Faröern und Island, ja sogar mit Grönland verbände und den Golfstrom in seinem Laufe hemmte — die Bedingungen für eine Eisperiode zu schaffen vermöge. Aber selbst wenn dies in Bezug auf Europa möglich wäre, was keineswegs der Fall ist, so läßt sich dadurch doch immer die amerikanische Eisperiode nicht erklären. Außerdem darf man nicht außer acht lassen, daß für eine Bildung von Inlandeis starke Niederschläge oder eine große Feuchtigkeit in der Luft erforderlich sind, welches beides vom Meere herkommen muß, weshalb man sich hüten sollte, allzuviel Land in die arktischen Gewässer hinauf zu legen, da dies auf die Dauer keinen fördernden Einfluß auf die Gletscherbildung haben kann.
Einige haben gemeint, daß es früher Zeiten gegeben hat, in denen die Erdatmosphäre viel feuchter war als jetzt, und daß dies hinreichend gewesen ist, um Eisperioden zu bilden; auf der einen Seite sind aber keine positiven Gründe nachgewiesen worden, die eine so allgemeine Zunahme der Feuchtigkeit verursachen könnten, und auf der anderen Seite müßte in diesem Falle diese Feuchtigkeit als Schnee herabfallen. So lange die Erde die gleiche eigene Wärme gehabt und die gleiche Sonnenwärme wie jetzt empfangen hat, scheint sich dies indessen schwer erklären zu lassen.
Endlich giebt es Leute, welche meinen, daß die mit Eis bedeckten Länder vor der Eiszeit bedeutend höher gelegen haben als jetzt, wodurch die Bedingungen zur Ansammlung von Gletschern günstiger gewesen sind. Man hat auch an einzelnen Stellen Senkungen nach der präglacialen Zeit nachweisen zu können vermeint und geglaubt, daß diese möglicherweise auf die Eisschicht selber zurückzuführen seien, indem diese im Wachsen mit ihrem Gewicht die Unterlage herabdrückte. Aber auch dies ist kaum ein befriedigender Grund, denn für die Bildung eines so mächtigen und südlich gelegenen Inlandseises wie das amerikanische und das europäische, ist eine nicht geringe Hebung des ganzen nördlichen Theils dieser Kontinente erforderlich, und eine solche ist keineswegs nachgewiesen. Aber selbst wenn dies der Fall wäre, müßte man mindestens zwei Hebungen und zwei Senkungen voraussetzen, um die beiden mit Bestimmtheit bekannten Eisperioden erklären zu können. Und ehe eine solche Erklärung anerkannt werden könnte, müßte die Ursache zu so großen Niveau-Veränderungen oder das wirkliche Stattfinden derselben erst nachgewiesen werden.
Wenn sich nun also durch diese verschiedenen Theorien die Eisperioden wirklich erklären ließen, so haben wir dadurch immer noch keine Erklärung für die wärmeren Klimate, die, wie oben nachgewiesen wurde, u. a. einmal in Grönland geherrscht haben müssen. Mit Zuhülfenahme aller günstigen Bedingungen, die aufgebracht werden können, ist und bleibt es unter den jetzigen Verhältnissen doch unmöglich, üppige Wälder auf Grinnell-Land (unter dem 82° Nördl. Br.) hervorzubringen, oder Palmen in dem eisbedeckten Boden Grönlands und Spitzbergens keimen zu lassen. Hierzu müssen andere Bedingungen, als wir sie jetzt kennen, vorhanden gewesen sein.