Die ersteren sind Bildungen, welche hauptsächlich in Amerika vorkommen. In Europa findet man sie namentlich in Irland und England. Wir haben sie möglicherweise auch in Norwegen; die eigenthümlichen Hügel, die man an mehreren Stellen findet (z. B. bei Orre), müssen meiner Ansicht nach als solche aufgefaßt werden.

„Drumlins“ sind niedrige, längliche und völlig regelmäßige, aus Kies und Steinen gebildete Hügel. Die Breite beträgt gewöhnlich die Hälfte oder zwei Drittel der Länge, welche ihrerseits zwischen 200 bis 5000 Fuß schwankt. Die Höhe schwankt zwischen 25 bis 200 Fuß, je nachdem die Ausdehnung groß oder klein ist. Sie liegen stets oben auf den sog. Grundmoränen, die u. a. in Amerika sehr verbreitet sind. Sie haben die Eigenthümlichkeit, daß sie dort, wo sie auftreten, sehr dicht liegen, die Längenachse läuft fast stets parallel mit der der Scheuerstreifen und folglich mit den Bewegungen des Gletschers.

Sie scheinen nicht aus einem Material zu bestehen, das in einem wesentlichen Grade vom Wasser befördert sein kann, sie gleichen dagegen im Bau den Grundmoränen. Sie haben keine Schichtenbildung, wenigstens ist diese äußerst unvollständig, und sie sind sehr kompakt oder möglicherweise stark zusammengepreßt. In ihrem Bau unterscheiden sie sich infolgedessen sehr von den „Aaser“, wie man später ersehen wird.

Daß diese Hügel auf irgend eine Weise durch die Gletscher der Eisperiode gebildet sein müssen, ist sicher, wie dies aber geschehen ist, darüber haben die Geologen sich vergebens die Köpfe zerbrochen. Man hat u. a. gemeint, daß es die Moräne oben auf dem Gletscher sei, die sich hier in größeren oder kleineren Unebenheiten gesammelt habe u. s. w. Erstens aber hat, wie wir oben sehen, keine solche Moräne auf der Oberfläche des Gletschers existirt, und zweitens ist es unverständlich, wie es möglich sein sollte, dies ganze Material zu transportiren und in die Unebenheiten (!) hineinzupacken.

Ich glaube, daß sich diese Hügel ganz einfach dadurch erklären lassen, daß der Gletscher ebensowenig auf der Unterfläche regelmäßig schmilzt, wie er es auf der Oberfläche thut. Ebenso wie im kleinen der Kryokonit sich nicht ganz gleichmäßig, sondern in Löcher herabschmilzt, so müssen sich auch nothwendigerweise bei dem Schmelzen auf der Unterfläche Vertiefungen oder vielmehr Aushöhlungen bilden, die sich mit Kies anfüllen. Diese Aushöhlungen werden sich mehr entwickeln, wenn sich der Gletscher über eine solche Grundmoräne hinbewegt, indem hier kein Mangel an Kies vorhanden ist, der infolge der Bewegung in seiner Vertiefung rundgeschliffen wird und der die Aushöhlung durch die bei der Reibung erzeugte Wärme vertiefen muß.

Daß die Aushöhlung eine sehr regelmäßige längliche Form erhält, und daß die Länge in derselben Richtung liegt, welche die Bewegung beschreibt, versteht sich von selbst. Diese Aushöhlungen können jedoch nur bis zu einem gewissen Grade vertieft werden, der von der Dicke und von dem Druck des Gletschers abhängt, sowie von der daraus erfolgenden Abschmelzung auf der Unterfläche, der Friktion etc. Es ist nämlich klar, daß das Eis ein gewisses Stück nach innen hinein so fest und der Kies so abgekühlt wird, daß die Abschleifung und Abschmelzung auf dem oberen Theil der Unterfläche der Aushöhlung das Gleichgewicht halten kann. Wenn sich der Gletscher zurückzieht, muß der Kies in diesen Unebenheiten in Gestalt der regelmäßigen Drumlins zurückbleiben. Infolge des starken Druckes der Gletschermassen, dem sie ausgesetzt waren, müssen sie nothwendigerweise stark zusammengepreßt und ganz dazu geeignet sein, dem Zahn der Zeit und des Regens so gut Widerstand zu leisten, wie dies der Fall ist.

Die „Aaser“ bestehen bekanntlich aus ähnlichem Stein- und Kiesmaterial wie diese Hügel, auch liegen sie meistens auf den sog. Grundmoränen. Sie unterscheiden sich indessen von den bereits erwähnten Hügeln dadurch, daß ihr Material mehr verschlissen ist und der Einwirkung des Wassers mehr ausgesetzt gewesen zu sein scheint. Wir haben ferner einen bestimmten, schichtenartigen Bau, der ebenfalls darauf hinzudeuten scheint, daß das Wasser bei ihrer Bildung eine Rolle gespielt haben muß. Die „Aaser“ sind niedrige Bergrücken, die sich über lange Strecken hinziehen, in der Regel in paralleler Richtung mit den Scheuerstreifen oder mit der Bewegung des Eises. In Norwegen haben wir wenige Aaserbildungen, möglicherweise finden sich einige auf Jäderen; in Schweden dagegen giebt es deren viele. In Schottland, England und Irland sind sie häufig; in Amerika verbreiten sie sich über große Strecken.

Die Beobachtungen unserer Expedition vernichten mit einem Schlage alle Erklärungen, die es bis dahin über Aaser oder Bachbildungen auf dem Eise oder in dessen Tunneln gegeben hat; denn erstens fehlen, wie wir bereits gesehen haben, zum wesentlichen die Bäche, und zweitens fehlt das Material völlig, nämlich der Moränenschlamm und der Kies, womit die Rinnen der Bäche und Tunnel ausgefüllt werden sollten.

Meiner Ansicht nach unterliegt es keinem Zweifel, daß die „Aaser“ durch Bäche gebildet sind, und zwar nicht oben auf dem Eise, sondern unter demselben.

Alles Wasser, das durch das Schmelzen des Eises auf der Unterfläche erzeugt wird, muß sich einen Ablauf verschaffen, dies ist aber nur möglich, indem es sich einen Abzug unter dem Eise aushöhlt; selbstverständlich ist es daher nicht die untere Schicht, sondern die obere Schicht, also das Eis selber, an dem das Wasser, indem es durch diese Abzüge fließt, zehrt. Daß die Bäche im wesentlichen derselben Richtung folgen, welche die Bewegung des Eises beschreibt, ist selbstverständlich, da sie sonst gar bald in ihrem Lauf gehemmt würden. Da sich indessen diese Bewegung des Eises zum große Theil nach der Abschrägung der Unterlage und nach den Thälern richten muß, so werden folglich auch die Bäche mehr oder weniger den letzteren folgen, d. h. ihr Lauf wird zu einem gewissen Grade mit der Hauptrichtung der jetzigen Bäche zusammenfallen. Wenn nun ein Gletscher, der auf der Unterseite von solchen Bächen durchschnitten ist, sich über eine sogenannte Grundmoräne hinbewegt, so ist es klar, daß sein Kies sich in die Rinnen der Bachläufe hineinpressen wird, das Zehren des Bachwassers an dem Dache seines Eistunnels wird selbstverständlich noch größer werden, als es zu einer Zeit war, wo sich der Gletscher über festen Grund hinbewegte. Je mehr sich nun aber der Bach aufwärts in das Eis hineinfrißt, desto mehr Kies wird in den Bachtunnel eindringen, und der Bach wird sich nothgedrungen bald über einen Rücken von Kies hinbewegen, der gleich den oben besprochenen „Drumlins“ steigt, bis sich andere Kräfte melden und die weitere Entwickelung hemmen.