Auf der andern Seite ist es klar, daß ein Bach, der infolge eines starken hydraulischen Druckes von innen durch einen geschlossenen Kanal hindurchgezwungen wird, und zwar unter einem so kolossalen Druck, wie das darüberliegende Eis ihn ausübt, in hohem Grade die Fähigkeit besitzen muß, den Kies und die Steine der darunterliegenden Moräne mit sich fortzuführen. Kommt er indessen weiter an den Rand der Eisdecke heran, wo also das Eis selber dünner und infolgedessen der Druck von oben schwächer ist, so vermag er nicht mehr so große Mengen mit sich fortzuführen und muß daher beständig Kies und Steine ablagern, die, auf dem Boden des Bachbettes liegenbleibend, die Spitze des darunterliegenden Rückens bilden; hierdurch aber erhält dieser Rücken einen schichtenförmigen Bau und ein Material, das unter dem Einfluß und dem Transport des Wassers verschlissen ist.

Wenn dann der Gletscher einmal zurückweicht, bleiben diese Kiesrücken unter den Bächen als „Aaser“ zurück. Daß diese nicht allemal in derselben Richtung liegen wie die Thäler, sondern auch quer über dieselben hinweggehen können, ist ganz natürlich, denn der Bach muß, wie wir gesehen haben, im wesentlichen parallel mit der Bewegung des Eises gehen und wenn diese über Thäler hingeht, wird der Bach seinen Lauf natürlich an der einen Seite des Thalbodens hinab- und auf der andern Seite hinauf nehmen, wie dies jeder Bach oder jede Quelle mit unterirdischem Lauf thut. Der „Aas“ wird folglich seiner Zeit in derselben Richtung liegen, wenn nicht der Gletscher bei seinem Rückzug andere, lokalere Bewegungen einschlägt und den „Aas“ zerstört, was natürlich oft der Fall gewesen ist.

Luftdruck.

Ehe ich diese kurze Zusammenfassung von den wissenschaftlichen Beobachtungen der Expedition abschließe, will ich noch die Luftdrucks- und Windverhältnisse im Innern erwähnen.

Es scheint, als wenn über dem ganzen Innern durchgehends ein verhältnißmäßig hoher Luftdruck liegt, und als ob die Winde in der Nähe der Küste eine auffallende Neigung haben, vom Innern aus nach allen Richtungen dem Meere zuzustreben. Die Hochebene scheint die Bildung der barometrischen Maxima zu begünstigen und in der Regel wenig danach angethan zu sein, Luftdrucksminima oder Sturmcentren quer über das Land gehen zu lassen, doch geben unsere Beobachtungen mehrere Beispiele davon, daß das Innere von den Luftdrucksminima in der Baffinsbucht, der Davisstraße und der Dänemarksstraße beeinflußt werden kann. Wir hatten außerdem Gelegenheit zu beobachten, daß ein Luftdrucksminimum quer über dem Hochrücken gehen kann, indem ein Sturmcentrum am 8. September über uns hinweggeht (vergl. Kapitel XIX). Dies muß, wie Prof. Mohn mir mitgetheilt hat, ein sogenanntes sekundäres Luftdrucksminimum gewesen sein, das sich von einem Hauptminimum abgelöst hat, welches sich einige Tage vorher über der Baffinsbucht befand.

In den Tagen, als wir das Inlandseis verließen und auf das eisfreie Land an der Westküste hinabkamen, beobachteten wir einen vollständig föhnartigen, trocknen und warmen östlichen oder südöstlichen Wind. Dieser kam natürlich vom Inlandseise oder aus der über demselben liegenden oberen Luftschicht herab; daß er aber ganz von der Ostküste her über das Eis gekommen sein sollte, ist nach dem bereits Angeführten eine Unmöglichkeit. Es muß folglich ein feuchter Seewind gewesen sein, der als südwestlicher Wind weiter südwärts über das Inlandseis gekommen ist und der sich dann auf gewöhnliche Weise in einem Bogen über dasselbe hinbewegt hat und wieder als Wind von innen her aus den höheren Luftschichten zu uns gelangt oder über den Rand des Inlandseises herabgesunken ist. Hierin liegt möglicherweise auch die Erklärung für viele der bekannten warmen östlichen Winde an der Westküste Grönlands. Der dänische Meteorolog Adam Paulsen hat schon nachgewiesen, wie unwahrscheinlich es ist, daß diese Winde quer über das Inlandseis kommen sollten, so wie man das früher angenommen hat, aber er schiebt die Ursache ihrer Entstehung auf die lokalen Küstengebirge; darin hat er sicher auch größtentheils Recht, und die Küstengebirge spielen in diesem Falle dieselbe Rolle wie in andern Fällen das Inlandseis.

Dies ist alles, was ich für den Augenblick über die wissenschaftliche Ausbeute unserer Expedition berichten zu können glaube. Wie man begreifen wird, ist noch viel in Grönlands schneebedecktem Innern zu erforschen. Diese Expedition war die erste, die dies Innere durchquerte, und sie hat sozusagen nur Eines ausgerichtet, — sie hat gezeigt, von einer wie großen wissenschaftlichen Bedeutung es ist, das Innere gründlich zu erforschen. Auf unserer Wanderung mußten wir das Hauptgewicht darauf legen, vorwärts zu kommen und unser Leben zu fristen; an wissenschaftlichen Untersuchungen konnten wir nur das ausführen, was sich mit einem eiligen Marsche vereinigen ließ. Kommende Expeditionen aber werden sich an der Hand der von uns gemachten Erfahrungen bequemer einrichten und richtiger zu Werk gehen können; sie werden folglich eine wissenschaftliche Ausbeute mit heimbringen können, gegen welche die unsere nur verschwindend ist.

Möchten sie nicht lange auf sich warten lassen!