Nach dieser Reise scheint Whympers Glaube an schnee- oder eisfreie Strecken im Innern Grönlands erschüttert zu sein. In seinem Buch: „Scrambles amongst the Alps“ 1871 schreibt er Seite 246: „Grönlands Inneres scheint vollständig mit Gletschereis bedeckt zu sein zwischen dem 68° 30–70° N. Breite.“ Weil er auf der letzten Expedition, soweit das Auge reichte, zerklüftetes Gletschereis erblickte, vermuthet er, daß sich das Eis oder das schneebedeckte Land in einer bedeutenden Ausdehnung erstrecken muß, „denn zur Bildung einer so ungeheueren Gletschermasse ist ein ganz kolossales Schneereservoir erforderlich.“ Er taxirte die Höhe des inneren sichtbaren Theils des Inlandseises auf „nicht weniger als auf 8000 Fuß“. Dies ist wahrscheinlich reichlich hoch gegriffen, wird aber die richtige Höhe nicht weit übertreffen.

Mit der Wanderung, welche der Freiherr A. E. Nordenskjöld gemeinsam mit dem jetzigen Professor Berggren von dem nördlichen Arm des Aulatsivikfjordes (südlich von Egedesminde auf dem 68° N. Br.) auf das Inlandseis unternahm, beginnt so zusagen eine neue Phase in der Geschichte der grönländischen Eiswanderungen.

Es ist dies das erste Mal, daß menschliche Wesen eine längere Strecke auf dem Inlandseise vordringen und mehrere Tage hintereinander auf demselben verbringen, wie es auch die erste Expedition ist, die eine Ausbeute von mehr wissenschaftlicher Natur hat.[19]

Am 19. Juli 1870 verließen die beiden Reisenden in Begleitung von zwei Grönländern den Eisrand in der Nähe des Fjordes. Sie hatten Proviant für 30 Tage mitgenommen. Ein Zelt hatten sie nicht, sie schliefen in zwei Schlafsäcken, die an beiden Enden offen waren, und in die sich zwei Personen mit den Füßen gegeneinander zur Noth hineinzwängen konnten. Dies Lager war indessen, wie Nordenskjöld berichtet, mit dem unebenen Eis als Unterlage sowohl unbequem als auch kalt. Die ganze Ausrüstung der Expedition wurde auf einen Schlitten gezogen.

Man war indessen nicht weit vorgedrungen, als es sich infolge des unebenen Eises herausstellte, daß es eine Unmöglichkeit war, sich mit einer so großen Ausrüstung abzumühen. Deswegen beschloß Nordenskjöld schon am zweiten Tage einen Theil des Proviants sowie den Schlitten zurückzulassen. Den Rest der Bagage nahm man auf die Schultern und setzte nun die Wanderung fort.

Am 21. Juli, als sie sich 36 Längsminuten östlich vom Fjord und 440 m über dem Meeresspiegel befanden, weigerten die Grönländer sich weiter zu gehen und kehrten auch wirklich am folgenden Morgen um. Die beiden energischen Europäer hatten jedoch noch nicht genug gesehen, sie setzten ihre Wanderung noch zwei Tage länger fort.

Am 22. Juli um 12 Uhr befanden sie sich auf dem 68° 22′ N. Br. und 56 Längsminuten östlich vom Zeltplatz am Fjord, in einer Höhe von fast 640 m über dem Meeresspiegel.

Am folgenden Tage (23. Juli) machten sie für die Nacht Halt auf dem 68° 22′ N. Br. und 76 Längsminuten östlich vom Fjord in einer Höhe von 600 m, also merkwürdigerweise niedriger als am vorhergehenden Tage.

Sie waren jetzt des Proviants wegen gezwungen, zurückzukehren, um aber eine Aussicht über das Inlandseis zu haben, drangen sie doch am folgenden Tage bis zu einer weiter landeinwärts gelegenen Höhe vor, alles Gepäck an dem Ort zurücklassend, wo sie übernachtet hatten. Von dem Gipfel dieser Höhe sahen sie, daß das Inlandseis, soweit das Auge reichte, sanft anstieg, ohne durch Felspartien unterbrochen zu werden, so daß der Horizont nach Osten, Norden und Süden von einem Eisrand begrenzt wurde, der fast so eben war wie das Meer. Der Wendepunkt lag in einer Höhe von 690 m über dem Meeresspiegel und ungefähr 83 Längsminuten oder 56 Kilometer östlich von dem nördlichen Arm des Aulatsivikfjordes. Die zurückgelegte Entfernung betrug folglich circa 11 Kilometer pro Tag.

In der Nacht zwischen dem 25. und 26. Juli kamen sie wieder an den Fjord zurück, nachdem sie im ganzen 7 Tage auf dem Inlandseise zugebracht hatten.