Das Abwägen der Rationen auf dem Inlandseise.
(Nach einer Photographie.)

Unser Speisezettel für den Tag lautete:

Frühstück: Schokolade, in Wasser gekocht (als die Schokolade verbraucht war, nahmen wir statt dessen Thee mit Zucker), Fleischbiskuits, Knäckebrot, ein wenig Leberpastete, Pemikan.

Mittagessen: Knäckebrot, ein wenig Leberpastete, Pemikan. Dessert: 2 Haferkakes, ein wenig Citronensaft und Zucker, um den Schnee damit anzufeuchten.

Vesperbrot: Knäckebrot oder Fleischbiskuits, ein wenig Leberpastete, Pemikan.

Abendbrot: Erbsensuppe (oder Bohnen- oder Linsensuppe), Fleischbiskuits, Pemikan. Statt der Suppe wurde zuweilen ein Brei aus Pemikan und Erbswurst gekocht, häufig fügten wir auch einige Fleischbiskuits hinzu, wodurch das Gericht sehr an Wohlgeschmack gewann. Zuweilen genossen wir statt Suppe auch Thee.

Außerdem erhielten wir, wie bereits erwähnt, jede Woche unser halbes Pfund Butter, davon konnten wir nach Belieben zu jeder Mahlzeit essen. Am liebsten aßen wir die Butter mitten am Tage, da wir der Ansicht waren, daß sie, allein genossen, den Durst löschte, was vielleicht eine einzig dastehende Erfahrung ist, wenn man bedenkt, daß die Butter gesalzen war.

Unsere Bereitung des Essens war nicht von der zierlichsten Art, und die Art und Weise des Kochens war höchst eigenthümlich. Wie bereits erwähnt, hatten wir keinen Ueberfluß an Wasser, infolgedessen hatten wir nichts, worin die Kochgefäße ausgewaschen werden konnten — es wäre dies bei der Kälte auch eine wenig angenehme Arbeit gewesen. Wenn wir am Abend Erbsensuppe oder unsern Brei gekocht hatten, wurde das Gefäß als besondere Vergünstigung einem der Gefährten, der beim Kochen behülflich gewesen war, übergeben, damit er es reinigen sollte. Balto pflegte der Glückliche zu sein, dem diese Arbeit zufiel, und er führte sie aus, indem er das ganze Kochgefäß so rein ausleckte, wie sich dies mit Zunge und Fingern bewerkstelligen ließ; dies will nun freilich nicht viel sagen, da das Gefäß sehr tief und im Boden so eng war, daß man nicht gut mit der Hand hinuntergelangen konnte. In einem solchen Geschirr wurde dann am nächsten Morgen die Schokolade oder der Thee gekocht, und wenn es dann geleert war, konnte man zuweilen auf dem Grunde einen wunderlichen Bodensatz finden, der aus allen möglichen Ueberresten unserer Breispeise oder Erbsensuppe in lieblichem Verein mit halbaufgelöster Schokolade oder Theeblättern bestand. Daß dies verzehrt wurde und dem glücklichen Finder vorzüglich mundete, brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Wenn der Abend kam, wurde dann wieder Suppe, oder was es nun sein mochte, mit den Ueberresten der Schokolade zusammengekocht. Hierüber wird wohl manche Hausfrau die Nase rümpfen, ich kann diese hochverehrten Damen aber versichern, daß sie nie in ihrem Leben mit all’ ihrer Reinlichkeit Speisen bereitet haben, die so gut schmeckten, wie uns unser selbstgekochtes Essen mundete.

Fast ebenso hoch wie die Butter wurde im Innern Grönlands der Tabak geschätzt, — ich entsinne mich, daß für eine kleine Pfeife eine Krone geboten wurde. Wie bereits erwähnt, hatte ich keinen großen Vorrath an Tabak mitgenommen, weil ich das Rauchen bei so starken Anstrengungen für schädlich halte. Die Pfeife, die man am Sonntag erhielt, mußte lange herhalten. Erst rauchte man den Tabak und dann sog man so lange wie möglich auf der Asche und dem Holz des Pfeifenkopfes. Aber es hielt doch nicht für die ganze Woche vor, deswegen stopfte man getheertes Tauwerk in die Pfeifen und rauchte das. — Am schwersten wurde es Balto, den Tabak zu entbehren; wenn man ihm eine Pfeife versprach, konnte man alles von ihm erreichen. Kautabak hatten wir nicht mitgenommen, aber mehrere der Kameraden kauten statt dessen große Stücke getheerten Tauwerks. Weil ich glaubte, daß man möglicherweise dem brennenden Durst dadurch vorbeugen könne, versuchte ich es auch eines Tages, aber das Stück Tau kam schneller wieder aus dem Munde heraus, als es hineingekommen war.

Weit angenehmer fand ich es, während des Marsches auf Holzsplittern zu saugen; das hält bekanntlich den Mund feucht und löscht den Durst. Ich benutzte bisweilen ein Stück Bambusrohr, das beste war jedoch, sich einen Splitter von den norwegischen Trugern abzuschneiden, die zum Theil aus wildem Kirschbaum angefertigt waren; besonders die Borke dieses Holzes war vorzüglich, und sowohl Sverdrup wie ich arbeiteten dermaßen auf die Truger los, daß sie ziemlich dünn waren, als wir endlich die Westküste erreichten, — glücklicherweise war dies der einzige Gebrauch, den wir für die Truger hatten.