Hieraus hat sich möglicherweise auch die sinnreiche Harpune mit Fangriemen und Blase entwickelt. Um größere Seethiere zu fangen, wurde die Blase dann größer und größer gemacht, der Uebelstand aber, daß sich dadurch ein zu großer Luftwiderstand bildete, so daß der Pfeil nicht weit und mit genügender Kraft geworfen werden konnte, hat sich bald eingestellt.

Man trennte ihn dann von der Harpune und ließ ihn nur mit derselben oder vielmehr mit deren Spitze, von der er abfällt, mit einer langen, starken Leine, dem Fangriemen, verbunden sein; die Harpune selber wurde von nun an allein geworfen, den Riemen nach sich ziehend, die Blase warf man erst aus, nachdem das Thier getroffen war.[49]

Das zweiblättrige Kajakruder hat sich möglicherweise auch aus dem einblättrigen Ruder der Indianer entwickelt. Bei den Eskimos im südlichen Alaska findet man auch nur ausschließlich solche; erst auf der Nordseite des Jukonflusses trifft man zweiblättrige Ruder, die einblättrigen sind aber doch noch überwiegend. Weiter nach Norden und Osten zu findet man beide Formen, bis das zweiblättrige Ruder östlich vom Mackenzieflusse die Alleinherrschaft erhält.

Die Aleuten — ein Seitenzweig der Eskimos — scheinen wunderbarerweise nur die zweiblättrigen Kajakruder zu kennen.[50]

Die Kenntniß der asiatischen Eskimos ist in dieser wie in anderen Beziehungen spärlich, es scheint, als ob sie im wesentlichen nur zweiblättrige Ruder haben.[51]

Dies alles scheint also auf den Zusammenhang der Eskimos mit den Indianern hinzudeuten. Ein Geräth indessen unterscheidet ihn deutlich von diesen und nähert ihn den asiatischen Nomadenvölkern, nämlich der Hundeschlitten.

Wenn man die Inka-Peruaner ausnimmt, die das Lama als Lastthier benutzen, so kannte die amerikanische Urbevölkerung die Benutzung der Thiere zum Ziehen oder Tragen nicht. Allerdings hatten die Indianer eine Art halbgezähmter Hunde, aber diese wurden kaum zu irgend etwas verwendet. Der Schlitten und das Hundefuhrwerk bringt folglich den Eskimo Asien beträchtlich näher. Auch sollen die Hunde der Eskimos (nach Lütke)[52] dem kamtschadalischen Hund sehr ähnlich sein.

Die Anwendung des Hundes zum Ziehen verräth zweifelsohne einen hohen Grad der Entwickelung, und dieser Zug läßt den Zusammenhang der Eskimos mit den asiatischen Polarvölkern als sehr glaubhaft erscheinen. Es muß jedoch gleichzeitig hervorgehoben werden, daß die Eskimos selber das Rennthier niemals gezähmt und zum Ziehen benutzt haben, obwohl in ihren Sagen die Rede davon ist. Dagegen ist dies der Fall bei den meisten asiatischen Polarvölkern. Die Kamtschadalen bilden freilich eine Ausnahme, wodurch sie sich abermals den Eskimos nähern.

Es ist indessen nicht undenkbar, daß die Eskimos, die im übrigen einen so ausgeprägt erfinderischen Geist haben, selber auf den Gedanken gekommen sind, Zugthiere abzurichten und Schlitten anzufertigen.

Wenn sie noch keine Hunde gehabt haben, so haben sie möglicherweise den Polarwolf gezähmt, und es kann sein, daß ihre Hunde von diesem abstammen; einzelne der eskimoischen Sagen scheinen auch hierauf hinzudeuten. In diesem Falle würden also die Asiaten das Benutzen der Hunde zum Fahren von den amerikanischen Eskimos gelernt, wie auch von ihnen ihre Hunde erhalten haben.