Die Aehnlichkeit, welche nach jeder Richtung hin unter den Eskimostämmen herrscht, läßt darauf schließen, daß sie ursprünglich ein kleiner Stamm gewesen sind, der sich erst in späteren Zeiten über die jetzt von ihnen bewohnten Länder verbreitet hat.[43]
Daß sie sich über diese in verhältnißmäßig kurzer Zeit haben verbreiten können, ohne doch wie bei den größeren Völkerwanderungen in Horden aufgetreten zu sein, ist leicht erklärlich, wenn man bedenkt, daß ihre jetzige Heimath zu den ungastlichsten Ebenen unserer Erde gehört, zu Ebenen, die kaum jemals bewohnt gewesen sind, jedenfalls nicht für beständig, bis die Eskimos sie in Besitz nahmen, und wo sich ihrer Ausbreitung folglich nichts anderes als die Natur selber feindlich gegenübergestellt hat.
Der Strich, den die Eskimos jetzt bewohnen, erstreckt sich von der Westküste der Beringsstraße über Alaska, Nordamerikas Nordküste, die nordamerikanischen arktischen Inselgruppen und die Westküste Grönlands bis an dessen Ostküste.
Durch seine abgesonderte Stellung hat der Eskimo den Anthropologen viel Kopfzerbrechen verursacht, und über seine Zukunft haben sich die widerstreitendsten Ansichten geltend gemacht.
Es ist hier nicht der Ort, tiefer auf dies Thema einzugehen, das noch längst nicht abgeschlossen ist. Nur soviel läßt sich mit annähernder Sicherheit sagen, daß die Eskimos zuletzt von der an der Beringsstraße oder dem Beringsmeer gelegenen Küste (möglicherweise von der amerikanischen Seite) gekommen sind und sich von dort aus östlich über das arktische Amerika bis Grönland ausgebreitet haben.
Dr. Rink, der sich das Studium Grönlands und der Eskimos zur Lebensaufgabe gemacht hat, und der ohne Frage die größte Autorität auf diesem Gebiete ist, meint, daß die Waffen der Eskimos und ihre Geräthschaften jedenfalls im wesentlichen aus Amerika stammen. Er hält es für möglich, daß die Eskimos einmal im Innern von Alaska gewohnt haben, wo sich noch eine nicht geringe Anzahl von „Inlandseskimos“ findet. In verhältnißmäßig später Zeit soll ein Theil derselben nach den Küsten des Beringsmeeres oder Eismeeres ausgewandert sein, entweder von den Schätzen des Meeres[44] gelockt oder von feindlichen, kriegerischer gesonnenen Indianerstämmen vertrieben.[45]
Rink weist ferner nach, wie die Nordwestindianer sowohl auf dem festen Lande jagten, als auch Fischfang auf den Seen und Flüssen in ihren Kanoes aus Birkenrinde betrieben. Dasselbe müssen denn auch die ursprünglichen Inlandseskimos gethan haben,[46] und in ihren Kanoes sind sie wahrscheinlich auf die Nordwestseite Alaskas zu seewärts gezogen. Je weiter sie kamen, desto spärlicher wurden die Waldungen, so mußten sie denn darauf sinnen, ein Ersatzmittel für die Baumrinde zum Beziehen ihrer Kanoes zu finden, und da ist es denn nicht unwahrscheinlich, daß sie sich schon auf den Flüssen der Felle der gefangenen Seethiere bedient haben, denn noch jetzt sieht man Beispiele davon bei einzelnen Indianerstämmen.[47]
Erst als die Eskimos mit Seegang und Flußmündungen in Berührung kamen, fingen sie allmählich an, ihren Böten ein Deck zu geben, bis sie schließlich die Oberfläche ganz überzogen. Damit war der Kajak fertig, der auch in seiner ganzen Form und seinem Bau mehr an die indianischen Birkenkanoes als an jegliche andere nordasiatische Bootsform erinnert.[48]
An der Küste angelangt, entdeckten sie, daß ihre Existenz im wesentlichen von dem Seehundsfang abhängig sei, sie setzten infolgedessen ihre ganze Kraft darauf ein und die Kajaks führten zu der Erfindung der zahlreichen eigenartigen und bewunderungswürdigen Geräthschaften zum Kajakfang, die sich zu immer größerer Vollkommenheit entwickelten. Das Material zu diesen Geräthschaften erhielten sie abermals aus Amerika, indem die indianischen Pfeile mit den Steuerfedern, welche für die Landjagd benutzt wurden, ihnen die erste Wurfwaffe für die Seejagd lieferten. Solche kleine Harpunen oder Wurfpfeile mit Steuerfedern sind noch heutzutage auf dem südlichen Theil der Westküste von Alaska in Gebrauch.
Wenn man in nördlicher Richtung an dieser Küste entlang geht, so verschwinden die Vogelfedern jedoch bald, und eine kleine an dem Harpunenschaft befestigte Blase tritt an ihre Stelle. Man sah sich genöthigt, solche Mittel anzuwenden, um dem Untertauchen und dem Schwimmen der Seehunde ein Hinderniß in den Weg zu legen, ferner hielt man es für nothwendig, die Spitze so einzurichten, daß sie bei den Bewegungen des Seehundes nicht abbrach, sondern abfiel und in einem Riemen am Schaft hängen blieb. Auf die Weise entstand der sogenannte Blasenpfeil, der allen Eskimos bekannt ist.